Masken (Symbolfoto).
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Masken (Symbolfoto).

Corona

Kampf um Feiern ohne Masken

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Darf die Veranstaltung in Offenbach doch noch stattfinden. Derzeit gibt es ein Ringen um eine Lösung für ein sicheres Partykonzept.

Die Menschen wollen wieder feiern. Auch für dieses Wochenende rechnen die Behörden wieder mit großen Freiluft-Zusammenkünften. Der Frankfurter Opernplatz hat sich zum Hotspot entwickelt, der Vorplatz des Uni-Hauptgebäudes in Gießen und die Parks in Darmstadt ebenso. Die Folgen: Müll, Lärm, Beschwerden sowie zu geringe Abstände trotz Corona-Regeln.

Zeitgleich kämpft die Veranstaltungsbranche um ihre Existenz. Und sie entwickelt Formate für Events trotz Corona. Doch die Grenzen sind eng – das zeigt das Beispiel Fredenhagen-Halle in Offenbach. Dort sollte nächste Woche eine Party für 250 Leute stattfinden mit Corona-Test am Morgen, damit man am Abend ohne Maske und Abstand feiern kann. Die Einladungen waren schon rausgeschickt, die FR berichtete am Mittwoch. Dann kam am Donnerstag die Absage der Stadt: „Dies ist weder mit dem Gesundheitsamt abgestimmt, noch rechtlich zulässig“, stellt Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) in einer Mitteilung von Freitag noch einmal unmissverständlich klar.

Veranstalter geben nicht auf

Doch Nico Ubenauf, Mit-Initiator von „Back to Live“ und seine Mitstreiter geben nicht auf: Sie haben das hessische Ministerium für Soziales und Integration in einem Eilverfahren darum gebeten, dass alle Beteiligten gemeinschaftlich eine schnelle Lösung erarbeiten, so dass die geplante Musterveranstaltung am 17. Juli stattfinden kann. „Wir halten weiterhin an unserem Vorhaben fest und werden alles Mögliche tun, um die Stadt und die Politik von unserem Konzept zu überzeugen.“ Die Testveranstaltung laufe unter fachlicher Betreuung „von Prof. Dr. Klaus-Peter Hunfeld und Privatdozent Dr. med. Frank Albert Pitten vom Institut für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle in Gießen“ ab. Ziel sei, größere Veranstaltung mit Verzicht auf Abstandsregeln sowie Mund-Nasen-Schutz und ohne das Risiko einer Ansteckung zu realisieren.

„Dazu dient ein medizinischer PCR-Test, der einen absolut sicher und ausschließlich Sars-Cov-2-negativ getesteten Personenkreis ermöglichen soll.“ Aus unerklärlichen Gründen sei es hinsichtlich der Abstandsregel zu Missverständnissen mit dem Gesundheitsamt gekommen. Die geltende Verordnung sehe keine Regelung für den Fall vor, dass ein Schnelltest das Übertragungsrisiko zuvor ausgeschlossen hat. „Die Veranstaltung hat eigens den Zweck, dem Gesetzgeber durch die Musterhaftigkeit des Vorgehens einen Ausweg aus dieser überholten Lage zu geben.“

Da gilt es dicke Bretter zu bohren. Auch für die Clubs. Trotz der Probleme mit den Freiluft-Events ist ein Plan für deren Wiederöffnung unter Corona-Bedingungen nicht erkennbar. „Die Landesregierung beobachtet kontinuierlich die Situation, um über etwaige weitere Lockerungen zu entscheiden“, erklärt das Wirtschaftsministerium knapp.

Ernsthafte Gespräche zwischen Branche und Politik gebe es nicht, sagt Matthias Morgenstern, Inhaber des „Tanzhaus West“ in Frankfurt und Vorsitzender des Netzwerks „Clubs am Main“. Die Partymeilen auf den Straßen wundern ihn nicht. „Das ist ein Folgeproblem der nach wie vor ohne Öffnungsperspektive geschlossenen Clubs.“ In Frankfurt verteilten sich normalerweise 50 000 Menschen auf die Clubs. „Die sind jetzt woanders, auf der Straße und suchen sich ihre eigenen Freiräume.“ Die Städte reagierten hilflos.

„Wir Clubbesitzer sind gut dafür geeignet, Regeln einzuhalten.“ In den Clubs könne mit Hygienekonzept und unter kontrollierten Bedingungen gefeiert werden. Beispielsweise sei Nachverfolgbarkeit der Besucher sicherstellbar. „Das ist an öffentlichen Plätzen nicht der Fall.“ Statt einer „lächerlichen Symbolpolitik“ lädt Morgenstern die Städte ein, gemeinsam mit Clubbesitzern über alternative Angebote nachzudenken, etwa „wie man öffentliche Plätze bespielt“ unter Einhaltung der Corona-Regeln. Man könne aber auch „Dinge erproben, eine Reihe von Clubs öffnen und sehen, wie es läuft“. mit dpa Vier Wochen nach der Wiedereröffnung der Freibäder in Frankfurt ziehen die Bäderbetriebe eine positive Bilanz.

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