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Noch immer sind Bäume im Dannenröder Forst besetzt.

Dannenröder Forst

Kritik nach Attacken gegen die Polizei

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Polizeigewerkschaft fordert die breite Zivilgesellschaft auf, sich von Gewalttaten gegen Polizeikräfte zu distanzieren. Die Rodungen für den Lückenschluss der A49 werden fortgesetzt.

Polizei und Gegner des Weiterbaus der Autobahn 49 in Mittelhessen stellen sich auf eine neue Protestwoche ein. Die Rodungen für den umstrittenen Lückenschluss wurden am Montag im Bereich des Herrenwalds bei Stadtallendorf fortgesetzt. Es handele sich um ein größeres Areal, sagte ein Sprecher der Projektgesellschaft Deges. Entsprechend sollen die Arbeiten dort auch in den kommenden Tagen weitergehen. Man werde sich schrittweise vorarbeiten.

Erneut protestierten Umweltschützer gegen die Rodungen, auch die Polizei war wieder im Einsatz. Eine Sprecherin berichtete von einem weitestgehend friedlichen Verlauf, allerdings habe es auch Widerstand gegen Polizisten gegeben. Beim Versuch, einen Mann aus einem Versteck zu ziehen, habe dieser unvermittelt zugeschlagen und einen Beamten mit der Faust im Gesicht getroffen. Bei dem folgenden Gerangel sei dann Pfefferspray eingesetzt worden. Zwei Beamte wurden laut Polizeibericht verletzt, der Mann sei bis auf die Auswirkungen des Sprays unversehrt geblieben.

Am Vormittag hatten Aktivisten Zufahrten eines Schokoladenwerks in Stadtallendorf blockiert. Der Polizei zufolge waren bis zu 30 Personen vor Ort. Am Nachmittag kam es in der Stadt dann zu einer spontanen Demonstration. Aktivisten kündigten für diese Woche weitere Proteste an.

Unterdessen laufen Ermittlungen nach einem Vorfall bei Kirtorf (Vogelsbergkreis) am Samstag: Mehrere vermummte Personen hatten laut Polizei einen mit vier Beamten besetzten Einsatzwagen mit Steinen und Farbbeuteln beworfen. Mehrere Autoscheiben gingen zu Bruch, verletzt wurde aber niemand. Ermittelt wird nun unter anderem wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und schweren Landfriedensbruchs. Ein Zusammenhang mit den Protesten gegen die A49 könne nicht ausgeschlossen werden, sagte die Polizeisprecherin.

Steine gegen Einsatzwagen

Die Gewerkschaft der Polizei berichtete am Montag von einem Vorfall im Dannenröder Forst. „Heimtücke“ und „Menschenverachtung“ warf sie den Urhebern eines Schreibens vor, mit dem diese sich zu einem Angriff auf die Besatzung eines Streifenwagens bekannt hatten. In dem Brief würden Kolleginnen und Kollegen durchweg als „Bullen“ oder „Bullenschweine“ beleidigt. Ihnen werde gedroht, sie nochmals anzugreifen und in noch gefährlicherer Weise, wenn sie weiterhin die Forstmitarbeiter schützten.

Den Angaben zufolge hatten Aktivisten die Besatzung bei einer Streifenfahrt angegriffen. Sie hätten die Scheiben des Dienstfahrzeugs mit schweren Steinen eingeworfen, dabei Verletzungen der Insassen billigend in Kauf genommen.

Die Verantwortung für die Eskalation trügen die „gesamte Zivilgesellschaft“ und vor allem die friedlichen Demonstranten. „Es ist an der Zeit, sich von mörderischen Anschlägen auf Väter, Mütter, Söhne und Töchter, die bei der Polizei arbeiten, zu distanzieren“, sagte Landesvorsitzender Engelbert Mesarec. Die Polizei ermögliche jeden friedlichen, legalen Protest, dürfe aber nicht „Zielscheibe für Chaoten und Autonome“ werden. „Rückzugsräume für gewalttätige Rechtsbrecher müssen jetzt geschlossen werden“, forderte Polizei-Gewerkschafter Mesarec. Straftaten und Straftäter seien nun auf breiter gesellschaftlicher Front zu ächten.

Für den noch offenen Lückenschluss der Autobahn 49 zwischen Gießen und Kassel sollen insgesamt 85 Hektar Wald gerodet werden, davon gehören 27 Hektar zum Dannenröder Wald und 49 Hektar zum nahe gelegenen Herrenwald. Die Rodungen begannen am 1. Oktober mit dem Start der Fällsaison. mit dpa

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