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Kliniken

Corona in Hessen: Auf Intensivstationen fehlt Personal - Infizierte müssen Dienst absolvieren

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Das Personal in den Intensivstationen in Hessen ist knapp, während die Zahl der Patient:innen steigt. Das setzt den Beschäftigten auch nervlich zu.

  • Die Personaldecke in Kliniken in Hessen ist dünn, doch es kommen mehr stationär zu behandelnde Covid-19-Fälle.
  • Teilweise wird positiv aufs Coronavirus getestetes Personal weiter im Krankenhaus eingesetzt.
  • Planbare Eingriffe abzusagen birgt für Kliniken ein wirtschaftliches Risiko.

Wiesbaden/Frankfurt - In Hessen liegen rund 400 Corona-Patient:innen auf Intensivstationen. „Wir haben nicht mehr die steile Kurve, aber sie steigt“, sagt Steffen Gramminger, Geschäftsführer der Hessischen Krankenhausgesellschaft. Die Lage ändere sich permanent. „Manche Häuser sind derzeit überbelegt, in anderen sind noch Betten frei.“

Die Situation sei angespannt, bestätigt Verdi-Krankenhausexperte Georg Schulze. „Die Personalengpässe sind mit Überbrückungsmaßnahmen gerade noch beherrschbar.“ Gemeint ist damit vor allem das Anlernen von Pflegekräften aus anderen Bereichen, um die erfahrenen Kolleg:innen auf den Intensivstationen zu unterstützen. „Die aktuelle Situation bringt die Herausforderung mit sich, das hochqualifizierte Fachpersonal durch geringer qualifiziertes Fachpersonal zu unterstützen“, räumt Ioanna Deligiannis, geschäftsführende Oberärztin der Intensivstation C1 der Frankfurter Uniklinik, ein. Alle bemühten sich, die Versorgung von mehr Patient:innen mit guter Qualität zu ermöglichen. „Gegenwärtig gelingt uns das.“

In Hessen sind rund 400 Corona-Patient:innen beatmungs- und intensivüberwachungspflichtig. (Symbolfoto)

Corona in Hessen: Fehlende Schnelltests in Altenheimen sind ein Problem

400 Schwerstkranke verzeichnet das hessische Sozialministerium. Das sind 80 mehr als zum Höhepunkt der ersten Welle in Hessen; die durchschnittliche Verweildauer beziffert Gramminger mit drei Wochen. Doch nicht allein die höheren Patientenzahlen – auch auf den Normalstationen – unterscheidet die Situation von der im Frühjahr, als das Virus die Republik lahmlegte. Es sind mehr Jüngere infiziert, Menschen, die mitten im Beruf stehen. Also auch mehr medizinisches Personal. Wir befinden uns in der Saison der Atemwegserkrankungen, es müssen mehr Menschen in Quarantäne. Auch das dünnt die Personaldecke in den Kliniken aus.

Hinzu kommen durch die Dauerbelastung ausgelöste Krankheiten. Mit einer kurzen Atempause im Sommer beherrscht die Corona-Pandemie seit Monaten den Alltag in den Krankenhäusern. Und das wird auch noch mehrere Monate lang der Fall sein. Mit einer Entspannung rechnet Gramminger frühestens im April. Und: „Der höchste Punkt steht uns noch bevor“, warnt der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft. „Wir gehen ja erst in den Winter rein.“

Zumal wegen der gelockerten Kontaktbeschränkungen an Weihnachten für Januar ein stärkerer Anstieg der Infektionszahlen zu erwarten ist. Für Verdi-Experte Schulze sind weniger die zehn Leute unter dem Tannenbaum das Problem, sondern die fehlenden Schnelltests in den Altenheimen. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“

Krankenhäuser in Hessen

Insgesamt 5448 Betten sind in den hessischen Krankenhäusern frei. Das waren 31 weniger, als eine Woche zuvor (Stand Dienstag, Quelle: Hessisches Sozialministerium).

1833 Patient:innen mit einer Covid-19- Erkrankungen wurden behandelt. Davon mussten 400 Personen beamtet werden.

Betten mit Beatmung stehen insgesamt 1943 zur Verfügung. Aktuell gibt es 278 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern. jur

Kliniken in Hessen: Kontaktpersonen und positiv auf Corona getestetes Personal wird eingesetzt

Die nervliche Anspannung ist groß: „Die bereits sehr hohe Arbeitslast auszuhalten, die Erwartung, dass die Patientenzahlen noch weiter steigen werden, die Ungewissheit, was in der nächsten Schicht auf einen wartet – das belastet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Oberärztin Deligiannis. „Die nächsten Wochen werden eine konstant hohe Arbeitsbelastung mit sich bringen, die hoffentlich unsere Kapazitäten nicht übersteigt.“

Die Personalprobleme sind so akut, dass manche Krankenhäuser sich gezwungen sehen, beim zuständigen Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken: In einer Blitzumfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund Hessen gab jede:r Fünfte an, in der ersten oder zweiten Welle an der Arbeitsstelle als Kontaktperson ersten Grades während der Quarantänezeit zur Arbeit in der Klinik herangezogen worden zu sein. Fast 100 der 1000 Befragten gaben an, dass an ihrer Arbeitsstelle positiv getestetes Personal weiter eingesetzt wurde.

„Das ist indiskutabel und widerspricht der hessischen Quarantäneverordnung“, protestiert Landesverbandsvorsitzende Susanne Johna. Die seit Wochen am Anschlag arbeitenden Klinikbeschäftigten benötigten dringend Entlastung durch Personal, das derzeit für verschiebbare Operationen eingesetzt wird. „Da die Neuinfektionszahlen in Hessen kaum fallen, wird die Belastung auf den Intensiv- und Infektionsstationen ebenso wie in den Notaufnahmen hoch bleiben“, sagt die Internistin und Oberärztin im Sankt-Josefs-Hospital in Rüdesheim. „Regional gibt es bereits einen erheblichen Mangel an Intensivbetten, denn in Hessen sind bereits 86 Prozent belegt.“

Steigende Corona-Zahlen in Hessen: Krankenhäuser sagen planbare Eingriffe bislang nicht ab

Auch Verdi-Mann Schulze drängt darauf, wie im Frühjahr zu verfahren und planbare Eingriffe abzusagen. Doch anders als bei der ersten Welle hat der Bund aktuell keine sogenannte Freihaltepauschale zugesagt. Es gibt zwar Finanzhilfen, doch wie die ausfallen, lässt sich noch nicht sagen. Sprich: Die Krankenhäuser gehen ein hohes wirtschaftliches Risiko ein, wenn sie möglichst viele Eingriffe absagen. Auch medizinische Gründe sprächen dagegen, sagt Gramminger: Tumorpatient:innen oder Herzkranke hätten ein Recht darauf, genauso behandelt zu werden wie Covid-Infizierte.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatte sich vergangene Woche ebenfalls gegen eine pauschale Verschiebung verschiebbarer Eingriffe in Hessen ausgesprochen. Er empfahl den Krankenhäusern, sich auf „flexible Wege“ zu verständigen, die über die der ersten Infektionswelle hinausreichen. „Wir alle müssen davon ausgehen, dass die stationäre Versorgung über einen längeren Zeitraum unter besonderen Bedingungen gesichert werden muss.“ (Jutta Rippegather)

In einem Krankenhaus in der Nähe von Gießen gibt es einen Corona-Ausbruch. Bis zum Mittwoch (02.12.2020) haben sich insgesamt 27 Personen mit dem Virus angesteckt, Mitarbeitende wie Patienten. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt mussten drei Stationen der Klinik geschlossen werden. Mehr zu Corona in Hessen im News-Ticker.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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