Das Flughafen-Testcenter ist nicht für jeden eine Alternative. M. Müller
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Das Flughafen-Testcenter ist nicht für jeden eine Alternative. 

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Corona: Wer sich testen lassen will, muss tief in die Tasche greifen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Eine Hausärztin in Mittelhessen arbeitet an Lösung, damit Reiserückkehrer andere nicht anstecken, Denn Tests sind teuer.

Wer sich ohne Symptome beim Arzt testen lassen will, muss als Selbstzahler tief in die Tasche greifen: Rund 130 Euro koste der Test für Kassenpatienten, Privatversicherte müssten noch 20 Euro drauflegen, sagt Helmut Lenz, Chemiker in der Frankfurter Laborgemeinschaft Walther, Weindel und Kollegen. Der Preis ist fix. Festgelegt ist er in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Hinzu kommen rund 40 Euro Arztgebühren.

Viel Geld zum Beispiel für den Studenten, der mit der Betreuung chronisch Kranker sein Geld verdient, meint die Marburger Hausärztin Ulrike Kretschmann. „Dabei wäre es wichtig, dass er seine Klienten nicht ansteckt.“ Im Grunde, sagt Kretschmann, gilt das für alle Menschen, für die, die in sozialen Berufen arbeiten, aber besonders. Wenigstens für sie sollte Hessen die Testkosten übernehmen. Als Zwischenlösung strebt die Allgemeinmedizinerin nun eine Kooperation mit einem zertifizierten Labor an, das nicht an die GOÄ gebunden ist. Dann könnte Kretschmann den Test so günstig anbieten, dass auch der Student ihn bezahlen kann. „Wir sollten alles tun, eine zweite Welle zu verhindern.“ Das Testcenter am Frankfurter Flughafen sei für die Menschen in Mittelhessen viel zu weit entfernt. Dort kostet der Standardschnelltest 59 Euro.

Anders als Bayern will Hessen keine kostenlosen Tests für jene anbieten, die keine Corona-Symptome vorweisen können. Ein negatives PCR-Test-Ergebnis sei nur eine Momentaufnahme und könne ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln, so die Argumentation.

Eine Ausnahme bilden die Lehrer. Für die übernimmt das Land die Kosten für anlasslose Tests. Daneben gibt es zwei Projekte mit flächendeckenden Corona-Tests: die Studie an Kindern und Fachkräften in 50 Kindertagesstätten und ein Forschungsprojekt in 50 Alten- und Pflegeheimen, das im Frühherbst beginnen soll.

Es bleibt also dem Einzelnen überlassen, ob er bereit ist, die Kosten zu übernehmen, wenn der Verdacht auf Ansteckung besteht. Vereinzelt sind auch Arbeitgeber dazu bereit. Der private Rehaklinik-Betreiber Median etwa bietet Beschäftigten die Möglichkeit, sich nach der Rückkehr aus dem Urlaub testen zu lassen – unabhängig davon, wo sie waren. „Erst nach einem negativen Ergebnis nehmen sie am Folgetag wieder ihren Dienst auf beziehungsweise arbeiten in der Zwischenzeit in voller Schutzkleidung.“

Die Beschäftigten der Frankfurter Universitätsklinik können sich grundsätzlich alle zwei Wochen kostenlos testen lassen. Rückkehrer aus Risikogebieten dürfen die Arbeit grundsätzlich erst nach einem negativen Testergebnis oder 14-tägiger Quarantäne aufnehmen, informiert Theresa Seubold von der Pressestelle. „Diese Regelung ist im Einklang mit den geltenden Vorgaben von Bund, Land, Robert Koch-Institut sowie Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt.“

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