Während die Freibäder in den meisten Bundesländern geöffnet haben oder demnächst öffnen, steht für Hessen noch kein Datum fest.
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Während die Freibäder in den meisten Bundesländern geöffnet haben oder demnächst öffnen, steht für Hessen noch kein Datum fest.

Mainz

Corona: Vorbehalte gegen Bäderöffnung im Rhein-Main-Gebiet

  • vonDiana Unkart
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Die Freibäder im Rhein-Main-Gebiet wollen wieder öffnen, doch noch kommt kein Signal vom Land Hessen. Ein Freibad in Mainz hat geöffnet - und gute Erfahrungen gemacht.

Im Freibad im Mainzer Stadtteil Mombach wird seit einigen Tagen im Kreis geschwommen. In Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern haben die Schwimmbäder wieder für alle geöffnet – unter strengen Hygienevorschriften. Wann es in Hessen so weit sein wird, ist unklar. Die Kommunen warten auf ein Signal vom Land. Auf Petitionsplattformen werden derweil Unterschriften für eine schnelle Öffnung der Bäder gesammelt.

Das Kabinett werde sich Mitte oder Ende Juni mit der Frage befassen, sagt ein Sprecher des Innen- und Sportministeriums. Wenn sich das Infektionsgeschehen weiter so entwickele wie in den vergangenen Tagen und Wochen, stünden die Chancen für eine Öffnung der Bäder gut. Seit 1. Juni dürfen Schwimmbäder in Hessen unter Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln für Schwimmvereine und -kurse öffnen. Die Erfahrungen der Klubs sollen in die Konzepte für eine allgemeine Öffnung einfließen.

Ob nach einem positiven Signal des Landes aber tatsächlich alle Bäder öffnen werden, ist fraglich. Einige Bürgermeister haben Vorbehalte und erwägen, die Freibäder in dieser Saison geschlossen zu lassen. Aufwand und Infektionsrisiko stehen nach ihrer Einschätzung in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Bevölkerung.

Vorbereitungen

Die Stadt Frankfurt hat ein Hygienekonzept für Schwimmbäder erarbeitet, das derzeit erprobt und anderen Gemeinden vorgestellt wird. Das Konzept wird eng mit dem Land abgestimmt.

Ziel ist es , nach und nach den Betrieb für immer mehr Gruppen auszuweiten.

In Wiesbaden ist derzeit nur das Opelbad gefüllt. Die anderen drei Freibäder sind leer. Bevor die ersten Badegäste empfangen werden können, ist eine Vorlaufzeit von ein bis zwei Wochen nötig.

Die Bäder sollen zeitversetzt geöffnet werden. diu

Johannes Heger vom Hessischen Städte- und Gemeindebund spricht von einem „heterogenen Bild“. Es gebe Bürgermeister, die skeptisch seien. Für andere sei der gesellschaftliche Aspekt entscheidend. Die spannende Frage sei die nach den Anforderungen, die das Land stelle. „Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht.“ Der Verband will sich heute dazu positionieren.

In Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis gibt es eine Initiative, in der sich inzwischen mehr als 30 Menschen engagieren. Sie fordern die Öffnung des Barbarossafreibads in der Stadt und aller anderen hessischen Schwimmbäder. „Schwimmbäder haben eine soziale und eine gesundheitsfördernde Funktion“, sagt Alexander Schopbach, einer der Sprecher der Initiative. Er und seine Mitstreiter haben am Beispiel des Barbarossabads ein Papier erarbeitet, das zeigen soll, wie Bäder schrittweise für alle Menschen geöffnet werden können. Grundlage ist der Pandemieplan der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

Ein uneingeschränktes Badevergnügen werde es aber nicht geben. „Wir reden nicht vom Jubel-Trubel-Freibadbetrieb“, sagt Sprecherin Julia Hott. „Wir fordern vom Corona-Kabinett, dass es die Freibäder freigibt, damit die Kommunen, die öffnen wollen, auch öffnen können.“ Hott und Schopbach appellieren an die Kommunen, ihrer Verantwortung gegenüber den Bürgern gerecht zu werden. Die seien in diesem Jahr mehr denn je auf offene Bäder angewiesen. In anderen Bundesländern seien die Erfahrungen durchweg positiv gewesen.

Torsten Traxel, Geschäftsführer des Schwimmbads in Mainz-Mombach, berichtet von einem guten Saisonauftakt. Seit einigen Tagen dürfen täglich 750 Besucher in zwei Durchgängen ins Freibad kommen – die erste Schicht von 6.10 Uhr bis 12 Uhr, die zweite von 13 bis 20 Uhr. Dazwischen wird das Bad desinfiziert. Ab 6. Juni darf die Zahl der Badegäste verdoppelt werden. In Vor-Corona-Zeiten tummelten sich an heißen Sommertagen 7000 Menschen auf der weitläufigen Anlage. Betrieben wird das Bad vom Mainzer Schwimmverein 01.

Nicht zu öffnen, sei keine Option, sagt Traxel. „Wir werden dieses Jahr kein großes Geschäft machen. Wir hoffen auf eine rote Null.“ Weil das sonst große Kursangebot eingeschränkt ist, sind immer noch Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das Schwimmerbecken ist seit der Öffnung nicht mehr in Längs-, sondern in fünf Meter breite Querbahnen unterteilt, in denen im Kreis geschwommen wird. „Das funktioniert sehr gut.“

Die Gesellschaft hat die Corona-Beschränkungen anscheinend satt. Aber was wird aus jenen, die noch nicht locker genug sind für Lockerungen?

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