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Corona-Pandemie: Die mobilen Impfteams kümmern sich zuerst um die Menschen in Altenheimen.
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Corona-Pandemie: Die mobilen Impfteams kümmern sich zuerst um die Menschen in Altenheimen.

Pandemie

Corona-Krise in Hessen: Angespannte Lage in den Pflegeheimen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Impfteams sollen auch in die Heime in Hessen kommen, in denen es bereits Corona-Infektionen gibt, fordern die Betreiber. Freiwillige Helfer sind weiterhin willkommen.

  • Das Coronavirus wütet weiterhin in Hessen.
  • Besonders in Pflegeheimen gibt es viele Todesfälle.
  • Die Einhaltung aller Corona-Regeln ist in den Einrichtungen mitunter schwierig.

Wiesbaden - Im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind seit Beginn der Corona-Pandemie 137 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, 116 von ihnen in Pflegeheimen. Nachdem für den Kreis am vergangenen Samstag (09.01.2021) 22 Todesfälle gemeldet worden waren, erläuterte Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) am Montagabend (11.01.2021), am vorigen Freitag (08.01.2021) seien vom Gesundheitsamt in Darmstadt 22 Todesnachrichten der vergangenen vier Wochen in das entsprechende Meldesystem eingetragen worden. Der Kreis Offenbach meldete am vorigen Mittwoch (06.01.2021) 14 Todesfälle. Alleine in einem Seniorenstift gab es rund 70 nachgewiesene Fälle. Jede zweite der 26 Einrichtungen im Kreis sei von der Pandemie betroffen.

Corona in Hessen: Impfkampagne ist Wettlauf mit der Zeit – Es geht um Leben und Tod

Die am 27. Dezember begonnene Impfkampagne ist ein Wettlauf mit der Zeit. Es geht um nicht weniger als Leben und Tod. Bei der ersten Welle im Frühjahr hielten sich die Infektionszahlen in Alten- und Pflegeheimen in Grenzen – dank des hochumstrittenen Besuchsverbots. Auch jetzt gibt es wieder verordnete Isolation. Doch nur lokal begrenzt bei großen Ausbrüchen, sagt Manfred Mauer, Leiter der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, der Frankfurter Rundschau.

Die Lage sei schwierig. „In den Heimen sind sehr viele Menschen auf engem Raum zusammen.“ Mit der Zahl der Kontakte wachse bekanntlich die Gefahr sich mit dem Coronavirus anzustecken. Auch sei die Maskenpflicht nicht so einfach durchsetzbar. Etwa bei demenziell veränderten Menschen, von denen nicht wenige sehr mobil sind. „Die laufen den ganzen Tag durchs Haus, um Energie abzubauen.“ Ihnen dies zu verbieten, sei nicht möglich. „Die leben da, sie sind dort zu Hause.“

Impfen: Anmeldung und wie es weitergeht

Hessen startet mit den Anmeldung zur Corona-Impfung. Los geht es am Dienstag (12.01.2021) um 8 Uhr. Berechtigt sind zunächst alle über 80-Jährige. Beschäftigte ambulanter Pflegedienste und des Rettungsdiensts stehen ebenfalls oben auf der Prioritätenliste. Nicht jeder wird sofort zum Zug kommen. Aktuell werden nur Termine für drei Wochen vergeben. Wie schnell es weitergeht, hängt von der Menge der Impfstofflieferungen ab.

Telefonisch ist die Anmeldung möglich über die Nummer 0611/ 505 92 888 oder über 116 117, online über impfterminservice.de oder impfterminservice.hessen.de. An Corona erkrankte und genesene Patient:innen müssen nicht geimpft werden. Ohne Termin gibt es keine Impfung.

Wer nicht mehr mobil ist, kann zu Hause geimpft werden. Das kann noch etwas dauern. Die notwendigen Formulare und Informationen wurden jetzt an die 400.000 Berechtigten verschickt.

Die Impfung erfolgt in einem der ersten sechs hessischen Impfzentren, die am 19. Januar eröffnen. Insgesamt gibt es 28 davon in ganz Hessen. Wenn mehr Serum da ist, eröffnen die anderen. Dann werden die Wege kürzer.

Die Terminbestätigung kommt bei der telefonischen Anmeldung per Post. Mit dem Brief gibt es weitere Unterlagen, unter anderem ein Aufklärungsmerkblatt. Bei der Onlineterminvergabe ist eine Terminbestätigung per E-Mail vorgesehen.

Mitzubringen sind Personalausweis oder ein anderer Ausweis, aus dem der Wohnort oder der gewöhnliche Aufenthaltsort hervorgehen. Außerdem sollte man möglichst den Impfpass dabei haben. Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigen ein ärztliches Zeugnis zum Nachweis ihrer Erkrankung. Angehörige, Betreuer oder auch Blindenhunde dürfen die Impfberechtigten ins Impfzentrum begleiten.

Die Impfzentren sind in vier Bereiche aufgeteilt. Bei der Anmeldung wird die Identität geprüft. Es folgt eine Dokumentation der vorgelegten Daten. Dann klärt ein Arzt über Risiken und mögliche Nebenwirkungen auf. Die Impfung folgt in einer Einzelkabine. Danach können sich die Menschen in einem Bereich aufhalten, in dem sie unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal stehen, das bei Komplikationen hilft.

Die Gefahr mindern soll die Verpflichtung der Heime, ihr Personal einmal pro Woche zu testen. Besucher sollen sich ebenfalls einem Corona-Schnelltest unterziehen. Dass die Regeln eingehalten werden, bezweifelten Sprecher:innen von SPD und FDP am Montag (11.01.2021) bei der Sitzung des Sozialausschusses im Landtag.

Corona-Pandemie in Hessen: Landespolitik ist besorgt

Die Landespolitik ist besorgt. Für diese zusätzliche Aufgabe fehle nicht selten das Personal. Laut Sozialminister Kai Klose (Grüne) können seit einigen Wochen alle Einrichtungen die Testutensilien ohne großen Aufwand bestellen, ob sie sie tatsächlich benutzen, entziehe sich seiner Kenntnis. Der Wille dazu sei da, versichert Mauer. „Im Idealfall wird jeder Mitarbeiter und Besucher getestet.“

Zuständigkeit der Impfzentren in Hessen.

Auch die Angebote von außen seien willkommen. „Wir nehmen alles, was hilft, inklusive der Bundeswehr.“ Vor Ort haben sich Initiativen gegründet, um den in Personalnot geratenen Heimen unter die Arme zu greifen. Das Land unterstützt sie dabei, etwa mit einem Onlinekurs, den der Bundesverband privater Anbieter zur Verfügung gestellt hat. Es geht darum, den Pflegekräften den Rücken für ihre eigentlichen Tätigkeiten freizuhalten. Denn auch deren Zahl ist durch die Corona-Pandemie dezimiert. Die Helfer bringen das Essen, begleiten beim Spaziergang, bringen den Müll raus oder übernehmen andere hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Nach Kloses Angaben ist die Bundesanstalt für Arbeit in das Projekt eingebunden.

Corona in den Pflegeheimen: Impfquote von zwei Drittel ist erreichbar

Im Sozialausschuss geht es auch um die angeblich mangelnde Impfbereitschaft der Pflegekräfte. Mauer bezweifelt, dass sie bei lediglich 40 Prozent liegt. Diese Zahl sei mit Sicherheit zu niedrig gegriffen. „Wir müssen auch von Heim zu Heim unterscheiden.“ Vom Land fordert er valide Zahlen, im Bedarfsfall könne dann gezielt nachgesteuert werden. Mit faktenbasierten Informationen, statt obskuren Behauptungen in den sozialen Medien. „Aufklärung hilft. Pflegekräfte sind wie wir alle Teil der Gesellschaft.“ Eine Impfquote von zwei Dritteln sei erreichbar.

Der Auftakt der Impfkampagne am 27. Dezember war für Mauer wie ein dritter Weihnachtstag. „Wir hoffen, dass bis Ostern alle Pflegeheime versorgt sind.“ Schon eine Woche nach der ersten der notwendigen zwei Impfungen gegen das Coronavirus sinke das Ansteckungsrisiko. Deshalb sei es falsch, dass die mobilen Impfteams derzeit einen Bogen um die Heime mit Covid-Fall machten. „In vier Wochen kann sich aus einem einzelnen Infizierten ein großer Ausbruch entwickeln, bei dem Menschen sterben“, sagt Maurer.

Auch das Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt explizit: „In der Regel sollte gerade in Heimen geimpft werden, in denen erst einzelne Fälle aufgetreten sind, um eine weitere Ausdehnung des Ausbruchsgeschehens zu verhindern.“ (Jutta Rippegather)

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