Mitunter ist im Terminal 1 B des Flughafens schon wieder einiges los. Nicht jeder scheint die Abstandsregeln zu kennen.
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Mitunter ist im Terminal 1 B des Flughafens schon wieder einiges los. Nicht jeder scheint die Abstandsregeln zu kennen.

Rundgang

Corona: Fliegen vom Flughafen Frankfurt soll sicher sein

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Lufthansa, Fraport und Bundespolizei laden zu einem Rundgang ein, um ihr Hygienekonzept vorzustellen. Ein Mindestabstand im Flugzeug ist nicht vorgesehen.

Die große Menschenansammlung fällt auf, denn so richtig viel los ist im Terminal 1 B noch nicht an diesem Mittwochvormittag. In einer konzertierten Aktion haben Fraport, Lufthansa und die Bundespolizei zu einem Rundgang eingeladen und wollen demonstrieren, wie sicher das Fliegen auch in Zeiten des Coronavirus ist. Die Buchungszahlen gingen langsam wieder nach oben, sagt Fraport-Chef Stefan Schulte und spricht von einem „ganz zarten Pflänzchen“.

Im Hintergrund ist die riesige Anzeigetafel mit den Abflügen zu sehen. Wo sonst nur jene der nächsten zwei Stunden angezeigt werden, reicht der Platz nun für den ganzen Mittwoch inklusive der Rail-&-Fly-Zugverbindungen der Lufthansa. „Zuletzt haben hier sogar die Abflüge von mindestens zwei Tagen draufgepasst“, sagt Schulte.

Ein Polizeibeamter und eine Lufthansamitarbeiterin tragen am Frankfurter Flughafen medizinischen Mundschutz.

Die simulierte Abreise beginnt am Check-in-Schalter. Zu sehen ist weder Personal noch Passagier, und das soll wohl auch so sein, wie Klaus Froese von der Lufthansa betont: „Im Idealfall hat der Passagier zuvor elektronisch eingecheckt und sein Gepäck selbst aufgegeben.“ Vor dem Schalter zeigt ein grüner Klebestreifen an, bis wohin sich die maskierten Passagiere vorwagen dürfen. Die Maskenpflicht im Terminal gilt übrigens nicht nur für die Fluggäste, sondern auch für das Personal aller Dienstleister, betont Michael Dewenter von der Bundespolizei. Nur die Beamten bei der Passkontrolle in ihren Kabinen seien davon befreit.

Infektionsschutz

Eine Maskenpflicht im Terminal gilt für alle Personen ab sechs Jahren.

Um die vorgeschriebenen Abstände von eineinhalb Metern einzuhalten, hat  Fraport großen Aufwand betrieben. Vor Anstellflächen und Gepäckbändern wurden 10 000 grüne Markierungen aufgeklebt. Weitere 15 000 Markierungen befinden sich an den Sitzmöglichkeiten im Terminal.

An den Check-in-Schaltern und den Sicherheitskontrollstellen wurden 1200 Infektionsschutzscheiben für die Mitarbeiter installiert. Zur Desinfektion gibt es an wichtigen Kontaktpunkten im Terminal 80 Desinfektionsmittelspender.

Es folgt die Kontrolle des Handgepäcks, in normalen Zeiten das größte Nadelöhr auf dem Weg zum Flugzeug. Doch in Zeiten, in denen deutsche Touristen auf Mallorca mit Applaus begrüßt werden, geht es auch bei der Luftsicherkeitskontrolle entspannt zu. Das Personal sei angewiesen, notwendige Leibesvisitationen seitlich und nicht frontal vor dem Passagier vorzunehmen, erläutert der Leitende Polizeidirektor Dewenter. Zudem sollen die Passagiere nur einzeln in den entsprechenden Korridor vorrücken.

Die Kontrolle dauere etwas länger als vor der Pandemie üblich, räumt Dewenter ein, könne aber angepasst werden. Das heißt wohl etwas verklausuliert, je größer der Andrang, desto weniger stehen die Hygieneschutzvorkehrungen im Vordergrund. Einmal übrigens während der Kontrolle dürfen die Reisenden ihren Mund-Nasen-Schutz kurz lupfen – dann nämlich, wenn der Luftsicherheitsassistent nachschauen will, ob sich darunter unerlaubte Gegenstände befinden ...

Es folgt das Boarding. Um Warteschlangen möglichst zu vermeiden, setzt die Lufthansa hier künftig auf das System „Wilma“. Soll heißen, zuerst steigen Passagiere mit Fensterplätzen (Window) ein, danach die mit Mittelplätzen ( Middle) und dann die mit Plätzen am Gang ( Aisle). Der Frankfurter Lufthansa-Chef Froese ist zuversichtlich, dass dies klappen wird. Die Passagiere seien sehr diszipliniert und hätten auch ein eigenes Interesse daran, Abstand zu halten. Im Flieger selbst ist es dann aber mit dem Abstand vorbei; die Lufthansa verzichtet darauf, den Platz in der Mitte freizulassen. Zur Begründung führt Froese an, spezielle Filter in der Kabine gewährleisteten ohnehin schon eine „Luftqualität wie im Operationssaal“. Außerdem sei bislang nichts über Ansteckungen während eines Flugs bekannt geworden. Das kann aber auch daran liegen, dass in den vergangenen Monaten kaum jemand geflogen ist. Das Passagieraufkommen liegt derzeit bei etwa zehn Prozent des üblichen, statt 70 000 Flügen sind es diese Woche 6000. Das Terminal 2 ist weiterhin geschlossen, auf der Nordwestbahn parken noch immer Flieger.

Im Idealfall sollen die Passagiere die Schalter zum Self-check-in der Lufthansa nutzen, die hier gerade gereinigt werden.

An Bord selbst müssen zumindest die Passagiere der Economy-Class Einschränkungen bei der Verpflegung in Kauf nehmen. Die gebe es erst ab einer Flugdauer von mehr als zwei Stunden, offene Getränke gar nicht. Nur in der Businessclass sei für Speis und Trank mehr Zeit und Raum, erläutert Froese.

Die kleine Rundreise durch den Flughafen endet bei der Gepäckausgabe. Hier waren die Fraport-Mitarbeiter besonders fleißig, die grünen Klebestreifen zeigen an, mit welchem Abstand die Reisenden auf ihr Gepäck warten müssen. Wo sonst ein Gerangel um die besten Plätze vor dem Gepäckband entsteht, sollen die Leute nun hintereinander auf ihr Gepäck warten. Fraport-Chef Schulte appelliert an die Eigenverantwortlichkeit der Fluggäste und hat bislang am Flughafen eine große Disziplin registriert. Anders etwa als in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wo mancher die Maske schon mal abnehme.

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