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Abiturienten feiern ausgelassen

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Nach der Party beim „Abi-Move“ machen die Abiturienten ernst mit ihren Zukunftsplänen.
Nach der Party beim „Abi-Move“ machen die Abiturienten ernst mit ihren Zukunftsplänen. © Andr Hirtz

Hunderte junge Leute ziehen feuchtfröhlich durch die Innenstadt.

Das Wort „Abitur“ passt in jeden Beat. Als Stadiongesang grölen es Dutzende Abgänger der Lichtenbergschule in Endlosschleife und dabei hüpfen sie aufgedreht auf der Ladefläche, bis der Lastwagen wankt. Etwas weiter wird „Abitur“ über massige Bässe gerappt, dann wieder findet man es zwischen glitzernden Synthesizern eines House-Beats, oder es wird in bekannte Popsongs integriert. Es ertönt aus bunt geschmückten Wagen, junge Menschen auf Trucks brüllen es glückselig den Passanten zu: „Abitur!“ Hunderte Abiturienten feiern sich und ihre Zukunft.

Mittendrin sind vier Schülerinnen der Lichtenbergschule. Marie Gottschalk, Leonie Frühe, Hannah Ruf und Kim Paschke haben gerade ihre Reifeprüfung abgelegt, nun ziehen sie ganz euphorisiert durch die Stadt. „Man sieht, dass jetzt der Ernst des Lebens losgeht“, ruft Leonie, die an diesem besonderen Tag alles außer ernst wirkt. Bisher hätten die Lehrer ja immer motiviert und geleitet, das werde jetzt anders.

Uni muss warten

Konkret sieht der Ernst des Lebens aber erst einmal so aus, dass die Abiturienten auf Reisen gehen. Drei der vier Lichtenbergschülerinnen werden Universität und Arbeitsmarkt warten lassen, um nach Südamerika oder Südostasien zu fliegen – es gibt schließlich Erfahrungen, die weder Schule noch Studium vermitteln können. „Jetzt zu studieren, das machen sowieso die wenigsten von uns“, wissen sie. So holen sich die Turbo-Abiturienten ihr Jahr zurück.

Etwas schwer scheint die Trennung aber doch zu fallen. „Der Zusammenhalt im Jahrgang kam erst am Schluss“, erzählt Kim. Dafür herzen und umarmen sich die Schüler nun an jeder Straßenecke des Zuges. In den letzten Wochen vor dem Abgang wird sowieso noch einmal Gas gegeben: Der gemeinsame Gang ins A5, die Abiparty vor der Krone, der Abi-Streich, der Abi-Ball – mit der Abi-Parade sind es fünf obligatorische Feste, die die Darmstädter Matura begleiten. Das ist nur fair; es sind schließlich auch fünf Prüfungen zu absolvieren. Welches Fest das beste ist, darüber lässt sich streiten, aber das heißeste ist definitiv der Abi-Move.

Am Roßdörfer Platz hat die Feuerwehr den Riesenventilator „Typhoon“ aufgestellt, der kühlendes Wasser in die Menge spritzt. Ab hier geht es aber nicht wie geplant geradeaus zum Böllenfalltor hoch. Wegen einer Sperrung wird der Zug nach rechts zum Karolinenplatz umgeleitet, aber das ist den Feiernden egal. Das Geradeaus-Laufen fällt dem ein oder anderen zu späterer Stunde ohnehin schwer. Im Schritttempo geht es voran, wenn nicht gerade gestanden wird, aber die ratternden Tiefen heizen die Laune ebenso an wie die eingängigen Schlager. Flankiert werden die Wagen von Ordnern, die aber selbst so ausgelassen sind, dass sie eigentlich „Vortänzer“ heißen müssten.

Die Privatschüler des Seminars Marienhöhe tanzen im grauen „Abercrombie & Rich“-T-Shirt auf und neben ihrem Laster, kommentieren das Erreichte auf ihrer Tracht selbstironisch mit einem „danke, Papi!“. „Lichtenbergs Enkel“ sehen sich selbst als „Meist Dichter als Denker“, die Viktoria-Schule stellt sich ein goldenes Lorbeerblatt aus, das den Slogan „Viktory“ umrandet.

Geschafft haben es auch Gabriel und Eva von der Edith-Stein-Schule. Was bleibt von der Schulzeit? „Die Werte, die vermittelt wurden, die waren schon gut“, blickt Eva zurück. Gestört hat sie nur „das Elitäre“. Weil sie Jura oder Medizin studieren wollen, wird das in Zukunft wohl nicht unbedingt besser werden. Das ist aber erst einmal egal, die beiden verschwinden in der Menge, um ihre Leistung zu feiern. (eda)

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