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Chinesische Passagiere beim Einchecken für einen Flug nach Guangzhou im Terminal 2. 

Verdacht

Coronavirus: Viele besorgte Anrufe bei der Hotline in Hessen

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Die Verdachtsfälle in Hessen mehren sich, doch Ärzte sehen keine Gefahr für die Bevölkerung. Die Passagiere des Rückholflugs aus Wuhan sollen nach der Ankunft 14 Tage in eine gemeinsame Unterkunft.

Die Sorge um das Coronavirus treibt die Menschen um. Die Hotline des Frankfurter Gesundheitsamts ist gefragt: „Wir haben viele Anrufe“, sagt der Infektiologe der Behörde, Antoni Walczok. Auch in den Praxen ist die Verunsicherung zu spüren: Niedergelassene Ärzte sehen sich mit Patienten konfrontiert, die einen Schnelltest einfordern. Im Handel werden die Atemmasken knapp. Und ein Lufthansa-Sprecher berichtet: „Wir bemerken, dass viele Reisende ihre Flüge verschieben oder canceln.“ Deutsche wie chinesische Reiseveranstalter hätten in den vergangenen Tagen Angebote wie Gruppenreisen von China nach Deutschland und umgekehrt aus ihrem Programm genommen. Auch bei Geschäftsreisenden merke man einen Rückgang.

Aktuell besteht für die Bevölkerung keine Gefahr. Das ist der Tenor der Pressekonferenz am Mittwoch im Frankfurter Gesundheitsamt. „Ich hätte vor Masern sehr viel mehr Angst als vor dem neuen Virus“, sagt Behördenchef René Gottschalk. Corona, lässt er durchblicken, werde überschätzt. „Das scheint nicht so infektiös zu sein.“ Und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) nutzt die Gelegenheit, um für die Grippeschutzimpfung zu werben. Denn die Influenzawelle rollt an. Daran sterben jährlich Zigtausende.

Die Symptome ähneln denen des Coronavirus. Neun Menschen waren es bislang, die nach einer Anamnese zu Verdachtsfällen erklärt wurden, weil sie entsprechende Symptome aufwiesen und einen Bezug zu den Hochrisikogebieten hatten. Sie machten einen Schnelltest – und nach rund fünf Stunden gab die Virologie der Frankfurter Uniklinik Entwarnung. Alle neun hatten Influenza oder Lungenentzündungen aus ähnlichen Gründen. „Keiner war gegen Grippe geimpft“, sagt Walczok.

„Wir haben keine Patienten mit dem Coronavirus“, bestätigt Timo Wolf, Oberarzt der Infektiologie an der Uniklinik. Was nicht bedeutet, dass es dabei bleibt, sagt Gottschalk. „Es wird Einzelfälle geben, aber keine Ausbreitung.“ Zudem sei Frankfurt gut aufgestellt.

Wegen des Flughafens als internationaler Grenze ist der medizinische Dienst geübt mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Auch die Ausstattung ist vorhanden: Zwei Räume im Flughafen, die in der Regel kaum genutzt werden. Eine Sonderisolierstation an der Uniklinik, ein Spezialfahrzeug, mit dem die Experten des medizinischen Diensts aufs Vorfeld ausrücken, sobald ein Pilot einen Verdachtsfall gemeldet hat. Sars, Ebola oder Lassa: Das waren die Krankheiten, mit denen sie sich in der Vergangenheit konfrontiert sahen. Immer wieder haben sie die Handlungsabläufe bei drohender Gefahr geübt. Sollte sich ein schwerer Verdacht erhärten, werden die direkten Kontaktpersonen untersucht, berichtet Gottschalk. Die anderen Passagiere dürfen ihre Reise fortsetzen.

Am Donnerstag nun wird ein Flug aus dem chinesischen Wuhan in Frankfurt erwartet, mit dem rund 100 Europäer zurückgebracht werden. Vorwiegend werden Deutsche erwartet.

Der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) erläuterte am Mittwoch in Wiesbaden, dass die Passagiere am Flughafen von Experten des Frankfurter Gesundheitsamtes untersucht würden. Bei einem Corona-Verdacht kämen sie in die Frankfurter Uniklinik. Die Rückkehrer ohne Symptome würden in eine „gemeinsame Unterkunft“ gebracht, wo sie 14 Tage bleiben sollten, „um auszuschließen, dass noch ein Infizierter darunter ist“. Dieses Verfahren sei von den Bundesbehörden vorgegeben worden, sagte Klose. „Wir sind sehr gut vorbereitet“, versicherte der Minister. Das Risiko in Deutschland und Europa halte er für „überschaubar“.

Eine Sprecherin des Flughafens Frankfurt sagte der FR noch am Mittwochmittag, es gebe keine medizinischen Einreisekontrollen, man orientiere sich an den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Gesundheitsministerien von Bund und Land.

Über Bildschirme und Flyer informiere man die Passagiere gezielt darüber, was zu beachten sei. Auch werde über Symptome aufgeklärt und auf die Wichtigkeit von Hygiene hingewiesen. Am Nachmittag teilte die Lufthansa mit, dass sämtliche Flüge von und nach China bis zum 9. Februar gestrichen würden. Das schließe auch Swiss und Austrian Airlines ein. Lediglich Hongkong werde weiter wie geplant angeflogen.

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