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Coronavirus: Zehn Testcenter für ganz Hessen

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Das angeblich flächendeckende Angebot in Hessen weist große Löcher auf. Ansturm in Frankfurt erwartet.

Angelika Müller ist außer sich: Mehr als zwei Stunden habe ihre Freundin am Mittwoch vor dem Corona-Testcenter in Frankfurter gewartet. „Um 13 Uhr wurde dieses Testcenter geschlossen, obwohl draußen sich noch 30 Leute aufhielten und warteten.“ Alle hätten vorher bei der 116 117 angerufen und seien bestellt worden. „Es gab keine Koordination vor Ort und keinerlei Information für die Wartenden“, schimpft die Frankfurterin.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bittet um Nachsicht: „Es ist normal, dass gerade in einer Krisensituation wie der aktuellen, nicht von Anfang an alles klappt wie gewünscht“, sagt Karl Roth. „Wir werden daraus Konsequenzen ziehen und nachsteuern“, verspricht er, bitte aber auch die Bevölkerung um Mäßigung: „Es hilft niemandem, wenn tumultartige Situationen entstehen und ob ein Test heute oder morgen erfolgt, ist in der Regel aus medizinischer Sicht nicht entscheidend.“ Ärzte und nichtärztliches Personal täten ihr „Möglichstes und darüber hinaus und wir werden auf den Ansturm in Frankfurt reagieren.“

In Hessen gibt es aktuell zehn Zentralen, in denen sich Bürger mit begründetem Verdacht auf das Coronavirus testen lassen können. Diese Zahl bestätigte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auf Anfrage. Die zugesagte „flächendeckende Abdeckung“ sei fast erreicht, sagte Karl Roth. „Wir müssen nur noch ein paar Löcher stopfen.“

Die Landräte sehen das anders. „Das kann nur ein erster Schritt sein“, sagt Jan Hilligardt, geschäftsführender Direktor des Landkreistags. Zehn Zentralen reichten bei weitem nicht aus. Speziell im Norden und Süden des Landes seien die Wege zu weit. Bewohner des Kreises Waldeck-Frankenberg etwa müssten bis nach Kassel fahren. Die des Odenwaldkreises nach Darmstadt.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es nach FR-Informationen vier Anlaufstellen: zwei in Frankfurt, eine in Hofheim und die in Darmstadt. Die anderen sechs befinden sich in Fulda, Gelnhausen, Wetzlar, Marburg, Lich und Kassel. Sie sind an den Zentralen des Ärztlichen Bereitschaftsdienst angedockt, haben allerdings, anders als dieser, vormittags geöffnet. Deshalb ist zusätzliches Personal notwendig, das die KV über ein Rundschreiben am Wochenende rekrutiert hatte. Für mehr als zehn Zentralen reichten die Personalkapazitäten jedoch derzeit nicht aus, sagte Roth.

Sehr erfolgreich sei auch die Bitte um Teströhrchen bei den Mitgliedern gewesen. Die in der FR zitierten Kritiker seien Einzelfälle: „Die meisten Ärzte sind unserer Bitte gerne gefolgt und haben sich bedankt, dass wir ihnen Arbeit abnehmen.“ Die Schutzausrüstung reiche ebenfalls: „Wir haben etwas vom Katastrophenschutz des Landes bekommen.“

Vor zwei Tagen hatte der KV-Sprecher die Zahl der Zentren noch nicht mitteilen wollen. Auch die Standorte will Roth nicht nennen, was er mit der Furcht vor einem Massenansturm begründet. Denn es ist keineswegs so, dass dort jeder willkommen ist, der sich testen lassen will. Es gelten vielmehr die Regeln des Robert-Koch-Instituts: Voraussetzung ist eine akute Erkrankung der Atemwege in Kombination mit Kontakt zu einer als infiziert bestätigten Person oder einem Aufenthalt in einem Risikogebiet. Der Weg zum Test führt über einen telefonischen Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt oder über die Rufnummer 116 117 der KV.

Das hat sich offenkundig noch nicht herumgesprochen. Das Frankfurter Testcenter habe gleich am ersten Tag jede Menge Leute abweisen müssen, sagt Roth. Überwiegend habe es sich um Mitarbeiter der EZB und der Deutschen Bank gehandelt, wo es jeweils einen bestätigten Infektionsfall gibt. „Die haben aber lediglich im selben Gebäude gearbeitet“, sagt Roth. Am Montag eröffnete die erste Zentrale, seit Dienstag sind alle zehn im Betrieb. Wie das Sozialministerium auf FR-Anfrage mitteilt, soll ihre Zahl noch im Laufe dieser Woche ausgeweitet werden. Es werde aber keine in jedem Landkreis geben, sagt Roth. Zur Zahl der Tests pro Zentrale gibt der KV-Sprecher keine Auskunft.

Unterdessen bereiten sich die Kliniken in Hessen auf den Coronavirus-Ernstfall vor. Das führt zu OP-Absagen.

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