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Diese Forderung konnte bezüglich der A49 nicht durchgesetzt werden. Foto: Boris Roessler/dpa
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Diese Forderung konnte bezüglich der A49 nicht durchgesetzt werden.

Klimaschutz

Widerstand im Dannenröder Forst wird zur Klimabewegung

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Bündnisprecherin Barbara Schlemmer kämpft weiter gegen den Ausbau der A49. Der Dannenröder Forst habe das Potenzial, sich zu einem Klimacamp zu entwickeln.

  • Barbara Schlemmer ist Sprecherin des Aktionsbündnisses „Keine A49!“
  • Das Bündnis will den Ausbau der A49 weiterhin verhindern.
  • Der Dannenröder Forst soll Standort eines deutschen Klimacamps werden.

Der letzte Baum für den Ausbau der Autobahn 49 in Mittelhessen ist gefallen. Das letzte Baumhaus geräumt. Aus dem Widerstand wächst derzeit eine bundesweite Bewegung, die klimaschädliche Projekte wie diese künftig verhindern wird, sagt Barbara Schlemmer, Sprecherin des örtlichen Aktionsbündnisses.

Frau Schlemmer, ist der Kampf gegen den Ausbau der A49 beendet?

Nein. Er geht nahtlos weiter. Es wird weiter gerodet. Außerhalb der Trasse fallen Bäume in Privatwald unter Polizeischutz. Dort sind einige kleine Baumhäuser evakuiert worden. Es werden auch in der Region Bäume für angebliche Baustraßen gefällt, von denen wir keine Kenntnis haben.

Das Aktionsbündnis hat dazu aufgerufen, keine Grundstücke für den Autobahnbau zu veräußern. Was ist der Hintergrund?

Beim Aufruf handelt es sich um von Enteignung Betroffene. Viele Menschen werden jetzt noch kurzfristig enteignet. Die Leute dürfen zum Teil innerhalb einer Woche nicht mehr ihre Grundstücke und Felder betreten. Darunter auch Landwirte, die überhaupt nicht enteignet werden sollen. Das soll jetzt juristisch geprüft werden. Es gibt Planänderungen, an denen unseres Erachtens die Öffentlichkeit beteiligt werden müsste. Das legen wir entsprechenden Anwälten vor.

Dannenröder Forst: Weitere zehn Hektar dürften fallen

Was sagt die Politik dazu?

Da stößt man komplett auf taube Ohren. In der Homberger Stadtverordnetenversammlung hat uns jüngst ein Vertreter der Strabag die Bauplanungen für die A49 vorgestellt. Demnach gibt es keinen Lärmschutz, keinen Flüsterasphalt. Das hat man sich hier in Homberg anders vorgestellt. Entlang der 27 gefällten Hektar Wald soll links und rechts jeweils auf drei Kilometer Länge nochmals ein breiter Streifen gefällt werden, weil dort Wälle mit Wirtschaftswegen aufgeschüttet werden sollen. Dafür dürften circa weitere zehn Hektar im Dannenröder Wald fallen. Auch davon hatten wir bisher keine Kenntnis.

Sind die Homberger Grünen auch im Aktionsbündnis?

Nicht als offizielle Teilnehmerin. Das Bündnis will unpolitisch sein und ist aus bekannten Gründen auch nicht gut auf die hessischen Grünen zu sprechen. Ich kann das gut verstehen. Ich selbst bin Sprecherin der Grünen in Homberg/Ohm und Mitglied des Kreisvorstands im Vogelsberg. Noch. Wir versuchen hier unsere urgrünen Ideale durchzusetzen, von denen sich die Parteifreunde in Wiesbaden verabschiedet haben. 90 Prozent unseres Ortsverbands ist in den Widerstand involviert. Wir wären mit einer Klimaliste in den Kommunalwahlkampf gezogen, doch das ist kurzfristig organisatorisch nicht zu leisten. Je nach Wahlergebnis werden wir uns überlegen, ob wir danach umfirmieren.

Barbara Schlemmer ist Sprecherin des Aktionsbündnis „Keine A49!“.

Zur Person

Barbara Schlemmer (Alter: 30 plus x) ist Sprecherin des „Aktionsbündnis Keine A49!“. Sieben Gruppen der Region Homberg Ohm haben es am 1. Juni 2019 gegründet. Die (noch) Grünen-Politikerin halt als Lehrerin gearbeitet, als Organisationsprogrammiererin, ist ausgebildete Mediatorin und Systemberaterin. www.stopp-a49-verkehrswende-jetzt.de

Dannenröder Forst ist bundesweites Symbol für die Klimabewegung

Das Camp am Wald ist bis Ende Februar genehmigt. Wie viele junge Leute sind noch vor Ort?

Es sind noch 80 bis 100 da. Sie halten die Strukturen offen und räumen auf. Die meisten übernachten in Zelten. Viele sind Studenten. Ein leerstehendes Gasthaus stellt ihnen Zimmer zur Verfügung, damit sie für ihr Onlinesemester arbeiten können. Es laufen weiter Veranstaltungen wie Skillshares (Onlinekurse, d. Red.). Für das neue Jahr ist ein Klimagipfel geplant und die Erweiterung zum Klimacamp, in dem die Menschen zusammenkommen. Da sehe ich ein großes Potenzial.

Der Dannenröder Forst als Standort eines deutschen Klimacamps?

Ja, als Grundplattform, die von hier aus ausstrahlt. Der Dannenröder Wald liegt mittig in Deutschland. Wir sind jetzt ein bundesweites Symbol für die Klimabewegung, die das Bewusstsein stärkt, dass wir dringend handeln müssen. Das läuft auf zwei Ebenen: Die Klimaaktivisten kämpfen in ihren Strukturen mit „Fridays for Future“, Extinction Rebellion und anderen Klimagruppen. Wir auf der Ebene des bürgerlichen Widerstands mit „Parents for Future“, „Scientists for Future“, den Danni-Eltern, der Klimaliste Hessen und anderen. Wir sind schon 71 Mitglieder im Netzwerk, und ständig kommen neue hinzu. Wir wollen dafür sensibilisieren, dass es um die Zukunft unserer Kinder geht. Die Erfahrung des letzten Jahres zeigt, dass mit einer Vernetzung viel erreicht werden kann.

Das heißt, im Widerstand gegen die A49 ist ein Nukleus entstanden, aus dem heraus künftig derartige Bauprojekte verhindert werden sollen?

Im Prinzip ist es egal, ob es um eine Autobahn geht oder den Ausbau eines Flughafens. Alles steht im Kontext des Klimawandels. Alle führenden Organisationen und Menschen sind sich einig, dass wir jetzt handeln müssen. Wir müssen weltweit den Klimanotstand ausrufen. Speziell hier im Vogelsberg gibt es viele Parteien, die den Klimawandel immer noch komplett ignorieren, bei der Diskussion um die A49 immer nur an Wirtschaftswachstum denken. Mit diesen alten Konzepten können wir nicht mehr weitermachen. Es ist Irrsinn zu denken, dass die 800 Kilometer neuer Autobahnen im Bundesverkehrswegeplan sich noch umsetzen lassen. Gerade beim Verkehr verfehlt Deutschland seine Klimaziele. Wenn wir hier die Plattform bilden können, wäre das super. Hier ist der Anfang schon gemacht. Nebenbei verfolgen wir unser Ziel, den Bau der A49 doch noch zu verhindern.

Interview: Jutta Rippegather

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