Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hessen

Corona in Hessen: Lockerung in fünf Stufen

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen

Die Landesregierung stellt Plan vor, wie das Leben wieder in Schwung kommen könnte. Los geht es im März.

Einen Perspektivplan für einen schrittweisen Weg aus dem Corona-Lockdown hat Hessens schwarz-grüne Koalition erarbeitet. Das Konzept klingt vorsichtiger als die Äußerungen auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung, mit denen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Bouffier sagte am Donnerstag, er habe dabei nie einen konkreten Termin genannt. Er betonte, dass es sich lediglich um einen „Fahrplan“ handele. Der könne sich jederzeit ändern, wenn die Infektionszahlen wieder unerwartet stark steigen oder auch sinken würden. Wie die Pläne der anderen Bundesländer soll er in die Beratungen der Ministerpräsident:innen mit der Kanzlerin am kommenden Mittwoch einfließen. Beschlossen habe Hessen – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – noch nichts, sagte Bouffier und betonte: „Zentrales Element ist und bleibt das pandemische Geschehen.“

Neben der Sieben-Tage-Inzidenz und der Belastung der Kliniken sollen künftig weitere Faktoren eine stärkere Rolle in der Corona-Politik spielen: der Impfstatus im Land etwa oder die Verfügbarkeit von Schnelltests zur Selbstanwendung. Die Koalition strebt weiter ein bundesweites Vorgehen an. Die Lockerungsschritte sollen hessenweit vollzogen werden, auf eingrenzbare hohe Hotspots soll vor Ort reagiert werden.

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bat die Bevölkerung, durchzuhalten. „Wir sind auf den letzten Kilometern des Marathons, uns darf jetzt nicht die Puste ausgehen.“ Schon im Januar hätte sich Hessen vorstellen könne, dass Kunden nach Terminabsprache in die Geschäfte kommen können. Für dieses Modell „click & meet“, so hofft er, können jetzt auch die anderen Bundesländer gewonnen werden.

Lockerungsstufe 1: Der von Al-Wazir präsentierte Perspektivplan sieht „gegebenenfalls im März“ neben „click & meet“ vor, die Kontaktregeln auf fünf Personen aus zwei Haushalten auszuweiten. Diese Gruppe kann dann auch zusammen Sport treiben. Zoos und andere Freiluft-Einrichtungen dürfen öffnen. Sollte es nicht zu einem sprunghaften Anstieg der Infektionen kommen, könnte dann noch vor den Osterfeiertagen die nächste Lockerung kommen.

Lockerungsstufe 2 bedeutet: Gastronomie oder Kulturveranstalter dürfen im Außenbereich Gäste empfangen, Museen oder Galerien können öffnen genau wie körpernahe Dienstleistungen, etwa Kosmetikstudios.

Die Lockerungsstufe 3 ist „gegebenenfalls für nach den Osterferien“ geplant. Für die Schulen gilt bis Klasse 6 Präsenzunterricht, die Klassen 7 bis 11 beginnen mit dem Wechselunterricht. Die Testpflicht in Pflegeheimen kann ausgesetzt werden, wenn der Impfschutz ausreicht. Zehn Personen im Alter über 14 Jahren dürfen sich treffen. Events mit bis zu 50 Teilnehmenden sind möglich, Mannschaftssport geht wieder los. Der Einzelhandel darf einen Kunden pro zehn Quadratmeter bedienen. Die Lokale dürfen auch innen bewirten. Hotels öffnen, und an den Hochschulen beginnt der Hybridbetrieb.

Die Lockerungsstufe 4 könnte im Mai eine Rückkehr aller Schüler:innen in den Präsenzunterricht bringen, eine Lockerung der Maskenpflicht, Veranstaltungen mit bis zu 150 Gästen und eine Öffnung der Bordelle.

Gegebenenfalls ab Juni könnten dann schrittweise die noch verbliebenen Einschränkungen zurückgenommen werden.

Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner warnte vor überzogenen Erwartungen. „Mögliche Lockerungen können nur stattfinden, wenn dies das Pandemiegeschehen zulässt.“ Ungewöhnlich offen übte er Kritik am Vorpreschen Bouffiers in dessen Rede auf der CDU-Veranstaltung: Viele in der vulnerablen Gruppe seien noch nicht geimpft, verdienten weiter die Solidarität von Politik und Gesellschaft. „Gerade für diese Menschen sind markige Forderungen im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz keine Verheißung, sondern Anlass zur Sorge“, erklärte Wagner und lobte Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die für kluges und vorsichtiges Vorgehen plädiert. „Dafür braucht es seriöses Regierungshandeln und nicht das Schielen nach Wahlterminen.“

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser kommentierte: „Diese Ansammlung von wolkigen Eventualitäten ist kein Plan und bietet auch keine Perspektive für Bürger und Unternehmen.“

Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, drängte auf schnelle konkrete Entscheidungen für den ersten Lockerungsschritt: „Die weitere Öffnung sollte mit Bedacht, aber zügig erfolgen. Nach dem Motto: Gesundheit schützen, Arbeitsplätze und Betriebe aber auch.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare