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Schattiges Plätzchen zwischen Werksgebäuden: Imker Udo Drees schaut nach seinen Bienen.

Darmstadt

100.000 Bienen im Einsatz für die Beziehungspflege

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Auf dem Werksgelände der Firma Evonik in Darmstadt haben in diesem Jahr zwei Bienenvölker 140 Kilo Honig produziert, der am Donnerstag beim Nachbarschaftsfest zum ersten Mal verkauft wird.

Wenn Udo Drees nach seinen „fleißigen Mädels“ schaut, dann benötigt er keine extra Schutzkleidung. Hätte er nicht seine Latzhose an und seinen großen Bienenhut auf, dann wäre der Hobbyimker aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht von einem der Arbeiter zu unterscheiden, die nebenan auf dem Werksgelände des Chemieunternehmens Evonik in der Darmstädter Innenstadt arbeiten.

Im Sommer vorigen Jahres hat die Firma auf einen Schlag gleich mehrere Tausend neue Mitarbeiterinnen am Standort in Darmstadt neu eingestellt. Drees hatte Unternehmenssprecher Sascha Görg in Gesprächen davon überzeugen, zwei Bienenvölker mit je 5000 Arbeiterinnen auf dem Werksgelände anzusiedeln.

Honigproduktion auf dem Gelände einer Chemiefirma – was sich anfangs nach einer fixen Idee anhörte und durchaus auch einige Bedenkenträger auf den Plan rief, entwickelt sich allmählich zu einem Projekt der Beziehungspflege des Unternehmens mitten im Pallaswiesen- und Mornewegviertel, einem Darmstädter Stadtteil, der im Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“ besonders gefördert wird.

Optimale Lage

Aus den zirka 10 000 Bienen, die Drees im vorigen Jahr in zwei Beuten am östlichen Rand des 16 Hektar großen Firmengeländes an einem etwa 20 Quadratmeter großen schattigen Plätzchen zwischen zwei Werksgebäuden aufgestellt hatte, sind in diesem Jahr zwei Bienenvölker mit rund 100 000 Arbeiterinnen herangewachsen. Und die neuen gelb-schwarzen Arbeiterinnen, die nach Einschätzung des Imkers sehr friedlich sind, waren in den vergangenen Monaten ausgesprochen fleißig.

Nachdem bereits die Frühjahrstracht sehr ertragreich war, konnte der 53-Jährige im Sommer weitere zweimal Honig ernten. Insgesamt habe er 140 Kilogramm Honig aus den Waben geschleudert, berichtete er bei einer Besichtigung des kleinen Produktionsstandorts. Weitere Bienenvölker hat Drees auf der Darmstädter Rosenhöhe, von denen die Evonik-Bienen abstammen, am Darmstädter Schloss sowie auf dem Gelände des südhessischen Unternehmerverbands stehen.

Der Sommerhonig schmeckt ein wenig nach Minze.

Wenn Drees ab und an das kleine Plätzchen auf dem Evonik-Werksgelände inspiziert, genießt er zunächst einmal die Ruhe und beobachtet aufmerksam, wie die emsigen Arbeiterinnen auf einem Holzbrett vor dem Einflugloch der Bienenstöcke landen und dann ins Innere krabbeln oder wie sie aus den Beuten wieder herauskommen und summend davonschwirren. Aufgrund der optimalen Lage können die Bienen über die Werksmauer bis in den Herrngarten oder die Albert-Schweitzer-Anlage ausschwärmen. Sie beziehen Drees zufolge ihre Nahrung aus einem Umkreis von bis zu drei Kilometer rund um das Werk. „Die fühlen sich pudelwohl hier“, sagt der Imker, dem das Institut für Bienenkunde Celle inzwischen bestätigt hat, dass die chemisch-physikalischen Werte des Frühtrachthonigs „einwandfrei“ sind. Er zeichne sich sogar „durch eine besonders hohe Enzymaktivität aus“, hat also eine besondere Qualität.

Am Donnerstag soll der Honig von 15 bis 17 Uhr erstmals als „Festtagshonig“ bei den „Festtagen im Pallaswiesen-/Mornewegviertel“ auf dem Gelände der katholischen Kirche St. Fidelis, Feldbergstraße 27, verkauft werden. Der Erlös soll sozialen Zwecke im Quartier zugute kommen.

Die Veranstaltungen währed des dreitägigen Nachbarschaftsfests finden an verschiedenen Orten im Quartier statt. Der Programmplan kann im Internet unter www.caritas-darmstadt.de abgerufen werden. Maske ist Pflicht .

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