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Das Medikament Trimodulin der Biotest AG aus Dreieich.
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Das Medikament Trimodulin sollte die Sterblichkeit von Corona-Patienten verringern. 

Corona

Covid-19-Medikament von Biotest in Studie gescheitert

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Biotest aus Dreieich hatte große Hoffnungen, ein Medikament gefunden zu haben, das Corona-Patienten auf Intensivstationen hilft. Das Pharmaunternehmen scheiterte.

Dreieich - Die Enttäuschung ist groß beim Dreieicher Pharmaunternehmen Biotest AG: Sein Covid-19-Medikament Trimodulin hat in der klinischen Phase-II-Studie keine Wirksamkeit gezeigt. Es sei keine Verbesserung gegenüber der Placebogruppe erreicht worden, teilte die Firma mit.

„Das ist alles sehr tragisch“, sagt Unternehmenssprecher Dirk Neumüller. Das Immunglobulin-Therapeutikum hatte seine Wirksamkeit nämlich vorher schon bewiesen: Bei Menschen mit schwerer Lungenentzündung und schlechtem Antikörperspiegel war die Sterberate um 70 bis 80 Prozent gesenkt worden. „Wir wissen nicht, woran es jetzt gelegen hat“, sagt Neumüller.

Biotest-Studie mit 166 Patienten auf Intensivstationen

Die klinische Phase-II-Studie sei von Oktober 2020 bis Juni 2021 mit insgesamt 166 erwachsenen Patienten und Patientinnen in Spanien, Russland, Frankreich und Brasilien gelaufen, die allesamt mit schwerer Corona-Erkrankung auf Intensivstationen gelegen hätten, erläutert Neumüller. Die Hälfte von ihnen hatte Trimodulin als Zusatztherapie zur Standardbehandlung erhalten, die andere Hälfte ein Placebo. Die Studie war doppelt verblindet, das heißt, weder die Ärzte und Ärztinnen noch die Studienteilnehmer:innen wussten, wer das Medikament und wer das Placebo erhielt.

Wie es nach den positiven Ansätzen, die Trimodulin zuvor gezeigt hatte, nun zu dem Misserfolg kam, ist Biotest schleierhaft. Sein Unternehmen habe die Daten noch nicht analysieren können, sagt Neumüller. „Bis wir sie bekommen, dauert es noch vier Wochen, und dann füllt jeder Patient einen großen Ordner.“ Eventuell habe Trimodulin zu wenig Zeit gehabt, um bei den schwer Erkrankten zu wirken, weil sie viel zu schnell gestorben seien. Möglicherweise sei die Krankheit aber auch heimtückischer als bisher gedacht. „Wir müssen in die Details gehen und die Subgruppen untersuchen.“

Biotest strebt keine Zulassung mehr an

Biotest steht mit seinem Problem nicht alleine da: „Weltweit laufen 5000 Studien zu Covid-19 und nichts ist erfolgreich“, sagt der Sprecher des Dreieicher Unternehmens. Die Studie, die zwölf Millionen Euro gekostet hatte, sei erst mal „für die Katz“. Biotest strebe nun keine Zulassung mehr für die Behandlung von Covid-19 an. Es könne jedoch durchaus sein, dass sich aus der Studie „noch was Gutes ableiten lässt“.

Politisch hatte Trimodulin ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt: Biotest wollte zwölf Millionen Euro Fördergeld, um parallel zur Forschung eine Produktionsstätte aufzubauen und das Medikament schnell in großen Mengen zu produzieren. FDP-Landtagsfraktionschef René Rock hatte im Landtag mehrere Anfragen dazu gestellt. Das Unternehmen sei für die Förderung aus Landesmitteln zu groß, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Auch beim Bund und bei der Europäischen Union winkte man ab.

MdL René Rock: Trotzdem in Forschung investieren

In einer Stellungnahme aus seinem Urlaub bedauerte Rock es sehr, dass das Engagement von Biotest nicht die erhoffte Wirkung gezeigt habe. Allerdings könne in der klinischen Forschung niemand eine Erfolgsgarantie abgeben, schrieb der FDP-Politiker der FR. „Für mich ist es dennoch unstrittig, dass der Staat in solche Forschungen investieren muss, und das geschieht ja auch überall in der Welt.“ (Annette Schlegl)

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