+
Transparent spricht Dank aus für die Mitarbeiter im Altenheim Heilsberg.

Verbot

Besuche in Altenheimen verboten

  • schließen
  • Judith Köneke
    Judith Köneke
    schließen

Hessische Landesregierung verschärft Regeln auch für Kliniken. Bisher Drei Tote in Pflegeheimen.

In Hessen sind Besuche von Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege untersagt. Das betrifft Krankenhäuser, Entbindungseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Altenheime und ambulante Wohnformen. Damit verschärft die Landesregierung die am 13. März aufgestellten Regeln, wonach schon nur noch eine externe Person eine Stunde am Tag Zugang zu Patienten und Bewohnern hatte. Wie Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden sagte, können die Einrichtungen für besondere Berufsgruppen und in Härtefällen Ausnahmen zulassen – etwa bei einem Sterbenden. Auch Väter sollen bei der Geburt ihrer Kinder dabei sein können.

Das Besuchsverbot diene dem Schutz der Patienten und der Bewohner, sagte Klose. Zahlen über coronainfizierte Heimbewohner oder Altenpflegekräfte führe das Ministerium nicht. Da es sich um eine meldepflichtige Krankheit handelt, sei es über den aktuellen Fall im Odenwald informiert. Nach dem Tod einer mit dem Coronavirus infizierten Bewohnerin ist dort ein Pflegeheim unter Quarantäne gestellt worden. Wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier nach der Konferenz der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) sagte, sollen pflegebedürftige Menschen nach einer Krankenhausentlassung nicht in die Heime gebracht werden. Sie würden in Reha-Einrichtungen versorgt. Denn dort stehen viele Betten leer.

In dem Heim im Odenwald war eine Frau am Montag gestorben, sagte eine Kreissprecherin am Mittwoch. Erst am Dienstag habe festgestanden, dass die Frau sich infiziert hatte. Zwei weitere Corona-Tote gibt es im Kreisaltenzentrum im osthessischen Niederaula.

Auch in Fulda ist ein Altenheim betroffen. Aufgrund einer positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Mitarbeiterin sind 110 Beschäftigte und Bewohner getestet worden. Zwei weitere Mitarbeiter und eine Seniorin seien infiziert, wie der Landkreis mitteilte. Das Gesundheitsamt des Kreises habe daraufhin für die Einrichtung alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. „Dazu gehören insbesondere die Recherche der Kontaktpersonen, die Veranlassung der Tests und strikte Quarantäne der betreffenden Personen.“

In Frankfurt gibt es nun ebenfalls Corona-Fälle in zwei Alten- und Pflegeheimen. Im Pflegeheim Praunheim des Frankfurter Verbands wurde bei sechs Bewohnern eine Infektion mit Sars-CoV-2 festgestellt, teilte der Verband am Mittwoch mit. Diese befänden sich im Krankenhaus, bislang sei keiner von ihnen schwer an Covid-19 erkrankt. Es gebe auch weitere Verdachtsfälle.

Im August-Stunz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Ostend sind zwei Bewohner und zwei Mitarbeiter positiv getestet worden, bestätigt AWO-Pressesprecher Johannes Frass. Beide Einrichtungen setzen nun strikte Quarantänemaßnahmen um, alle Bewohner und Mitarbeiter würden getestet. Der Frankfurter Verband rechne mit dem Ergebnis am Freitag, sagte Pressesprecher Frédéric Lauscher der FR.

Das Frankfurter Gesundheitsamt hat sich darauf vorbereitet. Ein Team sei dafür zuständig, die nötigen Schritte zu besprechen und umzusetzen, sagte Mitarbeiterin Katrin Steul. Das Amt stehe in engem Kontakt mit den Heimen. Schon vor dem Verbot des Ministeriums hätten die meisten Alten- und Pflegeeinrichtungen einen Besuchsstopp verhängt, sagte Steul.

Natürlich könne man alle rund 50 Frankfurter Heime überwachen. „Wir setzen auch auf die Eigenverantwortlichkeit der dortigen Mitarbeiter.“ Gemeinsam versuche man die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts umzusetzen und stehe beratend zur Seite. Wenn ein Haus etwa den schwer zu bekommenden Mund- und Nasenschutz benötige, helfe das Gesundheitsamt mit kleinen Paketen aus.

Seit Beginn der Woche dürfen auch die Bewohner der drei Caritas-Einrichtungen in Frankfurt keinen Besuch mehr bekommen, berichtete Pressesprecher Timm Kauhausen. Der Schritt sei zwar schmerzlich, aber der Schutz der Bewohner und Mitarbeiter gehe vor.

In der Einrichtung Goldbergweg des St.-Katharinen- und Weißfrauenstifts in Oberrad nehmen die Angehörigen den Stopp sehr ernst, Ärger habe es glücklicherweise nicht gegeben, sagt Talha Kirli, verantwortliche Pflegefachkraft. Man schaue nun, welche Bewohner mehr Zuwendung und soziale Betreuung brauchen, organisiere Telefongespräche und animiere zu Spaziergängen im Park des Heims oder zu kleinen Gymnastik- und Beschäftigungseinheiten. mit dpa

Siehe Kommentar auf dieser Seite

und Interview auf Seite F7

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare