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Eltern und Kinder demonstrieren für die Öffnung von Kitas, Schulen und Spielplätzen.

Corona

Eltern fordern klare Regeln

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Eine Initiative mahnt ein eindeutiges Konzept für den Fall einer zweiten Corona-Welle an. Jede Schule oder Kita lege die Erlasse anders aus.

Hessen steckt mitten in den großen Ferien. Doch manche Eltern blicken bereits mit großer Sorge auf den 14. August, wenn die Schule wieder losgeht. Müssen die Kinder schon bei einer Schnupfennase daheimbleiben? Gibt es feste Regeln für den Fall, dass eine ganze Schule oder auch nur eine Lerngruppe wieder zu Hause unterrichtet werden muss? Fragen wie diese treiben die Elterninitiative um, die jetzt einen offenen Brief an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU), Sozialminister Kai Klose (Grüne) und diverse Frankfurter Dezernenten adressiert hat. Ihre Kernforderung betrifft das Szenario einer zweiten Corona-Welle. Kitas, Schulen und andere Kinderbetreuungseinrichtungen dürften dann nicht wieder „reflexartig“ geschlossen werden.

„Es ist dringend geboten, die hessischen Sommerferien gut zu nutzen, um auf den Herbst und Winter dieser außergewöhnlichen Zeit bestmöglich vorbereitet zu sein“, schreibt die Initiative Familien in der Krise Hessen. Das ist nach Darstellung von Philipp Bender, Sprecher im Kultusministerium, der Fall. Den Schulen lägen seit vergangener Woche umfangreiche Informationen zu Richtlinien und Hygieneplan vor, auch dazu, was bei Einschulungsfeiern zu beachten ist. Ebenfalls neu: Die Anordnung der Maskenpflicht legt das Land in die Hände der Schulleiter.

Auf gutem Weg sieht Bender die Digitalisierung: Das Schulportal könne jetzt jeder nutzen, alle Schulen seien mit der Software für Videokonferenzen ausgestattet. Einige Lehrer bildeten sich in den Ferien fort. Die 50 Millionen Euro von Bund und Land für den Erwerb von Leihgeräten seien an die Schulträger weitergegeben. Sie ermöglichten jenen Kindern, virtuell am Unterricht teilzunehmen, die zu den Risikogruppen gehören. Lehrer können sich regelmäßig testen lassen, für sie hat das Land Nachschub an Schutzausrüstungen besorgt. Auch sei die rechtliche Möglichkeit geschaffen, zu Hause erbrachte Leistungen zu bewerten.

Laufende Nase als Problem

Jede Schule müsse ein Konzept für Fernunterricht erstellen, sagt Bender, „eine Feedback-Kultur“, um die Kinder zu erreichen. Die Elterninitiative drängt auf hohe Qualität „mit festen Unterrichtszeiten“ und „Kommunikation an die Schüler und Eltern“. Auf „virtuelle Klassenzimmer“, in denen sich die Kinder einbringen können, statt „ausgedruckten Arbeitsblättern“. Einmal pro Woche müssten Klassenlehrer mit jedem Schüler telefonieren.

Die Kritik richtet sich nicht alleine gegen die unterschiedlichen Auslegungen der Erlasse und Handreichungen des Kultusministeriums. Konkretisiert werden müssten auch die „Leitplanken für den Regelbetrieb in Kindertagesstätten“. So häuften sich Berichte von Eltern, deren Kindern schon wegen Schnupfens oder laufender Nase die Betreuung verwehrt wurde. „Selbst ein negativer Corona-Test wird von Einrichtungen in solchen Fällen zum Teil nicht akzeptiert.“ In der kalten Jahreszeit mit ihren zahlreichen ungefährlichen Infekten könnte dies zum Problem werden – insbesondere für Alleinerziehende und berufstätige Eltern. Bei vielen seien die Urlaubs- und Krankheitstage nach dem Lockdown aufgebraucht.

Doch die von den Eltern geforderte „einheitliche, für alle gültige Negativliste jener äußerlichen Symptome“ könne das Land nicht erstellen, stellt Ministeriumssprecher Bender klar. Er plädiert an die „Eigenverantwortung“ der Eltern, die ihr krankes Kind zu Hause lassen, wo es sich auskurieren könne. „Bei negativem Attest dürfte dem Kita-Besuch nichts im Wege stehen.“

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