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Abends im Herrngarten

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Wer nichts dabei hat, für den gibt es im Herrngarten immerhin einen Trinkbrunnen.
Wer nichts dabei hat, für den gibt es im Herrngarten immerhin einen Trinkbrunnen. © Andreas Arnold

Zumindest gefühlt ist der Hernngarten wieder sicher: Für die Darmstädter ist er bei Tag und Nacht Festplatz und Erholungsort zum Feiern und Ausspannen. Nur den Müll nimmt nicht jeder wieder mit nach Hause.

Noch ist der Boden klamm vom Regen, strahlt das Gras Kühle ab. Doch echte Freiluft-Profis lassen sich davon nicht abhalten. Aus schützenden Folien und wärmenden Decken haben sie eine bunte Insel auf dem Rasengrün geschaffen. Darauf liegen, sitzen und lungern die einen gemütlich herum, während die anderen Frisbee spielen. Samstagabend im Darmstädter Herrngarten.

Tobi feiert seinen 28. Geburtstag. Die Studentengruppe gehört zu den vielen jungen Leuten, die bei schönem Wetter regelmäßig den Herrngarten bevölkern und damit zum Jugendtreff machen. Gern auch abends, wenn es dunkel wird. Seit dem Frühjahr sind sie bestimmt einmal die Woche hier. Zum „chillen und spielen“, wie Lucie sagt. „Früher war es verrufener, es ist seltener die Polizei durchgefahren“, stellt Nele fest – eine mögliche Erklärung, warum die abendliche Nutzung von Darmstadts zentralem Innenstadtpark in jüngerer Zeit zugenommen hat.

Es sei ja auch ein schöner Platz, wirft Lucie ein, „solange kein Müll rumliegt.“ Doch das tut er nach dem Freiluft-Feiern ziemlich oft, wie nicht nur die Heilpädagogik-Studentin bedauert.

Schüler fühlen sich sicher

Zwei Oberstufenschüler sind bereits länger Herrngartennutzer. „Das ist schon früher unser Garten gewesen“, erzählt der 17 Jahre alte Jacob. „Hier trifft man immer irgendwen, weil alle hier durchkommen.“ Trotzdem: „Abends haben wir das früher nicht so oft gemacht“, stellt Marcel fest. Aber jetzt seien die Drogendealer weg.

Von denen indes hat Maschinenbaustudent Michael auch vorher nichts mitbekommen. „Ich hab das immer gehört, aber ich hab noch nie was bemerkt – auch nachts nicht, wenn ich hier allein durchgelaufen bin.“ Auch Julia und Elena sitzen mit Freunden zusammen. „In den Sommerferien jeden Tag, teils von früh bis spät“, erzählen die beiden 16-Jährigen. „Es ist einfach schön, wenn man in der freien Natur ist und nicht so eingesperrt wie in der Disco oder Zuhause“, findet Julia. Und wie halten sie es mit dem Partymüll? Grinsen in der Runde: „Den nehmen wir mit.“ Wirklich? Hand aufs Herz. Da gibt Julia ehrlich zu, dass sie das manchmal nicht ganz schaffen.

Alle anderen indes beteuern, dass sie ihren Unrat nach dem Feiern im Grünen immer entsorgen. „Wir haben immer eine Mülltüte dabei“, sagt Studentin Lucie auf ihrer Deckeninsel. Nur Pfandflaschen ließen sie bewusst liegen für Bedürftige, die sie einsammeln und das Pfand kassieren könnten. ( aw)

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