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Das Quartier entsteht zwischen dem Haardtring (unten) und der Mercedes-Niederlassung (oben).

Stadtentwicklung

Im Verlegerviertel in Darmstadt darf gebaut werden

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In dem neuen Quartier sollen mehr als 680 Wohnungen entstehen. Die Stadtverordneten geben dafür grünes Licht.

Auf einem Grundstück im Westen von Darmstadt haben Arbeiter in den vergangenen Tagen mit Hilfe von Baggern etliche Gebäude abgerissen. Auf dem Areal zwischen der Berliner Allee, dem Haardtring, der Mercedes-Benz-Niederlassung und der Freien Montessori-Schule soll ein neues Stadtquartier entstehen. Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von Grünen und CDU, dem Kooperationspartner Uffbasse sowie der SPD hat die Stadtverordnetenversammlung nun grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben und dem Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zugestimmt.

Die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) hat bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Immobilienentwickler Kolb und Partner aus Dieburg das rund 24 000 Quadratmeter große Grundstück erworben. Dabei handelt es sich um eine Gewerbefläche, die sich relativ zentral im Darmstädter Verlegerviertel unweit der Main-Neckar-Bahnlinie und des Hauptbahnhofs befindet. Das neue Wohnquartier entsteht dort, wo sich einst die Standorte der ehemaligen Nährmittelwerke W. Engel und die Firma Stolze, ein auf den Großhandel mit Glas, Porzellan, Küchenbedarf und Gartengeräten spezialisiertes Unternehmen, befanden.

Nach der Vorlage des Magistrats sollen in dem neuen Quartier mehr als 680 neue Wohnungen, aber auch Büros entstehen. Das Angebot reicht von Ein- bis Fünfzimmerwohnungen.

Das städtebauliche Konzept sieht vor, die orthogonale Baustruktur aus der umgebenden Bebauung aufzunehmen. Geplant sind Riegelbauten und Punkthäuser, die aufgelockert gegliedert werden sollen. Die großflächig geplante Zeilenbebauung im Westen und im Norden des Baugebiets soll zugleich als Lärmschutzriegel zur Main-Neckar-Bahnlinie und zur Mercedes-Benz-Niederlassung fungieren.

Die Investoren Für die Mainzer Aufbaugesellschaft, die seit 1966 besteht und an der die Stadt Mainz knapp die Hälfte der Anteile hält, ist das Bauvorhaben am nördlichen Haardtring und der Berliner Allee das erste große Bauprojekt in Darmstadt. „Wir sehen in der Region ein großes Entwicklungspotenzial“, teilte MAG-Geschäftsführer Martin Dörnemann mit. Die MAG wolle künftig verstärkt in der Metropolregion Frankfurt/ Rhein-Main nach Projekten Ausschau halten.

Der ImmobilienentwicklerKolb und Partner aus Dieburg hat in Darmstadt und in der Region bereits etliche Wohn- und Gewerbeprojekte realisiert – in Frankfurt etwa das „Turm Carrée“ oder in Darmstadt zum Beispiel die Einkaufspassage „Boulevard“. jjo

368 Mikro-Apartments

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sagte während der Stadtverordnetensitzung, es gebe etwa für die Mitarbeiter in der nahen „Telekom-City“ einen Bedarf an kleineren Wohnungen, sogenannten Mikro-Apartments. Vorgesehen ist, dass auf dem Areal rund 316 Wohnungen und 368 Mikro-Apartments entstehen werden.

Während Sprecher der Koalitionsfraktionen und der SPD das Bauvorhaben befürworteten und etwa die „sinnvolle Kombination von Arbeiten und Wohnen“ hervorhoben, kritisierten Sprecher der Oppositionsfraktionen von Uwiga und FDP, dass das Baugebiet nicht deutlich stärker gewerblich genutzt werde. Dies hätten auch die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer bemängelt, sagte beispielsweise der Uwiga-Fraktionsvorsitzende Erich Bauer. Faktisch entstehe „eine hochverdichtete Wohnbebauung“, kritisierte der FDP-Fraktionsvorsitzende Sven Beißwenger, der auch davon sprach, dass eine Chance vertan und eine Gewerbefläche für den Wohnungsbau geopfert worden sei. Für die Linken bemängelte die Stadtverordnete Martina Hübscher-Paul, dass es in dem Quartier relativ wenig Grünflächen geben soll und dass sich die Stadt nach den Vorstellungen der Investoren gerichtet habe, anstatt eigene Akzente bei der Planung des Baugebiets zu setzen.

Der größte Teil des Baugebiets soll durch eine begrünte Tiefgarage unterbaut werden, sodass die Grundstücksfreiflächen für private und gemeinschaftliche Nutzungen zur Verfügung stehen werden. Der Bebauungsplanentwurf sieht auch Sozialwohnungen vor. Etwa ein Viertel der Wohnfläche wird dem geförderten Wohnbau zur Verfügung stehen. Zudem sind rund 3500 Quadratmeter für Büro- und Gewerbeflächen gedacht. Das Baugebiet besteht aus 13 Neubauten. Zwei ortsbildprägende Gebäude an der Ecke der Berliner Allee und des Haardtrings bleiben stehen.

Der planerische Entwurf für das neue Baugebiet, der vom Friedberger Büro BLFP Frielinghaus Architekten stammt, sieht am Nord- und Westrand des Geländes eine fünf- und siebengeschossige Riegelbebauung und im Innenraum sieben fünfgeschossige Punkthäuser vor.

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