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In der Anlage der Darmstädter Gartenfreunde von 1931 ruhen derzeit die Abrissarbeiten.

Darmstadt

Darmstadt: Wieder Gift in Schrebergärten gefunden

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In zwei Kleingartenanlagen an der Kranichsteiner Straße in Darmstadt sind Schadstoffe gefunden worden. Pächter müssen nun ihre Parzellen aufgeben.

Darmstädter Kleingärtner lieben nicht nur die Natur und schätzen die Ruhe in ihren idyllischen Schrebergärten – sie haben auch einen Sinn für Ironie und bissigen Humor: „Achtung Zonengrenze. Sie verlassen jetzt den sicheren Bereich und betreten verseuchtes Areal“ ist auf zwei Hinweiszetteln zu lesen, die ein offenkundig genervter Kleingärtner in der Anlage Ziegelbusch 2 an zwei Holzpfosten angeschraubt hat.

Die beiden Pfosten hat er unmittelbar neben einem Gehweg in den Boden gerammt. Die warnende Botschaft auf den selbst gebastelten Hinweisschildern lautet: Hier beginnt ein „Sanierungsgebiet“.

Fund von Schadstoffen in Kleingärten in Darmstadt

Meisen zwitschern, Bienen und Schmetterlinge fliegen zwischen Gartenzwergen und blühenden Obstbäumen umher, und aus der Ferne ist der Ruf eines Spechtes zu hören. Ein paar Meter hinter den Pfosten mit den Zetteln befindet sich ein kleiner Spielplatz, auf dem nur eine ältere Metallrutsche steht. Eine Bank verrottet am Rand der Grünfläche, auf der Gänseblümchen blühen.

„Benutzung der Spielgeräte nur für Kinder bis 12 Jahre auf eigene Gefahr gestattet!“ steht auf einem vermoosten Hinweisschild, das der Vorstand des für die Anlage zuständigen Kleingärtnervereins „Karlshof 1919“ dort aufgestellt hat. Doch welche konkreten Gefahren auf der Grünfläche lauern, verrät das Schild nicht.

Nach dem Fund von Schadstoffen müssen nach Auskunft von Stadtsprecher Klaus Honold acht Parzellen am östlichen Rand der Kleingartenanlage an der Kranichsteiner Straße saniert werden. Auch eine 75-jährige Darmstädterin hat vom Vereinsvorstand die Kündigung erhalten. Noch bis November kann sie ihren Garten nutzen, dann muss sie nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten das Areal räumen.

Gemüse wuchs auf verseuchtem Boden

„Schade, aber alles hat ein Ende“, sagt die Frau ernüchtert. Jahrelang habe sie auf dem verseuchten Boden Gemüse angebaut, und es sei nichts passiert. Beim Umgraben der Erde habe sie aber ab und an Reste von Geschirr sowie zerbrochene Flaschenhälse gefunden, berichtet die Frau.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt, das als Fachaufsichtsbehörde für den Bodenschutz zuständig ist, enthält der Boden Bestandteile aus einer im Untergrund vorhandenen alten Ablagerung. So seien in der Nähe der Kranichsteiner Straße bereits um 1945 ehemalige Gruben, in denen Ton abgebaut wurden, mit Schlacken und Flugasche verfüllt worden. Die Bezeichnung Ziegelbusch und der Name des nahen Künstlerhauses Ziegelhütte sind Zeugnisse dieser Zeit des Tonabbaus.

Belastungen in Darmstadt lange bekannt

Bereits vor zwei Jahren hatten die Stadt und das RP auf der anderen Seite der Straße die Mitglieder des Kleingartenvereins Darmstädter Gartenfreunde 1931 darüber informiert, dass auf ihren Grundstücken erhöhte Schadstoffgehalte von Schwermetallen wie Arsen und Blei sowie Verbrennungsrückstände wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe im Boden nachgewiesen wurden. Diese Belastungen seien seit ersten Untersuchungen in den 1980er Jahren bekannt, seinerzeit aber anders bewertet worden. Zudem hätten sich im Verlauf der Jahre die gesetzlichen Vorgaben geändert.

Nachdem Stadt und Regierungspräsidium zunächst empfohlen hatten, Handschuhe bei der Gartenarbeit zu tragen, und den Anbau sowie den Verzehr von Nutzpflanzen außerhalb von Hochbeeten verboten hatten, ist die gesamte Kleingartenanlage westlich der Kranichsteiner Straße geräumt worden. Sie soll nun ebenso saniert werden wie die acht Parzellen der Anlage Ziegelbusch 2. Stadtsprecher Klaus Honold widersprach am Donnerstag auf Anfrage der FR Befürchtungen von Kleingärtnern, auf den Grünflächen könnte ein Neubaugebiet, eine Straße oder ein Parkplatz entstehen. Dies werde „definitiv nicht geschehen“.

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