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Im Berufsschulzentrum Nord in Darmstadt gilt die Maskenpflicht. Dennoch wurden auch hier bereits mehrere Corona-Infektionsfälle registriert.

Pandemie

80 Corona-Fälle an 23 Schulen in Darmstadt - Eltern-Initiative reagiert

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch informiert die Stadtverordneten über die aktuelle Lage in den Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt. Sieben Kindertagesstätten sind derzeit wegen Corona-Fällen geschlossen. Die Eltern-Initiative „Familien in der Krise Darmstadt“ wendet sich nun mit einem Schreiben an das Darmstädter Stadtoberhaupt.

Erstmeldung vom 06. November, 18:21 Uhr - aktualisiert am 14. November, 20:40 Uhr: Seit Beginn des neuen Schuljahrs im August hat es an 23 Darmstädter Schulen 80 Corona-Infektionsfälle gegeben. Das hat Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Donnerstag, 5. November, den Stadtverordneten mitgeteilt, nachdem die Stadt hierzu in den vergangenen Wochen keine Angaben gemacht hatte.

Im Zeitraum vom 26. August bis zum 4. November seien 43 Infektionsfälle an Beruflichen Schulen, 15 Fälle an Grundschulen, zehn an Gesamtschulen, neun an Gymnasien und drei Fälle an Privatschulen registriert worden. Sieben Kindertagesstätten – drei städtische und vier in freier oder kirchlicher Trägerschaft – seien derzeit geschlossen. In den Kitas hätten sich 24 Mitarbeitende und zwei Kinder in den vergangenen gut zwei Monaten mit dem Erreger infiziert.

Auf Nachfrage der FR wollte die Stadt – im Gegensatz etwa zu benachbarten Landkreisen (siehe Meldungen im News-Ticker: Corona-Krise in Darmstadt und Südhessen) – zunächst nicht die Namen der Schulen und Kitas nennen, die derzeit geschlossen sind oder die von Quarantäne-Maßnahmen betroffen sind.

Liste der Covid-19-Fälle in Darmstädter Schulen seit Schuljahresbeginn

Sechs Tage nach der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung übermittelte die Pressestelle der Stadt dann doch noch eine Liste mit den Namen der 23 Schulen, in denen seit Beginn des neuen Schuljahrs bis zum 4. November die 80 Covid-19-Fälle gemeldet worden waren.

43 Corona-Fälle wurden demnach in Darmstädter Berufsschulen registriert - 14 in der Martin-Behaim-Schule, zehn in der Friedrich-List-Schule, fünf in der Alice-Eleonoren-Schule, vier in der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule und drei in der Erasmus-Kittler-Schule.

15 Corona-Fälle gab es an neun Darmstädter Grundschulen - fünf Fälle wurden an der Wilhelm-Leuschner-Schule, jeweils zwei an der Goetheschule und der Heinrich-Heine-Schule registriert. Jeweils einen Fall gab es an der Andersenschule, der Astrid-Lindgren-, der Christian-Morgenstern-, der Erich-Kästner- und der Wilhelm-Hauff-Schule sowie an der Mornewegschule.

Zehn Corona-Fälle wurden aus drei Gesamtschulen gemeldet - jeweils vier an der Erich-Kästner-Schule (IGS) und der Stadtteilschule Arheilgen und zwei weitere Fälle an der Gutenbergschule.

Zudem gab es neun Corona-Fälle an vier Gymnasien - jeweils drei an der Eleonorenschule und der Georg-Büchner-Schule, zwei an der Lichtenbergschule und ein Fall an der Justus-Liebig-Schule.

Drei Corona-Fälle an einer Privatschule: Zudem gab es laut der Auflistung des Dezernats V der Darmstädter Stadtverwaltung drei Covid-19-Fälle an der privaten Beruflichen Schule ProGenius.

Keine Corona-Fälle wurden aus Förderschulen gemeldet.

Darmstadt: Leih-Tablets noch ohne Lernsoftware

Auf einen möglichen Digitalunterricht scheint die Stadt derzeit offenbar nur teilweise vorbereitet zu sein. OB Partsch berichtete davon, dass zwar 1300 Tablets an die Schulen verteilt worden seien. Allerdings sei wegen unterschiedlicher Vorstellungen der Schulen bislang noch keine Lernsoftware auf die Geräte aufgespielt worden. Am kommenden Donnerstag sollen 2000 mobile Leihgeräte, die das Schulamt der Stadt beschafft hat, verteilt werden.

Die Stadt teilte am Freitag mit, alle Veranstaltungen des städtischen Seniorenprogramms würden bis zum Jahresende abgesagt. Hierzu zählten auch das Adventskonzert im Staatstheater Darmstadt am 29. November 2020.

Am Freitag wurden vom Darmstädter Gesundheitsamt 55 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert. In den Darmstädter Kliniken werden derzeit 46 Personen mit Covid-19 auf der Normalstation behandelt und weitere zwölf auf der Intensivstation.

Eltern-Initiative reagiert mit Schreiben an den Oberbürgermeister

Update vom Sonntag, 08. November, 12:00 Uhr: Nach Veröffentlichung des Artikels hat sich nun die Initiative „Familien in der Krise Darmstadt“ in einem Schreiben an Oberbürgermeister Partsch gewandt. In einer Mailingliste haben sich nach Angaben von Initiativen-Sprecherin Anna Quick-Rathgeber in Darmstadt rund 150 Eltern und aus den benachbarten Kreisen Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau etwa 100 Eltern eingetragen.

Laut Quick-Rathgeber hat der FR-Artikel in Darmstadt „zu großen Diskussionen in den sozialen Medien geführt und erneut die Rufe nach Schul- und Kitaschließungen befeuert“.  Nach Einschätzung der Eltern-Initiative haben die Infektionen allerdings nicht in den Kindertagesstätten und Schulen stattgefunden, sondern seien in die Einrichtungen „hineingetragen“ worden. 

Sollte es tatsächlich zu Fällen von Infektionen in Einrichtungen gekommen sein, „wäre dies natürlich interessant, zu wissen“, äußerte Initiativen-Sprecherin Quick-Rathgeber im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Aus Frankfurt und Offenbach sei allerdings von den dortigen Gesundheitsämtern bekannt, dass diese Zahl allerdings „verschwindend gering“ sei beziehungsweise es zu überhaupt keinen Infektionen in den Schulen gekommen sei.

Eltern-Initiative distanziert sich von „Querdenken“-Bewegung

Die Eltern, die sich ausdrücklich von Aktivitäten der Bewegung „Querdenken“ distanzieren, die in den vergangenen Monaten auch in Darmstadt mehrfach gegen die Pflicht zum Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen demonstriert hat, äußern in dem Schreiben an OB Partsch auch, dass ihre Kinder derzeit und auch schon in den vergangenen Monaten seit dem Frühjahr „viele Einschränkungen“ auf sich genommen hätten und auch in Kauf nähmen. Abschließend heißt es in dem Schreiben der Eltern-Initiative an den Darmstädter Oberbürgermeister: „Bitte behalten Sie das Wohlergehen und das Recht auf Bildung und Bewegung der Kinder im Auge, denn diese Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft“.

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