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Staubt ein: Material für den Mathematikunterricht.  dpa
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Staubt ein: Material für den Mathematikunterricht.

Bildung im Lockdown

„Die dümmste aller Möglichkeiten“: Schul-Regeln für Hessen stiften mitten in der Corona-Krise Chaos

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Es hagelt Kritik von Lehrerverbänden und der Opposition an den Regeln für Schulen der hessischen Landesregierung im Corona-Lockdown. Vor allem eins stößt auf Unverständnis.

Wiesbaden – Eine „Schulschließung durch die Hintertür“ nennt die hessische SPD-Chefin Nancy Faeser die Ankündigung, dass die Klassen 1 bis 6 zwar in die Schule kommen dürften, dies aber nicht tun sollten. Diese Aufhebung der Präsenzpflicht sei „eine Unverschämtheit gegenüber den Eltern und ein Ausdruck von Verantwortungslosigkeit gegenüber den Schülerinnen und Schülern“. Deren Recht auf Bildung werde von der Landesregierung verletzt. „Alles, was Schwarz-Grün erreichen wird, ist Chaos in den Schulen und in den Familien“, so Faeser.

Corona: GEW gegen Aufhebung von Präsenzpflicht an Schulen in Hessen

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen spricht sich gegen ein Aufheben der Anwesenheitspflicht aus. „Die Präsenzpflicht an den Schulen aufzuheben ist konzeptionslos und wird auch den Erfordernissen zur Eindämmung einer Pandemie nicht gerecht“, sagte GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch. Stattdessen benötigten Lehrkräfte, Eltern und Schulleitungen „Verlässlichkeit, Planungssicherheit und eine echte Konzeption, wie es mit dem Unterricht unter den Bedingungen der Corona-Pandemie weitergeht“.

Wird die Präsenzpflicht ausgesetzt, wie schon einmal vor Beginn der Weihnachtsferien, entscheiden die Eltern, ob ihre Kinder die Schule besuchen oder nicht. Ob dann alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse zum Unterricht in die Schule kommen oder keine, ist unsicher und kann auch innerhalb einer Schule stark variieren. „Wie sollen Lehrkräfte den vollen Unterrichtstag in der Schule gestalten und zusätzlich auch noch den vollen Unterrichtstag für Kinder und Jugendliche, die zu Hause bleiben?“, fragt Koch. Zumal längst nicht alle Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Endgeräten ausgestattet seien.

Kritik an Regeln für Schulen in Hessen: „Die dümmste aller Möglichkeiten“

Man habe die dümmste aller Möglichkeiten gewählt, urteilt die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Janine Wissler. „Die Schulen sind auf, aber es wird geraten, dass die Kinder besser zu Hause bleiben sollen.“ Damit produziere man Chaos. Die Landesregierung schiebe die Verantwortung ab. Das führe nur zu mehr Unklarheit. Nach Einschätzung Wisslers wäre es nötig, ein Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht umzusetzen, um für Orientierung zu sorgen.

Die Regeln

Bis 31. Januar gibt es an Hessens Schulen neue Regeln.

Die Klassen 1 bis 6 können in die Schule kommen und dort unterrichtet werden, sie sollen es aber möglichst nicht. Kinder, die zuhause bleiben, sollen ein Unterrichtsangebot bekommen.

Ab Klasse 7 gibt es Unterricht nur auf Distanz, der Schulbesuch ist ausgesetzt.

Klassenarbeiten sollen nicht geschrieben werden.

Für die Abschlussklassen im Haupt- und Realschulbildungsgang sowie in den gymnasialen Oberstufen findet Präsenzunterricht statt.

Die Schulpflicht bleibt bestehen. (pgh)

Auch GEW-Landesvorsitzende Koch sieht ein Wechselmodell, bei dem jeweils nur die Hälfte der Schülerschaft anwesend ist, als einzige Möglichkeit für Unterricht in den Klassenräumen. Zudem fordert sie einen verbindlichen Stufenplan, der abhängig vom Infektionsgeschehen und den Inzidenzwerten vor Ort regelt, welches Unterrichtskonzept greift. Bislang gibt es diesen Plan nur als Richtlinie ohne verbindlichen Charakter.

Regeln für Schulen in Hessen: Kein gleichwertiger Unterricht auf Distanz

Kritisch äußert sich auch der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann. „Das Versprechen, dass das Lernangebot für Kinder, die zu Hause bleiben, gleichwertig ist mit dem Unterricht in der Schule, geht völlig an der Realität vorbei“, sagte er. Beim Lernen auf Distanz sei es kaum möglich, Kindern neue Inhalte beizubringen. Verlierer seien vor allem die ohnehin benachteiligten Kinder und Jugendlichen.

Maike Wiedwald, Ko-Vorsitzende der hessischen GEW, warnte davor, Anforderungen abzusenken. Prüfungsformen und -inhalte müssten allerdings angepasst werden. Für das Abitur etwa müssten curriculare Vorgaben modifiziert und Aufgabenstellungen überarbeitet werden. Schulen, Schülerinnen und Schüler müssten mehr Möglichkeiten haben, zwischen Prüfungsvorschlägen auszuwählen, die korrigierenden Lehrkräfte müssten größere Spielräume bei der Bewertung bekommen. „So kann auf die besondere Situation einzelner Schulen, einzelner Jahrgänge oder in einzelnen Fächern eingegangen werden“, sagte Wiedwald.

Keine „Corona-Boni“ an Schulen in Hessen

Der VBE-Vorsitzende Wesselmann mahnt ebenfalls, es dürfe nicht um eine allgemeine Absenkung von Niveaus gehen. Die Abschlüsse müssten weiterhin vergleichbar sein und auch bundesweit in allen Ländern anerkannt werden. Das verbiete eine Verteilung von „Corona-Boni“.

„Es ist natürlich klar, dass Lerninhalte in zentralen Abschlussprüfungen nicht abprüfbar sind, wenn diese gar nicht Thema im Unterricht sein konnten“, so Wesselmann. Landesweit gleiche zentrale Abschlussprüfungen erschienen daher kaum fair. Der VBE-Vorsitzende erinnert daran, dass es vor Einführung des zentralen Landesabiturs unterschiedliche Varianten der Abschlussarbeiten gab und vor Ort in den jeweiligen Schulen entschieden wurde, welche Variante dem Kenntnisstand der jeweiligen Abschlussklasse am ehesten entspricht.

Die schriftlichen Abschlussprüfungen in den Bildungsgängen der Haupt- und Realschule sollten ganz abgesagt werden, forderte GEW-Chefin Koch. Die Abschlüsse sollen auf Grundlage der Zeugnisnoten und von bereits erfolgten Projekt- und Präsentationsprüfungen zuerkannt werden. (Peter Hanack)

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