Corona Minister Hessen Angela Dorn
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Die hessischen Minister Klose und Al-Wazir (v. l. n. r.) sind auf das Coronavirus getestet worden. Ministerpräsident Volker Bouffier (stehend) gilt nicht als Kontaktperson.

Landesregierung betroffen

Hessen: Corona-Infektion von Ministerin Dorn - Testergebnisse für weitere Minister

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Zwei Minister sind nach der Corona-Infektion von Angela Dorn, Wissenschaftsministerin in Hessen, getestet worden. Alle drei befinden sich in Quarantäne.

  • In Hessen steigen die Corona-Neuinfektionen.
  • Ministerpräsident Bouffier teilte am Montag (20.10.2020) mit, dass es einen Corona-Fall in Hessens Landesregierung gibt.
  • Für zwei Minister liegt jetzt ein Testergebnis vor.

Update vom Dienstag, 20.10.2020, 12.57 Uhr: Nachdem bei der hessischen Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) eine Corona-Infektion festgestellt wurde, gibt es Testergebnisse für weitere Minister. Sowohl Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, als auch Sozialminister Kai Klose (beide Grüne) sind negativ auf das Coronavirus getestet worden. Beide habe sich dennoch gemäß den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in häusliche Quarantäne begeben. Diese soll bis zum kommenden Montag (26.10.2020) aufrechterhalten werden. Die öffentlichen Termine der beiden Minister sind abgesagt worden, sie arbeiten von zuhause aus.

Al-Wazir und Klose hatten sich testen lassen, nachdem bei Angela Dorn eine Coronavirus-Infektion festgestellt worden war. Alle drei Minister hatten zuvor an einer längeren Besprechung teilgenommen, weshalb Al-Wazir und Klose als Kontaktpersonen ersten Grades galten.

Ministerin Angela Dorn mit Virus infiziert - Bouffier verkündet neue Regeln

Erstmeldung vom Dienstag, 20.10.2020, 11.34 Uhr: Wiesbaden - Das Coronavirus hat das hessische Kabinett erwischt. Wissenschaftsministerin Angela Dorn hat am Montag ein positives Testergebnis erhalten. Sozialminister Kai Klose und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir mussten sich in Selbstquarantäne begeben, weil sie in der vergangenen Woche mit ihr eine Besprechung hatten, teilte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Montag mit. Alle drei Grünen-Minister:innen würden ihre Amtsgeschäfte jetzt von zu Hause erledigen. Das zeige einmal mehr: „Wir haben ein äußerst dynamisches Geschehen. Es kann jeden treffen“, so Bouffier.

Die Nachricht über die Infektion der Kollegin hatte die Politiker:innen in der Sitzung des Corona-Kabinetts erreicht. Bei der anschließenden Vorstellung der Ergebnisse war Klose schon nicht mehr dabei. Wie bereits angekündigt, ist nun auch in Hessen das Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten abgeschafft.

Corona-Pandemie in Hessen: Ministerpräsident Bouffier informiert über neue Regelungen

Weitere Beschlüsse: Mit einem Zehn-Millionen-Programm will das Land den Schulen unter die Arme greifen, damit sie Lüftungsgeräte für Klassenräume kaufen können, in denen das Öffnen von Fenstern nicht möglich ist. Außerdem gab das Kabinett grünes Licht für die Kontaktregeln, auf die sich die Ministerpräsident:innen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geeinigt hatten.

Viele Städte und Landkreise in Hessen haben inzwischen den kritischen Wert von 50 Infektionen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern in sieben Tagen überschritten. „Wir haben eine ernste Situation“, mahnte Bouffier. Die Krankenhäuser verzeichneten einen „deutlichen Anstieg der Behandlungsfälle“. Es gelte dafür zu sorgen, dass es zu keiner Überlastung des Gesundheitssystems komme. Das Problem seien nicht die Bettenkapazitäten. Der kritische Punkt sei das Pflegepersonal. Entwickle sich die Situation so dynamisch weiter, müssten verschiebbare Eingriffe wieder abgesagt werden.

Kontaktregeln

Bei weniger als 35 Infektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche bleibt es bei den alten Regeln: Versammlungen bis 250 Menschen mit Hygienekonzept sind möglich. Privatveranstaltungen bis 50 Personen.

Ab einer Inzidenz von 35 gilt: Veranstaltungen bis 150 Leute sind erlaubt, Privatfeiern mit 25 Personen oder zwei Hausstände, in der Wohnung 15 Menschen als „dringende Empfehlung“.

Ab einer Inzidenz von 50 sind bis zu 100 Leute bei Veranstaltungen erlaubt, bei Privatfeiern maximal zehn. Zwischen 23 und 6 Uhr gilt eine Sperrstunde und Alkoholverbot. Kommunen können schärfere Regeln erlassen.

Mehr als 75: Im öffentlichen Raum dürfen sich maximal fünf Personen oder Angehörige von zwei Hausständen treffen.

Nach der Einreise aus einem Risikogebiet ist eine Frei-Testung mit einem negativen Corona-Test erst ab dem fünften Tag möglich.

Auch strengere Regeln für die Altenheime schloss der Ministerpräsident nicht aus. Wie bei den Kliniken gelte es auch hier, neben den Erkrankten die knappen Ressourcen in der Pflege zu schützen. „Die Lage ist ernst, aber ich glaube, dass wir sie beherrschen können“, sagte der Ministerpräsident. Fast alle Landkreise hätten die Nachverfolgungsteams in ihren Gesundheitsämtern zwar aufgestockt - doch das Infektionsgeschehen habe sie überholt. Deshalb müsste die Bundeswehr helfen.

Corona-Neuinfektionen in Hessen steigen: Ämter am Limit - Schulen sollen offen bleiben

Die Ordnungsämter schafften kaum die Kontrollen: „Wir müssen nachdenken über den Einsatz von Bundespolizei und Landespolizei“. Er habe auch nichts dagegen, das Parlament an den Beratungen der Corona-Strategie zu beteiligen. Doch manche Entscheidungen müssten schnell fallen.

Größte Priorität genießt für die Landesregierung nach dem Gesundheitsschutz das Offenhalten der Schulen und Kindertageseinrichtungen. Die Erfahrungen mit der Strategie nach den Sommerferien seien so gut, dass es keine Änderung gebe, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). „Unsere Schulen sind nicht zu Hotspots geworden, sie sind keine Treiber der Pandemie.“

Die Gesundheitsämter würden weiterhin vor Ort je nach Einzelfall reagieren. Wichtig sei das regelmäßige Lüften der Räume. Davon werde auch keiner krank, sofern er sich etwas überzieht, sagte der Kultusminister: „Kälte ist nicht das Problem, sondern die Keime.“ (Von Jutta Rippegather)

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