dpa_20090101_200420-90-0126
+
Im April waren die meisten Frankfurter noch sehr vorsichtig. Doch die Maskendisziplin lässt nach.

Einzelhandel in Hessen

„Ein neuer Lockdown wäre das Aus für viele Geschäfte“

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Hessens Handelsverbandschef Sven Rohde spricht im FR-Interview über Maskenmuffel im Supermarkt, die mangelnde Kauflaune und die Zukunft der Innenstädte.

Herr Rohde, wie beobachten Sie die Entwicklung der Corona-Infektionen in Hessen und Deutschland?

Dass die Zahlen vielerorts wieder steigen, führt dazu, dass wir als Gesellschaft dafür Sorge tragen müssen, das bisher Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen.

Auch beim Einkaufen scheint aber die Sorglosigkeit zu wachsen. Gefühlt immer mehr Menschen nehmen es im Supermarkt oder im Einkaufszentrum mit der Maskenpflicht und den Abstandsregeln nicht mehr so genau.

Grundsätzlich sehen wir nach wie vor ein hohes Verständnis für die Corona-Regeln bei den Kundinnen und Kunden. Es gibt immer Einzelne, die sich nicht daran halten. Wir haben aber die Erfahrung gemacht: Wenn die Mitarbeiterinnen und die Mitarbeiter die Personen aktiv darauf ansprechen, reagieren die meisten mit Verständnis. Klar ist: Wenn sich Einzelne nicht an die Regeln halten, ist das eine unschöne Situation für alle anderen Kundinnen und Kunden und die Beschäftigten.

Sehr streng setzt der Handel die Regeln nicht überall durch. Viele haben den Eindruck, dass Kunden, die keine Maske tragen, eher selten darauf angesprochen werden.

Es gibt eine klare Vorgabe, dass Kunden nicht ohne Mund- und Nasenbedeckung in den Geschäften sein dürfen. Das wird – gerade jetzt, wo die Zahlen noch weiter steigen – auch so bleiben. Ausnahmen gelten bei der Vorlage eines ärztlichen Attestes.

Zum Teil sind selbst Beschäftigte in den Märkten ohne oder mit falsch getragener Maske zu sehen. Ist das ein gutes Vorbild für die Kunden?

Für die Beschäftigten gilt die Pflicht zum Maskentragen nicht, wenn es eine anderweitige Schutzvorrichtung gibt, zum Beispiel eine Plexiglasscheibe an der Kasse. In Hessen ist auch das Tragen von Faceshields als Alternative zugelassen. Ansonsten müssen sich natürlich auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Regeln und die Hygienepläne halten.

Sven Rohde ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen.

Der stationäre Handel ist jetzt schon in einer massiven Krise. Viele Geschäfte kämpfen mit dem Überleben oder haben sogar schon aufgegeben. Was genau hieße ein neuer Lockdown für den Einzelhandel?

Der stationäre Handel in den Innenstädten war schon vor der Corona-Krise unter Druck. Natürlich hat der Lockdown im Frühjahr dazu geführt, dass die Umsätze in vielen Fällen auf null fielen. Das konnten einige Unternehmen noch auffangen. An einen erneuten flächendeckenden Lockdown glaube ich nicht. Zumal der Handel bei der Ausbreitung des Coronavirus bisher kaum eine Rolle spielte. Sollte es aber dazu kommen, wäre es das Aus für viele Geschäfte.

Die Infektionszahlen steigen aber wieder deutlich. Dass könnte doch erneut zumindest zu lokalen oder regionalen Lockdowns führen.

Der Handel war nie ein sogenannter Hotspot. Wir können nur an das Verantwortungsgefühl und die Disziplin der Menschen appellieren, sich in allen Lebensbereichen vernünftig und umsichtig zu verhalten.

Selbst wenn sich die Lage nicht noch verschlimmern sollte: Wie lange könnte es dauern, bis die Umsätze zum Beispiel im Textilhandel zumindest wieder das Vorkrisenniveau erreichen?

Die Passantenfrequenzen in den Innenstädten steigen wieder, auch die Konsumneigung der Menschen wächst. Sie ist aber bei weitem nicht auf dem Niveau wie vor der Krise. Das hat auch mit der hohen Zahl von Menschen, die in Kurzarbeit sind, und den steigenden Arbeitslosenzahlen zu tun. Und natürlich trägt auch die notwendige Pflicht, Maske zu tragen, nicht zu mehr Kauflaune bei.

Wie groß ist die Gefahr, dass angesichts der anhaltenden Krise noch mehr Kunden online statt im Laden einkaufen und die Innenstädte veröden?

Die Gefahr ist groß. Corona hat die Probleme der Innenstädte massiv verschärft. Bundesweit könnten 50 000 Unternehmen im Handel die Situation nicht überleben. Stark trifft die Krise jetzt schon die Frankfurter Innenstadt. Dem Handel fehlen die Einpendler und die Touristen. Stadt, Immobilienunternehmen, Investoren, Handelsunternehmen, Gastronomie und die Bürgerinnen und Bürger müssen sich jetzt – gerade hier in Frankfurt – zusammensetzen und über die Zukunft der Innenstadt sprechen. Das Zentrum muss ein lebendiger Ort bleiben. Das gilt im Übrigen für alle Innenstädte und Stadtteilzentren.

Interview: Christoph Manus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare