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Grabstätte für Sternenkinder in Darmstadt: Ein Platz des Friedens für verwaiste Eltern

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Unvergessen: Ein mit Blumen und Figuren dekoriertes Grab eines verstorbenen Kindes auf dem Darmstädter Waldfriedhof.
Unvergessen: Ein mit Blumen und Figuren dekoriertes Grab eines verstorbenen Kindes auf dem Darmstädter Waldfriedhof. © Peter Jülich

Auf dem Darmstädter Waldfriedhof ist eine neue Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder angelegt worden. Ein Verein kümmert sich um die Familien von still geborenen Kindern. Von May-Britt Winkler.

Darmstadt - Die Sonne strahlte am vergangenen Freitag über dem Waldfriedhof, und Astrid Lindgrens Worte kamen einem in den Sinn: „Wie schön muss es erst im Himmel sein, wenn er von außen schon so schön aussieht“. Der Glaube an einen Himmel allein kann nach dem Tod eines geliebten Menschen, besonders eines Kindes, zwar nicht die Trauer nehmen, aber er kann, gemeinsam mit einem Grab, Halt geben und helfen zu verarbeiten.

So wurde nun auf dem Waldfriedhof eine neue Grabstätte für sogenannte Sternenkinder eingeweiht. Sternenkinder sind verstorbene Babys, die weniger als 500 Gramm wiegen und vor der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Jede sechste Frau verliert ihr ungeborenes Kind bis zu diesem Zeitpunkt, jede dritte Frau bereits vor der zwölften Schwangerschaftswoche. Dennoch ist eine Fehlgeburt häufig ein Tabuthema, und werdende Eltern wissen viel zu wenig von Hilfsangeboten, Trauerbegleitung und der Möglichkeit einer Bestattung, denn – so sagt es das Gesetz – ist erst eine Leibesfrucht ab 500 Gramm bestattungspflichtig.

Darmstadt: Neue Grabstätte für Sternenkinder auf dem Waldfriedhof eingeweiht

„Es gab schon immer Sternenkinder, aber früher kamen diese Kinder einfach in den Klinikmüll. Heute haben die Eltern das Recht auf eine Beisetzung“, erzählt Helga Schmidtke, Vorsitzende des Sternenkinderzentrums Odenwald. Der Verein berät und unterstützt Familien still – also tot – geborener Kinder.

Doch noch immer sind Betroffene oft alleingelassen nach dem Befund ihres Arztes, der das Ende der Schwangerschaft bedeutet, weil ihr Ungeborenes nicht mehr lebt oder niemals wird leben können, bedauert die gelernte Krankenschwester: „Viele Frauen gehen direkt nach der Diagnose ambulant in die Klinik, wo die Geburt eingeleitet wird.

Die Grabstätte soll noch mit Stelen ergänzt werden, an denen die Namen der verstorbenen Kinder angebracht werden können.
Die Grabstätte soll noch mit Stelen ergänzt werden, an denen die Namen der verstorbenen Kinder angebracht werden können. © Peter Jülich

Sternenkinderzentrum Odenwald bietet in Südhessen Trauerbegleitung an

Der Idealzustand ist jedoch, dass die Eltern erst mit uns Kontakt aufnehmen und wir vor, während und nach der Geburt unterstützen.“ So könne Trauerbegleitung vom ersten Moment der schrecklichen Botschaft an beginnen, denn der Verlust des mit größter Hoffnung und Freude erwarteten Kindes könne Eltern stark traumatisieren.

Ist ein Sternenkind geboren, so stehen den Müttern und Vätern innige Momente mit ihrem Baby zu, auch wenn sein kleines Herz nicht mehr schlägt: in den Arm nehmen, berühren, ein Erinnerungsfoto von einer Sternenkinderfotografin oder einem -fotografen machen lassen und das Kleine ein wenig kennenlernen, bevor dann viel zu früh endgültig Abschied genommen werden muss.

Helga Schmidtke ist Vorsitzende des Sternenkinderzentrum Odenwald.
Helga Schmidtke ist Vorsitzende des Sternenkinderzentrum Odenwald. © Peter Jülich

Darmstadt: Bürgermeisterin Akdeniz eröffnet neue Grabstätte auf dem Waldfriedhof

„Auch, wenn die Kinder schon verstorben sind, hat jedes seinen ganz eigenen Charakter“, so Schmidtke. Diese Momente begleiten ein Leben lang. Ein Einzelgrab und eine Erdbestattung machen dieses Leben erträglicher.

Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grüne) hat die neue Grabstätte eröffnet, „diesen schönen, freundlichen, traurigen, aber auch hoffnungsgebenden Ort“, wie sie sagte, und sie musste sichtlich berührt auch ein paar Tränen unterdrücken. Selbst Mutter und bald vierfache Oma ist sie dankbar für ihre gesunden Enkel. Und sie betont, wie wichtig es ist, dass betroffene Frauen über ihre Traumata sprechen, denn somit würden sie sich gegenseitig stützen.

Bürgermeisterin Barbara Akdeniz spricht anlässlich der Eröffnung des neuen Gräberfelds.
Bürgermeisterin Barbara Akdeniz spricht anlässlich der Eröffnung des neuen Gräberfelds. © Peter Jülich

Waldfriedhof in Darmstadt: Eichhörnchen besuchen die Gräber der Sternenkinder

Für Bestatterin Senta Kahrhof, die einst auch eine Fehlgeburt hatte, nun aber Mutter eines gesunden siebenjährigen Sohnes ist, sind Beisetzungen zwar Teil ihres Berufs, aber die der Sternenkinder besonders emotional: „Wir versuchen, alles möglich zu machen, für alle Religionen, mit Trauerreden, Musik und ganz persönlichen Körbchen oder Särgen, die selbst bemalt werden können.“

Durch die Bemühungen vieler Beteiligter wurde nun von der Stadt dieser Ort des Trauerns, des Erinnerns, aber auch des Verweilens geschaffen. Auf den gespendeten Bänken des Kiwanis-Clubs Darmstadt, der mit dem Sternenkinderzentrum eng zusammenarbeitet, kann man sogar den Friedhofseichhörnchen bei ihrem Besuch der Gräber zuschauen.

Bestatterin Senta Kahrhof kümmert sich Beisetzungen von Sternenkindern.
Bestatterin Senta Kahrhof kümmert sich Beisetzungen von Sternenkindern. © Peter Jülich

Grabstätte für Sternenkinder: „Ein besonderer Ort, an dem ich mit meinem Kind rede“

Ein Platz des Friedens und ein Rettungsanker für manch verwaistes Elternteil, so wie für Katrin Senst-Johnen. Sie hat vor fünf Monaten ihren kleinen Sohn Valentin tot zur Welt gebracht und ihn im Familiengrab bestatten lassen. Täglich begleitet er sie überall, aber: „Für mich ist das hier ein besonderer Ort, an dem ich jeden Tag mit meinem Kind rede.“

Es wird noch dauern, bis sie ihren Verlust bewältigt hat, und er wird immer Teil ihres Lebens bleiben. Das Grab gehört für sie zur Trauerverarbeitung, und je besser die ist, umso größer ist die Chance, dass die Angehörigen wieder ins Leben – sogar in ein glückliches – zurückfinden können.

Arbeitskreis „Sternenkinder Darmstadt“ bittet um Spenden für Gedenkstele

An dem neuen Grabfeld soll eine Stele aus Cortenstrahl in Form eines Schmetterlingsflieders errichtet werden. Kleine Schmetterlingsanhänger mit den Namen der verstorbenen Kinder sollen künftig darauf zu lesen sein. Für die Finanzierung der Stele bittet der Arbeitskreis „Sternenkinder Darmstadt“ um Spenden. 20.000 € werden für die Neugestaltung benötigt.

Für die Bepflanzung und Verschönerung des Grabfelds hat die Stadt unter der Nummer DE93 5085 0150 0000 5440 00 ein Spendenkonto eingerichtet. Verwendungszweck: Grabstelle für fehlgeborene Kinder.

Der Verein

Das Sternenkinderzentrum Odenwald bietet Geburts-, Sterbe- und Trauerbegleitung für Familien in Darmstadt und den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße und Odenwald an. Infos im Internet unter www.sternenkinderzentrum-odenwald.de. Im Notfall können sich Eltern unter der Telefonnummer 0151 / 20710703 melden. Ein Erstkontakt kann auch unter der E-Mailadresse erstkontakt@sternenkinderzentrum-odenwald.de erfolgen. Spendenkonto:

Der Verein bietet auch Trauergruppen für verwaiste Eltern, Angehörige und für Geschwisterkinder sowie Yogakurse und Einzelgespräche an.

Für Kinder gibt es montags von 16 bis 17.30 Uhr auf dem Hofgut Oberfeld in Darmstadt den „Sternschnuppentreff“, Telefon: 0171/2112346.

Ein Spendenkonto hat der Verein bei der Sparkasse Bensheim unter IBAN DE74 5095 0068 0002 1284 45 eingerichtet.

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