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Es brennt im Dannenröder Wald: Rodungspause sofort!

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Lage im Dannenröder Wald ist angespannt. Alle Beteiligten müssen schleunigst zur Besinnung kommen. Ein Kommentar.

  • Im Dannenröder Wald liegen die Nerven blank.
  • Gegen den Ausbau der A49 sehen Aktivist:innen oft keinen anderen Weg, als sich in Gefahr zu begeben.
  • Ein Schritt zur Entschärfung im Dannenröder Wald wäre eine Pause der Rodungsarbeiten.

Es brennt im Dannenröder Wald. Es brennt. Das sagen alle: Aktivist:innen, Eltern, politische wie kirchliche Beobachter:innen – selbst Vertreter:innen der Polizei warnen vor einer zweiten Startbahn West. Es brennt – und damit sind nicht die Feuerwerkskörper gemeint, mit denen Einsatzkräfte beworfen werden, was zu verurteilen ist. Die Stimmung im Dannenröder Wald ist so aufgeheizt, dass alle nach Deeskalation rufen. Doch wer soll diese Mammutaufgabe leisten?

Seit dem 10. November fallen dort die Bäume. Seitdem herrscht Ausnahmezustand in der Region. Ein erster Schritt zum Entschärfen der Lage wäre eine Rodungspause. Welcher Termin eignet sich dafür besser als der Beginn des Advents? Die Besetzer:innen kämen zur Ruhe, Waldarbeiter und Polizist:innen könnten mit ihren Familien zusammen sein.

Die Situationen bei den Rodungsarbeiten werden zunehmend riskanter. Boris Roessler / dpa

Dannenröder Forst: Muss es erst Tote geben?

Zwei junge Frauen liegen mit schweren Wirbelsäulenverletzungen im Krankenhaus. Es gab ungezählte Blessuren unter ihren Mitstreiter:innen, auch bei einigen Beamten. Muss es erst Tote geben? Das ist ein Satz, der in dieser Woche immer wieder zu hören war. Die jungen Leute bringen sich in Lebensgefahr, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Was für eine Verzweiflung spricht aus ihren Aktionen, was für ein Idealismus, was für eine Wut, aber auch was für ein Mut. Eines ist ihnen gelungen: Die Republik schaut auf Mittelhessen.

Die Autobahn wurde vor mehr als 40 Jahren geplant. Wenn die restlichen 31 Kilometer in Betrieb gehen, wird für die Vogelsberger:innen das Pendeln einfacher. In der strukturschwachen Region könnten neue Arbeitsplätze entstehen, so die Hoffnung. Der Druck in die Ballungsräume würde gemindert.

Dannenröder Forst: Al-Wazir sieht alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft

Auf der anderen Seite steht die Zerstörung eines intakten, jahrhundertealten Mischwalds, der in Zeiten des Klimawandels immer mehr zur Rarität wird. Nach drei heißen und trockenen Sommern hat sich die Gesundheit hessischer Wälder, speziell im Rhein-Main-Gebiet, noch einmal verschlechtert. Das Land stellt in den nächsten drei Jahren zusätzlich 250 Millionen Euro bereit, um zu versuchen, die Folgen der vergangenen drei heißen Sommer zu mindern.

Hessens grüner Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sieht alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Einzig die Bundesregierung als Bauherrin könne das Projekt stoppen. Der vor den Gerichten unterlegene Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) widerspricht und dringt darauf, dass das Land ein Planänderungsverfahren startet. Dieses Pingpong trägt nicht zur Deeskalation bei.

Dannenröder Wald: Junge Menschen werden den Umweltfrevel von heute ausbaden müssen

Aus der nüchternen Position der Jurist:innen ist der Bau der A49 wohl rechtens. Doch die jungen Aktivist:innen im Wald, darunter viele Frauen, blicken aus einer anderen Perspektive. Sie waren noch nicht auf der Welt, als der Bau der Autobahn beschlossen wurde. Sie konnten sich nicht gegen das Projekt engagieren, als es noch möglich war, es zu verhindern. Sie werden aber den Umweltfrevel von heute ausbaden müssen. Die politischen Entscheider:innen lägen längst unter der Erde, sagen die Leute von „Fridays for Future“. Das ist unsere Zukunft.

Der Protest ist legitim und wichtig. Ohne Verkehrswende fährt das Klima an die Wand. Wir dürfen nicht noch mehr Felder und Wälder dem Autowahn opfern. Der durch Corona beschleunigte Trend zum Homeoffice und die Verlagerung von Arbeitsplätzen auf das Land zeigen, dass es Alternativen zum Pendeln geben kann und muss.

Und wie geht es weiter mit den jungen Leuten in Dannenrod? Im Idealfall werden sie klimaengagierte Wissenschaftlerinnen, Anwälte, Politiker:innen. Das Schlimmste, was passieren kann, wäre, dass sie sich vom Staat abwendeten, in die innere Emigration gingen oder sich gar radikalisierten. Eine Rodungspause würde ihnen zeigen, dass sie nicht gegen Windmühlen kämpfen. Dieses Signal ist jetzt bitter nötig. Es brennt. (Jutta Rippegather)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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