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Für Reiserückkehrer ist der Test kostenlos. Foto: Monika Müller

Corona-Virus

Covid-Test für Pflegebedürftige ist kostenlos – aber keiner weiß es

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Ein Pflegebedürftiger sollte selber für den Corona-Test bezahlen - seine Tochter erhielt zunächst falsche Auskünfte. Dabei regelt eine Rechtsverordnung die Kostenübernahme

Martina Peter versteht die Welt nicht mehr: „Für Urlauber werden kostenlose Covid-19-Tests angeboten. Senioren, die in eine Kurzzeitpflege müssen, müssen sie selbst bezahlen.“

Es geht um ihren Vater. Er hat Pflegestufe 4, muss in Kurzzeitpflege. Normalerweise kümmert sich seine Frau um ihn, doch die muss sich operieren lassen. Das zu organisieren ist nicht einfach. „Alleine einen Kurzzeitpflege-Platz in Frankfurt zu ergattern ist ein Unterfangen, das mich eine Woche beschäftigt hat“, sagt Peter. Die Einrichtung nimmt allerdings nur Patienten, die ein negatives Testergebnis vorweisen können. Eine sinnvolle Forderung, meint Peter. Aber eine Mammutaufgabe für die Betroffenen.

„Die Hausärztin ist in Urlaub, ich habe sämtliche Hausärzte in der Nähe von Frankfurt-Schwanheim kontaktiert, die entweder auch im Urlaub sind oder es kategorisch abgelehnt haben, einen Test durchzuführen.“ Die Kassenärztliche Vereinigung verwies auf ihre Hotline des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117.

Die Hotline des Gesundheitsamts und die Krankenkasse teilten ihr mit, dass sie sowohl den Test als auch die Fahrt dorthin selbst bezahlen müsste. „Diese Tatsache, dass Urlauber, die nur zum Spaß in Risikogebiete fahren, kostenlos getestet werden können, Pflegende, deren Pflegepersonen erkranken, aber komplett mit der Organisation allein gelassen werden und die Kosten selbst tragen müssen, halte ich für eine Schw...“, sagt Peter.

Fahrten zu einem Test zahlen die Krankenkassen nicht, bestätigt AOK-Sprecher Riyad Salhi. Falsch aber sei die Auskunft, dass der Corona-Test generell aus eigener Tasche zu zahlen ist. Richtig sei zwar, dass die Krankenkassen nur für die Kosten aufkommen, wenn der Versicherte Corona-Symptome hat. Doch speziell für Menschen, die ins Pflegeheim müssen, trat zum 8. Juni eine Rechtsverordnung in Kraft, wonach die Kosten übernommen werden müssen. In solchen Fällen springt die so genannte Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds als Kostenträger ein.

Weiter steht in der Verordnung: Ziel sei es, umfassender solche Gruppen zu testen, die im Fall einer Infektion andere in ihrem Umfeld besonders gefährden könnten. Das gilt auch für Tests auf Veranlassung des öffentlichen Gesundheitsdiensts.

Besagte Rechtsverordnung ist offenbar nicht allen Stellen bekannt. Martina Peter jedenfalls erfuhr von den diversen Stellen nichts davon. Die richtige Information hätte ihr viel Zeit und Geld gespart.

Einen halben Tag brauchte sie alleine, bis sie eine Ärztin gefunden hatte. Die machte den Abstrich – allerdings nicht eigenhändig. Die Familie musste das selbst erledigen. Die Ärztin lieferte lediglich die Utensilien und schickte die Probe dann ins Labor. Ob der Abstrich fachmännisch durchgeführt wurde, schien sie nicht zu interessieren.

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