Unkompliziert ist das Reisen zurzeit nicht - Stichwort Beherbergungsverbot. Wer wegen Corona wann wo wie in Hessen übernachten darf, ist genau geregelt.
+
Unkompliziert ist das Reisen zurzeit nicht - Stichwort Beherbergungsverbot. Wer wegen Corona wann wo wie in Hessen übernachten darf, ist genau geregelt.

Nur mit Corona-Test

Beherbergungsverbot in Hessen: Was Sie über die Corona-Regel wissen müssen

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
    schließen
  • Pitt v. Bebenburg
    Pitt v. Bebenburg
    schließen

In Corona-Zeiten gelten auch in Hessen Beherbergungsverbote. Wir haben für Sie zusammengestellt, was die Beherbergungsverbote für Reisen von und nach Hessen bedeuten.

  • Hessen verzeichnet wieder viele Corona-Neuinfektionen.
  • Frankfurt gilt mit einer 7-Tage-Inzidenz von 69,2 (Stand 15.10.) als Corona-Risikogebiet und auch andere Städte und Regionen in Hessen sind betroffen..
  • Wir haben für Sie das wichtigste über das Beherbergungsverbot in Hessen zusammengefasst.

Das Beherbergungsverbot als Reaktion auf hohe Corona-Zahlen ist umstritten, bei Beratungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Bundesländern gab es keine Einigung. Nach dem Corona-Gipfel im Kanzleramt hieß es, das Beherbergungsverbot solle bis zum 8. November auf seine Wirksamkeit überprüft werden. Jedes Bundesland bleibt so lange bei seinen eigenen Regeln. Welche Regeln zum Beherbergungsverbot in Hessen gelten:

Wer darf aus einem Corona-Risikogebiet noch in Hessen übernachten?

In Hessen gilt ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten im In- oder Ausland nicht erst seit der Konferenz der Staatskanzlei-Chefs der Länder in dieser Woche, sondern bereits seit dem 27. Juni.

Was bedeutet ein Beherbergungsverbot eigentlich?

Ein solches Verbot bedeutet, dass Übernachtungsbetriebe keine Reisenden aufnehmen dürfen, die aus Gebieten außerhalb des eigenen Bundeslandes mit erhöhtem Infektionsrisiko kommen. Als Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko gelten Regionen, in denen in einer Zeitspanne von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner aufgetreten sind.

Geht es beim Beherbergungsverbot auch um private Übernachtungen?

Nein, private Übernachtungen bleiben erlaubt. Das Beherbergungsverbot erstreckt sich lediglich auf Übernachtungsbetriebe, also etwa Hotels, Pensionen und Jugendherbergen.

Welche anderen Ausnahmen von diesem Beherbergungsverbot gibt es?

Ins Hotel gehen dürfen Menschen aus Risikogebieten, wenn sie einen ärztlich attestierten negativen Corona-Test vorlegen können. Dieser darf nicht älter als zwei Tage sein. Ausnahmen gibt es auch für Personen, deren Aufenthalt zwingend notwendig und unaufschiebbar beruflich oder medizinisch veranlasst ist oder die einen sonstigen triftigen Grund haben. Hierzu zählt beispielsweise der Besuch eines engen Familienangehörigen oder Lebenspartners.

Frankfurt ist mittlerweile Corona-Risikogebiet: Darf ich als Frankfurter oder Offenbacher nun noch nach Mainz fahren?

Grundsätzlich ja. Das Büro der Regierungssprecherin Rheinland-Pfalz teilt mit, dass demnächst zwar auf alle Fälle ein Beherbergungsverbot in ihrem Bundesland umgesetzt werde, es aber ebenfalls einige Ausnahmen gebe. Wer nur für wenige Stunden ins Nachbarbundesland fährt, wird keinerlei Probleme bekommen. Zur Arbeit pendeln, Familie besuchen oder etwas trinken gehen, wird weiterhin möglich sein. Selbst Dienstreisen sind während des Verbots möglich. Es zielt, wie in Hessen, in erster Linie auf Menschen aus Corona-Risikogebieten, die Urlaub in Rheinland-Pfalz machen wollen.

Wohin darf ich denn noch fahren und eine Übernachtung buchen, wenn mein hessischer Wohnort zum Risikogebiet erklärt wird?

Die meisten Bundesländer erlauben die Beherbergung ebenso wie in Hessen, wenn Reisende einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Das gilt etwa für Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und das Saarland. Maßgeblich ist der Tag der Anreise. Mecklenburg-Vorpommern schreibt hingegen für Urlauber aus Risikogebieten eine 14-tägige Quarantäne direkt nach der Einreise vor.

Wie sieht es mit Reisen innerhalb Hessens aus?

Reisen innerhalb Hessens bleiben erlaubt, auch mit Übernachtung in einem Hotel. So sagt es eine Sprecherin des hessischen Sozialministeriums auf Anfrage. Die Verordnung mit dem Beherbergungsverbot beziehe sich ausdrücklich nur auf Reisende, „die aus Gebieten außerhalb Hessens mit erhöhtem Infektionsrisiko“ kämen.

Wie wird das Beherbergungsverbot politisch diskutiert?

Hessens größte Oppositionsfraktion, die SPD, lehnt das Vorgehen des Landes ab. „Die Postleitzahl des Wohnorts sagt nichts über das tatsächliche Infektionsrisiko aus“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser am Donnerstag (8.10.). Sie nannte das Beherbergungsverbot „epidemiologisch wie rechtlich zweifelhaft“. Es treffe die Reise- und Tourismusbranche, die ohnehin schon schwer unter der Corona-Krise zu leiden habe. Vor allem aber treffe es unterschiedslos alle Reisenden und Reisewilligen, die das Pech hätten, in einem bestimmten Postleitzahlenbereich zu wohnen, unabhängig von ihrem individuellen Ansteckungsrisiko. Dadurch würden verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger „in Mithaftung genommen für eine Minderheit, die keine Vorsicht mehr walten lassen will“, beklagte die Sozialdemokratin.

Kann ich eine bereits gebuchte Reise kostenlos stornieren, wenn mein Wohnort plötzlich zu einem Risikogebiet zählt?

Dazu gibt es noch keine verlässliche juristische Grundlage. Die Frage ist, ob ein kostenpflichtiger Corona-Test für den Reisenden zumutbar ist oder nicht. Es empfiehlt sich mit dem Gastgeber eine einvernehmliche Einigung zu verhandeln – zum Beispiel den Aufenthalt auf Kulanzbasis gebührenfrei zu verschieben.

Wie komme ich vor meinem Urlaub an einen Corona-Test?

Reisewillige sollten sich an ihren Hausarzt oder eine Praxis für Reisemedizin wenden. Die Corona-Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes sind nicht die richtige Adresse. Die 48-Stunden-Frist beginnt übrigens bereits, wenn die Maschine im Labor den Befund ausgibt und nicht erst, wenn man das Ergebnis erhält.

Wie viel kostet so ein Corona-Test?

Liegen keine Symptome vor, wird der Test von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen. Die Kosten müssen Reisende dann selbst tragen. Pro Person sind das rund 120 Euro für die Laboranalyse und rund 20 Euro für den Abstrich beim Arzt.

Zusammengestellt von Steven Micksch und Pitt von Bebenburg (mit dpa und tab).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare