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Darf man ungeimpft ins Autokino?

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Von: Annette Schlegl

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Das Kinoerlebnis ist für Ungeimpfte jetzt auch im Autokino passé.
Das Kinoerlebnis ist für Ungeimpfte jetzt auch im Autokino passé. © Fabian Strauch/dpa

Das Autokino könnte doch für Ungeimpfte in Hessen eine der letzten Bastionen sein, wo sie am öffentlichen Leben teilhaben können. Oder?

Ins Kino darf aktuell nur, wer die 2G-Plus-Regel erfüllt. Aber wie ist das im Autokino, wo doch alle isoliert in ihren Fahrzeugen sitzen?

Der Ort: das Autokino Gravenbruch, das vor gut 60 Jahren als erstes stationäres Autokino Deutschlands nahe Neu-Isenburg eröffnet wurde. Die Zeit: Sonntag um 17.30 Uhr. Das Szenario: An den vier Kassen bilden sich lange Autoschlangen, Familien warten mit ihren quengelnden Kindern auf Einlass. Aber es dauert, denn die Mitarbeiter des Autokinos müssen nicht nur die Tickets prüfen, sondern auch den Impfstatus jedes einzelnen Besuchers und dessen Personalausweis. Der Film kann deshalb erst später anfangen.

Warum werden die Besucher des Autokinos so „gefilzt“, wie sich Autokino-Chef Heiko Desch ausdrückt? Ganz einfach: Weil der Kreis Offenbach seit 11. Januar Corona-Hotspot ist. Dort gilt für Veranstaltungen mit mehr als zehn Personen im Außenbereich die 2G-Regelung. Wörtlich heißt es auf der Seite der hessischen Landesregierung: „Bei Veranstaltungen (mit mehr als 10 Personen) sowie im Kultur-, Sport- und Freizeitbereich (Sportplatz, Fitnessstudio, Kino, Theater etc.) sowie bei touristischen Übernachtungen gilt: drinnen 2G-Plus, draußen 2G.“ Ungeimpft darf also keiner mehr ins Autokino, die Besucher müssen zweimal geimpft oder geimpft und genesen sein.

Nach neuesten, am 17. Januar angepassten Corona-Vorgaben, darf Desch jetzt sogar 1000 Personen aufs Gelände lassen. Der Eintracht sei das zu verdanken, sagt er – nachdem die Obergrenze vorher bei 250 Personen lag. Den Autokino-Besuchern hilft das aber wenig, denn die Schlangen an den vier Kassen werden deshalb nicht kleiner.

Bis Anfang Dezember 2021 gab es im Autokino Gravenbruch noch keine Unterscheidung zwischen ungeimpft, geimpft oder genesen. Dann kam eine neue hessische Corona-Schutzverordnung, dass ab dem 101. Besucher die 2G-Regel anzuwenden sei.

Zwei Wochen lang wurde an den Kassen des Autokinos auf 2G kontrolliert – mit chaotischen Zuständen, riesigen Warteschlangen, Ärger und Beschimpfungen. Dann bat der Autokino-Chef die Behörden um eine Ausnahmegenehmigung und bot dafür an, die Snackbar auf dem Platz zu schließen und die Speisen und Getränke ans Auto zu liefern. Das wurde aber abgelehnt, weil die Coronavirus-Schutzverordnung keine Ausnahme vorsehe. Das Autokino beschränkte sich deshalb selbst auf generell 100 Menschen, die unabhängig von ihrem Impfstatus eingelassen wurden. Ab dem 101. Besucher wurden die Autos wieder weggeschickt.

Anfang Januar verwies Desch auf eine Ausnahmegenehmigung, die das Autokino in Kornwestheim vom Gesundheitsamt des Kreises Ludwigsburg erhalten hatte. Dort muss der Impfstatus nicht mehr geprüft werden. Beim Gesundheitsamt des Kreises Offenbach dagegen blieb man unerbittlich. Und so ist seit 11. Januar das Kinoerlebnis für Ungeimpfte faktisch komplett passé.

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