Umgehungsstraßen

Pro und Contra

Ortsumgehungen werden im dicht besiedelten und verkehrsreichen Rhein-Main-Gebiet oft heiß diskutiert. Hier nur einige Beispiele.

Dreieich-Offenthal: Viel Lärm und dicke Luft. Die Anwohner der engen Ortsdurchfahrt der B486 in Offenthal (Kreis Offenbach) waren genervt. Seit 50 Jahren wurde über eine Umgehung debattiert. Nun ist am 12. Dezember erster Spatenstich für die3,3 Kilometer lange Trasse, die südlich um den Ort herumführen soll. Kosten: etwa 16 Millionen Euro. Nach Angaben des hessischen Verkehrsministeriums rollen täglich 20.000 Fahrzeuge durch Offenthal. Künftig sollen es nur noch 1200 sein. Im Lokalparlament ist die Strecke unumstritten. Gleichwohl klagen Bewohner vom Ortsrand gegen den Bau. Das benachbarte Rödermark befürchtet, dass der Verkehr im Ortsteil Urberach zunimmt.

Dreieich-Götzenhain: Die etwa 1,5 Kilometer lange und 2006 freigegebene Umgehung von Götzenhain hat sich nach den Erfahrungen der Stadt bewährt. Früher rollten täglich bis zu 20.000 Wagen durch den engen Ort - auf dem Wege in Richtung A661, Dreieich-Sprendlingen und Neu-Isenburg sowie umgekehrt nach Dietzenbach, Rödermark und in den Ostkreis Offenbach. Die einmütig vom Parlament gewünschte Trasse sollte den Verkehr um 60 Prozent mindern, was wohl in etwa heute der Realität entspricht.

Dreieich/Neu-Isenburg: Die neue Nordspange von Dreieich-Sprendlingen verbindet den A661-Autobahnanschluss sowie die Landesstraße von Götzenhain mit dem Sprendlinger Gewerbegebiet sowie mit dem Süden Neu-Isenburgs. Der letzte Abschnitt wurde im Mai eröffnet.

Dreieich-Buchschlag: Seit Jahrzehnten wird über die etwa 4,5 Kilometer lange Südumgehung von Sprendlingen und Buchschlag gestritten und prozessiert. Die Trasse - die Baukosten schätzt das Planungsbüro Durth Roos Consulting auf fast 47 Millionen Euro - spaltet die Bevölkerung. Eine Bürgerinitiative sowie SPD und Grüne wollen den Bau verhindern - aus ökologischen und Lärmschutzgründen. Die Grünen fürchten, dass der Verkehr von5000 Fahrzeugen täglich am Bahnübergang in Buchschlag auf 25000 Wagen auf der Südumgehung anwachsen würde.

Seligenstadt: Im Osten des Kreises Offenbach - zwischen Seligenstadt und Hainburg - soll ein dritter Abschnitt die Seligenstädter Umgehungsstraße komplettieren, die bislang ineinem südwestlichen Bogen um das mittelalterliche Städtchen herumführt. Besonders in Hainburg gibt es Bedenken gegen eine Verlängerung von drei Kilometern, weil eine weitere Entlastung Seligenstadts zu Lasten der Nachbargemeinde gehen würde.

Bad Vilbel: Die Nordumgehung von Bad Vilbel - im Mai 2008 eröffnet - hat nach den bisherigen Erfahrungen den Verkehr in der City spürbar gedrosselt. Vor allem die vielen Berufspendler aus der Wetterau kommen so flotter auf die autobahnähnlich ausgebaute B3 nach Frankfurt und auch zurück.

Friedrichsdorf: Der erste Abschnitt der Friedrichsdorfer Umgehung westlich des Ortsteils Burgholzhausen wurde 2003 eröffnet, der zweite östlich von Köppern 2006. Die Trasse verläuftpraktisch parallel zur A5 und soll vor allem Köppern entlasten. Die Route über Köppern, Friedrichsdorf und Bad Homburg ist eine viel genutzte Ausweichstrecke zur A5. Der südliche Teil bei Seulberg soll jetzt noch folgen. So soll eine Verbindung von der Ober-Eschbacher Umfahrung (Bad Homburg) im Süden bis zum A5-Anschluss Friedberg im Norden entstehen.

Bad Homburg: Trotz mehrerer Umgehungen (Ober-Eschbach, Ober-Erlenbach und Gonzenheim) staut sich der Verkehr in Bad Homburg häufig in der Rushhour. Der Grund: vor allem die Trasse zum neuen A661-Anschluss bei Frankfurt-Nieder-Eschbach.Bad Homburg will mit Ampelschaltungen verhindern, dass der Verkehr sich wieder Schleichwege durchs Stadtgebiet sucht.

Oberursel: Die mehr als zehn Jahre alte und 5,2 Kilometer lange Nordumfahrung von Oberursel - Feldbergzubringer genannt und einst sehr umstritten - entlastet die City. Die Strecke, eine Verlängerung der A 661, führt den Verkehr zwischen Bad Homburg und dem Taunus im Norden und Frankfurt im Süden um Oberursel herum. Zur Trasse, Bestandteil der B455, zählen Urselbachbrückeund Eichwäldchentunnel.

Kelkheim/Königstein: Das Regierungspräsdium in Darmstadt will die Planungen für den Neubau der B8 als Umgehung von Königstein und Kelkheim stoppen - aus ökologischen Gründen. Das letzte Wort hat die Regionalversammlung, die Mitte Dezember tagt. Seit mehr als 40 Jahren ist diese Trasse ein Thema. Bereits in den 80er Jahren wurde der Neubau per Gerichtsbeschlussverhindert. Ende der 90er Jahre machten beide Städte einen neuenAnlauf. Zur Straße soll auch eine Brücke über das Liederbachtal zählen.

Hofheim: In Hofheim wird indes seit Jahrzehnten über die B519-Umgehungsstraße heftig debattiert, die die City vom Durchgangsverkehr befreien soll und für die inzwischen dasPlanfeststellungsverfahren läuft. Das benachbarte Kriftel fürchtet mehr Verkehr durch die Trasse, die parallel zur A66 verlaufen würde. fin

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