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Anders als in Hessen organisiert in NRW die Kassenärztliche Vereinigung Schutzmasken.

Anzahl steigt

Coronavirus: Zwölf Fälle in Hessen

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Tests gibt es nur bei begründetem Verdacht. In Hessen bestimmen die Gesundheitsämter, ob jemand in Quarantäne muss.

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Hessen steigt weiter. Wie das Sozialministerium am Dienstag mitteilte, wurden bis 14 Uhr insgesamt zwölf Sars-CoV-2-Fälle bestätigt. Neu hinzugekommen war am Dienstag eine 1967 geborenen Frau aus dem Main-Kinzig-Kreis. Sie befindet sie sich in häuslicher Isolation. Alle erkrankten Personen wiesen aktuell milde Verläufe mit keinen oder leichten Symptomen auf. „Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut.“

Bürgern mit Krankheitssymptome wie Husten, Fieber oder Atemnot empfiehlt das Ministerium, sich zunächst telefonisch an ihre Hausärztin oder an ihren Hausarzt zu wenden. Diese klärten dann ab, ob eine Infektion mit dem Coronavirus wahrscheinlich ist und leiteten bei begründetem Verdacht die weitere Diagnostik und Behandlung ein.

In dem Gespräch werde geklärt, ob die erkrankte Person überhaupt in einem Risikogebiet gemäß der Definition des Robert-Koch-Instituts war oder Kontakt zu einem bestätigten Erkrankungsfall hatte, ergänzt Ministeriumssprecherin Alice Engel. „Falls in diesem Prozess Fragen auftauchen, sollten diese mit dem örtlich zuständigen Gesundheitsamt abgeklärt werden.“

Hausärzte hatten berichtet, dass die Behörden telefonisch sehr schwer erreichbar sind. Nach Darstellung des Ministeriums sind die Gesundheitsämter in Hessen aber in Rufbereitschaft und könnten von den Ärzten entweder direkt oder über die Leitstellen erreicht werden. „Eine Infektion mit Sars-CoV-2 ist meldepflichtig.“ Spätestens wenn der Verdachtsfall als begründet angesehen werde, müsse das Gesundheitsamt informiert werden, und es werde eine Labordiagnostik auf den Weg gebracht. Den Abstrich dafür könne entweder der Arzt oder das Gesundheitsamt machen.

Bestätigt sich der Verdacht, entscheidet das zuständige Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen. Laut Infektionsschutzgesetz bestimmt es im Einzelfall, welche Schritte notwendig und verhältnismäßig sind. Das kann eine häusliche Quarantäne sein, aber auch eine stationäre Versorgung. Auch die Frage der Kommunikation liegt in Händen der jeweiligen Behörde. Der Hochtaunuskreis etwa hatte am Wochenende beschlossen, keine Angaben zum Wohnort des Patienten zu veröffentlichen, der sich bei einem Patienten aus dem Lahn-Dill-Kreis angesteckt hatte.

„Es gab keinen Grund, die Bevölkerung über den Ort zu informieren“, sagt eine Sprecherin des Kreises. Der 29-Jährige habe kaum Kontakte gehabt und sei auch nicht bei der Arbeit gewesen. Der Mann sei inzwischen fast symptomfrei und gehe nächste Woche wieder arbeiten. „Es geht ihm gut.“

Coronatests an einer zentralen Stelle anzubieten, ist laut Engel derzeit nicht in der Diskussion. Anders die niedersächsische Landesregierung: Sie hat am Dienstag beschlossen, in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) des Landes regionale Zentren für Patienten mit Verdacht auf eine Ansteckung einzurichten. Das entlaste die Hausärzte und führe zu einem effizienteren Einsatz der Schutzkleidung.

Denn die wird immer knapper, wie Hausärzte der Frankfurter Rundschau berichten. Das Ministerium erklärt sich für nicht zuständig: „Grundsätzlich sind für die Beschaffung der Schutzausrüstung jede Ärztin und jeder Arzt als Selbstständige eigenverantwortlich“, sagt Sprecherin Engel. Die Verfügbarkeit werde allerdings permanent bis auf die europäische Ebene beobachtet. „Das Bundesgesundheitsministerium strebt eine gemeinsame nationale oder europäische Beschaffung an.“ Auch hier sind andere Bundesländer schon weiter: Der KV Nordrhein hat dieser Tage 33 000 Masken und Schutzanzüge für die Versorgung von rund 130 000 Menschen organisiert. Die Materialien gehen an die rund 80 Notdienstpraxen in Nordrhein, der Rest an Praxen „mit besonderem Schutzbedarf“, heißt es auf Anfrage. Die Kosten trage die KV - „obwohl es formal nicht unsere Aufgabe ist, entsprechende Materialien für die Versorgung bereitzustellen“.

Unterdessen appellierten die Verantwortlichen in Hessen an die Bevölkerung, zugunsten des medizinischen Personals auf Desinfektionsmittel oder Schutzmasken zu verzichten – auch, um keine künstliche Knappheit am Markt zu erzeugen. „Es geht darum, dass Privatpersonen mit Händewaschen genauso viel erreichen“, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk der Deutschen Presse-Agentur.

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