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Ein negativer Test kann die Quarantäne vorzeitig beenden.
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Ein negativer Test kann die Quarantäne vorzeitig beenden.

Corona-Krise

Corona in Hessen: Im Wirrwarr der Regeln

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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Viele Infizierte und Kontaktpersonen wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Die Frankfurter Rundschau sammelt Erfahrungsberichte.

Am Donnerstag vermeldeten die Behörden wieder einmal Höchstwerte für die Corona-Statistik. Hessenweit hatten sich 7895 Menschen mit dem Virus angesteckt – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die Stadt Frankfurt meldete 1777 Infektionen und eine Inzidenz von knapp 800. Bis die Marke von 1000 Ansteckungen auf 100 000 Einwohner:innen innerhalb von sieben Tagen geknackt wird, dürfte es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. Mit der Zunahme der Infektionen wächst die Verunsicherung. Viele Menschen fragen sich, was sie bei einer Ansteckung tun sollen oder müssen; immer wieder gibt es Berichte von Betroffenen, die sich von offiziellen Stellen allein gelassen fühlen.

Die Fälle: Philipp F. lebt in Frankfurt. Am 3. Januar macht seine Mitbewohnerin einen Corona-Schnelltest – Ergebnis: positiv. Da beide viel Zeit miteinander verbracht haben, gehen sie am kommenden Morgen gemeinsam zum Testzentrum am Südeingang des Hauptbahnhofs, um einen PCR-Test abnehmen zu lassen. Als sie ankommen, ist die Teststelle extrem überlaufen. Philipp muss zunächst lange mit den Mitarbeitenden diskutieren, da er nicht die formalen Voraussetzungen für einen kostenlosen PCR-Test erfüllt: Er bräuchte dafür eine rote Corona-Warn-App, einen positiven Schnelltest oder den positiven PCR-Test seiner Mitbewohnerin – noch liegt aber nichts davon vor. Letztendlich macht die Teststelle eine Ausnahme.

Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen knapp 30 Stunden. Am Dienstagabend um 21 Uhr haben Philipp und seine Mitbewohnerin schließlich die Gewissheit: Sie sind Corona-positiv. Ein Blick in die E-Mail des Testzentrums sorgt jedoch schnell für die nächste Verwirrung. „Bitte informieren Sie das Gesundheitsamt über ihr positives Testergebnis“, heißt es dort. Und gleich darunter: „Das Gesundheitsamt meldet sich nun bei ihnen“.

Mittwochmorgen ruft Philipp selbst beim Gesundheitsamt an. Am anderen Ende der Leitung erklärt ein freundlicher Herr, dass er und seine Mitbewohnerin in Kürze einen Brief vom Gesundheitsamt erhalten werden. Sofern sie doppelt geimpft sind, dürften sie sich zudem nach fünf Tagen aus der Quarantäne freitesten lassen – vorausgesetzt, sie hätten sich nicht mit der Omikron-Variante infiziert.

„Auf meinem PCR-Test war aber keine Variante angegeben“, berichtet Philipp. Er wisse bis heute nicht, ob er Omikron gehabt habe. „Von den Symptomen her hätte es durchaus sein können.“ Nach Kontaktpersonen wird während des Anrufs nicht gefragt – Philipp kümmert sich selbst darum, seine Freund:innen zu informieren. Am Freitag, vier Tage nach dem PCR-Test, trifft schließlich der Brief vom Gesundheitsamt ein. Auch darin ist nirgendwo von Kontaktpersonen die Rede. Philipps Quarantäne endet am 9. Januar, als er und seine Mitbewohnerin sich dazu entscheiden, sich freitesten zu lassen. Obwohl Philipps PCR-Test noch immer positiv ist, muss er sich nicht länger isolieren – sein CT-Wert liegt höher als 30.

Auch Patrick S. hat seine Erfahrungen mit dem Virus und der Bürokratie gemacht. Er ist im November 2021 von Frankfurt nach Maintal gezogen. Im vorigen Jahr war er bereits zweimal positiv auf Covid-19 in Frankfurt getestet worden und beschreibt sein Erlebnis mit dem Gesundheitsamt dort als „reibungslos“. Spätestens einen Tag nach dem positiven PCR-Test hätte sich das Amt bei ihm gemeldet und ihn über den weiteren Ablauf seiner Quarantäne informiert, ihm sogar bei nachfolgenden Schritten wie PCR-Tests geholfen und war mehrmals telefonisch mit ihm in Kontakt getreten. „Ich hatte eine Ansprechperson, wusste genau, wie alles abläuft. Es hat voll gut funktioniert!“, erklärt Patrick S.

Andere Erlebnisse habe er jedoch in dieser Woche in Maintal gemacht. Am Montag fühlte er sich unwohl und ließ bei seinem Hausarzt in Frankfurt einen PCR-Test durchführen. Am Dienstag dann das Ergebnis: Positiv. Nach seinen Erfahrungen aus dem letzten Jahr wartete er zunächst einen Tag auf einen Anruf vom Gesundheitsamt, doch der blieb aus. Deshalb suchte er am Mittwoch selbst nach Informationen im Internet, wo er auf eine Hotline des Gesundheitsamtes in Gelnhausen stieß.

Anschließend habe er sich durch die automatische Hotline mit einer Roboterstimme „durchkämpfen“ müssen: „Erst beim dritten Anruf habe ich einen Mitarbeiter ans Telefon bekommen, der mir helfen konnte“, sagt er. Von diesem habe er dann von einem Kontaktformular erfahren, das er eigenständig auf der Website des Amtes ausfüllen soll. Danach habe er eine lange E-Mail erhalten.

Aufruf: Ihre Erfahrungen sind gefragt

Hatten Sie eine Corona-Infektion? Oder dachten Sie, Sie könnten mit Corona infiziert sein? Dann berichten Sie uns doch bitte von Ihren Erfahrungen in dieser Situation.

Viele Menschen sind überfragt, was sie tun sollen, wenn sie plötzlich einen positiven Schnelltest in Händen halten. Auch wenn man sich so gut es geht auf dem Laufenden gehalten hat, was die Corona-Pandemie betrifft: Sobald eine Infektion vorliegt – oder vorzuliegen scheint – fühlen sich viele allein gelassen. Sammeltelefonnummer 116 117 besetzt, Hausarzt überlastet.

Wie erging es Ihnen in einer solchen Situation? Wir sammeln Erfahrungen unser Leserinnen und Leser und berichten darüber – natürlich anonym. Bitte schreiben Sie per E-Mail an stadtredaktion@fr.de mit der Betreffzeile „Corona-Erfahrungen“. ill

„Die war sehr unübersichtlich.“ In dem Katalog von Informationen zu der Quarantäne findet sich zudem keine Kontaktmöglichkeit zum Amt außer einer Verlinkung zu jenem Formular, nach dessen Absendung er diese automatische E-Mail erhalten hatte. Zudem erfährt er, dass er weitere Informationen innerhalb der nächsten 14 Tage per Post erhalten soll.

Patrick S. fasst er seine bisherigen Erlebnisse so zusammen: „Es war meiner Meinung nach sehr schwer, Infos zu bekommen. Ich habe das Gefühl, ich musste mich um sehr viel selber kümmern. Letztes Jahr war das noch ganz anders.“

Die Regeln: Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Infizierten und Betroffenen. Zudem wird aller Voraussicht nach auch Hessen in der kommenden Woche die Quarantäne-Regeln lockern, um angesichts der hohen Ansteckungszahlen einen Zusammenbruch der kritischen Infrastruktur zu verhindern.

Für Infizierte gilt derzeit: Wer ein positives Testergebnis bekommen hat, muss sich sofort in Quarantäne begeben. Nach einem positiven Schnelltest muss ein PCR-Test gemacht werden. Grundsätzlich dauert die Quarantäne 14 Tage ab Erhalt des Testergebnisses. Wer keine Symptome hat und vollständig geimpft ist, kann sich nach fünf Tagen per PCR-Test freitesten lassen – wie es Philipp F. in unserem Beispiel getan hat. Die neuen Regeln für Infizierte sehen eine Verkürzung der Quarantäne-Dauer auf zehn Tage vor. Nach sieben Tagen kann sie durch einen Test aufgehoben werden – dafür genügt ein Schnelltest.

Bei den Kontaktpersonen ist der Impfstatus noch entscheidender. Wer geboostert ist oder seine zweite Impfung innerhalb der vergangenen drei Monate bekommen hat, muss fortan gar nicht mehr in Quarantäne.

Auch derzeit müssen in Hessen Menschen mit vollständigem Impfschutz nicht in Quarantäne – aber nur wenn sie keinerlei Symptome haben. Bei Ansteckungen mit einer Virusvariante ist eine Quarantäne derzeit noch verpflichtend.

Der Anspruch: Die hessischen Gesundheitsämter wollen Kontakte weiterhin nachverfolgen – so gut es geht. Und mit jedem neuen Rekord an Fallzahlen geht es schlechter. Im Regelfall sollten Infizierte ihre Kontakte deshalb selbst benachrichtigen.

Hingegen wird etwa ein Altenpfleger, der infiziert in einem Heim gearbeitet hat, schon weiter damit rechnen können, dass das Gesundheitsamt sich für seinen Fall näher interessiert.

Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sprach am Donnerstag im FR-Interview von einer „außerordentlich angespannten“ Situation: „Wir versuchen, alle über 60-Jährigen kurz telefonisch zu erreichen und schicken allen Betroffenen eine Isolationsverfügung mit ausführlichen Informationen sowohl für die Person selbst als auch für die Kontaktpersonen.“

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