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Coronavirus: Abgesagte Veranstaltungen sind kein Drama

  • Jutta Rippegather
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Die Absage eines Fußballspiels muss hingenommen werden, kommentiert FR-Redakteurin Jutta Rippegather.

Nun also doch. Am Montag sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) noch, verschärfte Schritte gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus seien nicht erforderlich. Am Dienstagnachmittag empfiehlt er dann doch die Absage von Veranstaltungen. Das letzte Wort allerdings hat nach wie vor das zuständige Gesundheitsamt.

Es ist ein Balanceakt. Der Minister führt ihn nicht allein auf. Er sieht sich in guter Gesellschaft mit Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Sein überraschend schneller Gesinnungswandel mag so manchen zu Recht irritieren. Er zeigt aber auch, wie dynamisch die Zeiten sind. Am Montagvormittag ging im Süden Italiens noch alles seinen normalen Gang. Jetzt steht das ganze Land unter Quarantäne. Und es gab die ersten Toten in Deutschland. Auch das sollte jenen zu denken geben, die jetzt laut protestieren.

Die Jungen, die Fitten müssen sich keine Sorgen machen. Die stecken eine Sars-CoV-2-Infektion in der Regel locker weg. Anders sieht die Situation für die Alten, die chronisch Kranken aus. Für sie kann das Virus lebensgefährlich werden.

Angesichts solcher Gefahren für die Schwachen der Gesellschaft verbietet sich jede Kritik an der Absage von Messen und Konzerten. Verbietet sich jeder Aufschrei in dem möglichen Fall, dass tatsächlich ein Fußballspiel abgesagt wird oder vor leeren Rängen stattfindet. Ein 90-Minuten-Kick ist nicht wichtiger als Menschenleben. Und die Bundesligavereine nagen auch nicht am Hungertuch, können das finanziell locker verkraften. Anders die kleineren Veranstalter. Die brauchen staatliche Hilfe für die Überbrückung.

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