Ärztin nimmt Abstrich von möglichem Corona-Patient
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Auch Arztpraxen sollen Rachenabstriche für Corona-Tests nehmen.

Chaos in Hessen

Hat Spahn zu schnell gehandelt? Corona-Tests in Hausarztpraxen gefährden Patienten

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Es gibt noch kein Konzept für kostenlose Tests für Reiserückkehrer. Lehrer dürfen sich alle zwei Wochen testen lassen.

  • Kostelose Corona-Tests für Landesbedienstete bis Herbst
  • Rückreisende aus dem Urlaub können Corona-Test machen
  • Neues Konzept von Spahn gefährdet die hausärtzliche Versorgung

Wiesbaden - Landesbedienstete an hessischen Schulen können sich von nächster Woche an alle 14 Tage kostenlos auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen lassen. Das freiwillige Angebot bestehe bis zum Herbst, teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch mit. Es richte sich an Lehrende und Sozialpädagogen ohne konkrete Symptome einer Infektion. „Die deutliche Ausweitung der Testkapazitäten ermöglicht es uns, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen, sie zu unterbrechen und das Risiko einer unerkannten Verbreitung des Coronavirus an unseren Schulen zu minimieren.“

Unklarheit in Hessen: Wo kann ich mich testen lassen?

Unterdessen ist immer noch nicht klar, wo Urlauber aus Hessen sich testen lassen können. Eine Anordnung des Bundesgesundheitsministeriums sieht vor, dass auch Reiserückkehrer aus Nicht-Risikoländern sich seit 1. August kostenlos testen lassen können. Doch es fehlt die flächendeckende Infrastruktur und die niedergelassenen Ärzte sind auch nicht begeistert.

Das zweite Testcenter am Frankfurter Flughafen sei jetzt in Betrieb, sagt die Sprecherin des hessischen Sozialministeriums Nadine Gersdorf. Es gebe Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und den Gesundheitsämtern. Auch darüber, wie für Rückkehrer aus Risikoländern Pflichttests organisiert werden sollen, die Berlin in den nächsten Tagen verordnen werde: „Wir sind auf einem guten Weg, nächste Woche sind wir schlauer.“

Corona-Tests in Arztpraxes - Gefahr?

Das sehen die Hausärzte und Kinder- und Jugendärzte anders. Deren Landesverbände schlugen Alarm. Das Bundesgesundheitsministerium gefährde die hausärztliche Versorgung. „Überhastet und ohne sichtbares Konzept“ habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Testung erlassen. Die Abstriche sollten auch in Praxen durchgeführt werden, in denen schwerpunktmäßig Risikopatienten betreut und versorgt werden. „Diese gedankenlose Verordnung gefährdet die medizinische Versorgung in Deutschland erheblich.“

Statt in Kooperation mit den Ärzten frühzeitig Konzepte zu erarbeiten, habe die Bundesregierung alles auf sich zukommen lassen. Nun sollten Massentests stattfinden. Die Menschen würden zur Abstrichentnahme an die Praxen verwiesen. Die seien damit nicht nur völlig überfordert, sondern auch noch verpflichtet, Reiseunterlagen wie Rechnungen, Buchungen oder Tickets zu prüfen und zu dokumentieren. „Dabei ist völlig ungeklärt, ob diese Daten so ohne weiteres in den Praxen erhoben und gespeichert werden dürfen, da es sich hier nicht um Behandlungsdaten handelt.“

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