Darmstadt

Darmstadt verbietet Grabsteine aus Kinderhand

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Steinmetze müssen künftig die Herkunft ihrer Materialien lückenlos dokumentieren.

Die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung hat bereits währen der Sitzung im Juni auf Initiative der Grünen eine Änderung der städtischen Friedhofssatzung einstimmig beschlossen. Neu aufgenommen wurde ein Paragraf, in dem das Aufstellen von Grabsteinen „aus ausbeuterischer Kinderarbeit“ verboten wird. Grabsteine und Grabeinfassungen aus Naturstein dürfen künftig nur noch aufgestellt werden, wenn sie „nachweislich ohne schlimmste Formen von Kinderarbeit (…) hergestellt worden sind.

Die Stadt bezieht sich dabei auf einen entsprechenden Artikel eines Übereinkommens der Internationalen Arbeitsorganisation vom 17. Juni 1999. Die Herstellung der Steine, so heißt es nun in der Neufassung der Satzung, „umfasst dabei sämtliche Bearbeitungsschritte von der Gewinnung des Natursteins bis zum Endprodukt“.

Um entsprechende Steine und Einfassungen auf städtischen Friedhöfen aufstellen zu können, müssen Steinmetze künftig lückenlos dokumentieren, dass die Natursteine ausschließlich in Mitgliedstaaten der Europäischen Union, weiteren Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder in der Schweiz hergestellt worden sind. 

Alternativ können die Steinmetze entsprechende schriftliche Erklärungen von Organisationen vorlegen, in denen versichert wird, dass die Steine ohne schlimmste Formen von Kinderarbeit hergestellt worden sind und dass dies durch sachkundige und unabhängige Kontrolleure regelmäßig und unangemeldet vor Ort überprüft wird. Eines Nachweises im Sinne der modifizierten Satzung bedarf es allerdings nicht, wenn Steinmetze glaubhaft machen, dass die Natursteine oder das Rohmaterial vor dem 1. März 2019 nach Deutschland eingeführt worden sind.“

Der Darmstädter Steinmetz Matthias Götz und sein im Stadtteil Arheilgen ansässiger Kollege Peter Ritter äußerten, sie arbeiteten schon seit vielen Jahren mit entsprechend zertifizierten Händlern zusammen. Götz und Ritter bedauerten, dass die Stadt vor der Beschlussfassung nicht mit den Steinmetzen das Gespräch gesucht hätten. „Nur wer ein Idealist ist“, sagte Götz, verzichte komplett auf Importware. Wer jedoch fünf oder sechs Mitarbeiter beschäftige, der komme nicht umhin, entsprechend der Kundenwünsche günstigere Steine etwa aus Indien in das Angebot aufzunehmen. jjo

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