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Impfung

Corona-Impfstoff: Neues Vakzin vor Phase II Test in Marburg

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Marburger Wissenschaftler:innen werden den Impfstoff gegen das Coronavirus bald an Tausenden Freiwilligen testen.

  • Die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna stehen kurz vor der Zulassung.
  • Weltweit wird aber weiter an der Entwicklung weiterer Vakazine gearbeitet.
  • Auch in Marburg forscht man an einem Impfstoffkandidaten gegen Sars-CoV-2.

Marburg - Bei den sich überschlagenden Meldungen über den beginnenden Aufbau von Impfzentren und die ersten Zulassungsanträge für die Impfstoffe der Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer und Moderna geht fast unter, dass sich noch andere Vakzine gegen das Sars-Coronavirus-2 in der Pipeline befinden. An einem solchen Impfstoff arbeitet auch eine Forschungsgruppe der Philipps-Universität Marburg in einer Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung.

Die eisige Fracht lagert in riesigen Containern bis unter die Decke.

Neuer Corona-Impfstoff wird an mehreren Tausend Freiwilligen getestet

Das Vakzin wird seit Oktober an 30 Frauen und Männern getestet. Wie Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Marburg, in der vergangenen Woche bei einem Gespräch im Frankfurter „House of Pharma & Healthcare“ sagte, sollen klinische Phase-II-Studien mit mehreren Tausend Freiwilligen Ende Dezember beginnen; es ist die vorletzte Studienphase vor einer möglichen Zulassung.

Die Wissenschaftler:innen setzen auf eine andere, komplexere Technologie als Biontech/Pfizer und Moderna mit ihren mRNA-Impfstoffen. Der Ansatz der Forschungsgruppe ist ein Vektorvirus-Vakzin, ein ebenfalls neues und genbasiertes Prinzip. Dabei könne das Team auf die Vorarbeit für einen Impfstoff gegen Mers zurückgreifen, sagt Stephan Becker. Mers ist eine Infektionskrankheit, die 2012 erstmals auf der Arabischen Halbinsel auftrat, von Kamelen auf den Menschen übertragen und ebenfalls von einem Virus aus der Corona-Familie verursacht wird. Becker unterbrach die Arbeit daran 2014, weil er in die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs eingebunden war, und setzte sie 2017 fort. Auch der Mers-Impfstoff ist noch nicht zugelassen, wird aber seit 2018 klinisch geprüft.

Neuer Corona-Impfstoff: Virus wird als Vektor genutzt

Wie dieses Vakzin nutzt der Marburger Impfstoffkandidat gegen Sars-CoV-2 ein ungefährliches Virus als Vektor, um Erbmaterial des eigentlichen Erregers in den Körper zu schleusen. Bei diesem Miniaturshuttleservice handelt es sich um ein Pockenvirus mit Namen „Modifiziertes Vacciniavirus Ankara“ (MVA). Becker und seine Kolleg:innen haben es in mehreren Hundert Schritten in Zellkulturen von Hühnerfibroblasten entschärft, so dass es für Menschen harmlos ist und sich im Körper nicht mehr vermehren kann.

In diesen Vektor wurden Teile des Erbguts von Sars-CoV-2 in Form von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) eingebaut – konkret: jene Genabschnitte, die den „Bauplan“ für das Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus enthalten. Wie bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna auch sollen die Zellen rund um die Einstichstelle der Impfung dann das Virusprotein selbst herstellen. Die Schutzwirkung entsteht dadurch, dass das Immunsystem anschließend Abwehrstoffe gegen das als fremd erkannte Protein bildet und diese bei einem späteren Kontakt mit dem Erreger wieder abrufen kann.

Neuer Corona-Impfstoff: Schutzwirkung auch ohne funktionierendes Immunsystem

Ein Vorteil dieses Impfstoffs besteht laut Stephan Becker unter anderem darin, dass er auch bei jenen Menschen die erwünschte Schutzwirkung hervorrufen könne, deren Immunsystem nicht richtig arbeitet – etwa, weil es durch Medikamente unterdrückt wird. Überhaupt vermutet der Marburger Virologe, dass das Prinzip „One fits all“ beim Schutz vor Covid-19 möglicherweise nicht zutrifft.

Gleichwohl werden zumindest am Anfang aber nur die kurz vor der Zulassung stehenden mRNA-Vakzine in Europa verfügbar sein. „Welcher Impfstoff sich für welche Bevölkerungsgruppe eignet“, sagt Becker, „werden wir erst in der Anwendungsbeobachtung sehen.“

Rubriklistenbild: © christoph boeckheler

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