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Corona in Hessen: Klose warnt vor Leichtsinn

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Von: Steven Micksch

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Eine Krankenschwester versorgt einen schwer an Covid-19 erkrankten Patienten auf der Intensivstation des Klinikums in Fulda. Roessler/dpa
Eine Krankenschwester versorgt einen schwer an Covid-19 erkrankten Patienten auf der Intensivstation des Klinikums in Fulda. Roessler/dpa © dpa

Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose mahnt, dass Lockerungen behutsam kommen müssen. Die Situation in den Kliniken sei weiter angespannt. Klose hofft auf die allgemeine Impfpflicht.

Die Normal- und Intensivstationen in den hessischen Krankenhäusern sind weiterhin stark ausgelastet mit Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Die Auslastung liege bei über 80 Prozent. „Viel mehr an Belegung ist nicht möglich“, sagte Jürgen Graf, Leiter des Planstabs stationäre Versorgung des Ministers sowie Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt. Für das Personal sei die Lage anstrengend. Graf erklärte, es herrsche Status Gelb.

Die Situation sei seit Dezember besonders dadurch verschärft worden, dass viel Personal in den Kliniken ausgefallen sei – entweder durch eigene Infektion oder durch Erkrankungen im Familienbereich. Als Beispiel nannte Graf das Uniklinikum in Frankfurt. Weil es über mehrere Wochen hinweg rund 130 ausgefallene Beschäftigte gab, mussten Bereiche eingeschränkt werden. Diese seien zwar nicht so sichtbar gewesen, die Situation sei aber trotzdem kritisch. Es seien Aufgaben liegen geblieben oder es mussten Zusatzaufgaben übernommen werden – die Belastung stieg dadurch weiter an.

Zeitgleich sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne), dass man sich am Anfang der sich absenkenden Kurve dieser Covid-Welle befinde. Dies sei aber kein Grund für Leichtsinn. „Wir müssen bei jeder Lockerungsstufe behutsam vorgehen“, sagte Klose. Nur so könnten Jo-Jo-Effekte verhindert werden.

Das Personal in den Einrichtungen müsse sich darauf einstellen, noch Monate, wenn nicht gar Jahre die Situation so fortsetzen zu müssen, sagte Graf. Viele Unterschiede zu den vergangenen Jahren werde es nicht geben: Corona lasse sich nicht ausrotten, es werde saisonal auftreten und in Wellen kommen. Darauf könne und müsse man sich aber einstellen.

Klose sieht die beste Antwort in der Impfquote. Diese müsse weiter verbessert werden, weil Geimpfte mildere Verläufe hätten. Eine generelle Impfpflicht hält der Minister für sinnvoll. „So wie alle Vertreter in der Ministerkonferenz übrigens auch.“ Zunächst komme nun die einrichtungsbezogene Impfpflicht, eine allgemeine müsse dann folgen.

Bei der einrichtungsbezogenen Pflicht, die ab 16. März gilt, versprach Klose, dass man zeitliche Fristen in Hessen anpassen werde. Damit sollen zum einen Versorgungsengpässe vermieden werden, aber zum anderen auch der Start des Vakzins von Novavax abgewartet werden. Um mit ihm eine Immunisierung zu erreichen, braucht es zwei Impfungen, zwischen denen mindestens drei Wochen liegen sollten. Auch das soll bei den hessischen Fristen beachtet werden.

Der Minister betonte, dass die Impfquote in den Einrichtungen bereits sehr gut sei. Nach Zahlen von Anfang Februar seien 91 Prozent der Menschen in der vollstationären Pflege doppelt geimpft. 63,5 Prozent seien auch geboostert. Im Vergleich zum Januar seien die Boosterimpfungen um zwölf Prozent gestiegen. In der teilstationären Pflege seien die Zahlen ähnlich, so Klose.

Zwar glaubt Jürgen Graf, dass es mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht grundsätzlich kein Problem geben werde, aber es brauche trotzdem noch eine komplette Richtschnur, an der man sich – auch arbeitsrechtlich – orientieren könne. Hier müsse der Bund noch nachliefern.

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