Karben

Conti will schon 2021 entlassen

  • vonHolger Pegelow
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Der Continental-Konzern hat angekündigt, seinen Sparkurs zu verschärfen. Bundesweit baut er 13 000 Stellen ab, gut 1100 im Karbener Werk von Conti-Automotive.

Es gibt einen Zeitplan, nach dem die Produktion bis 2023 eingestellt werden soll“, sagt Christian Egner, der Betriebsbetreuer der IG Metall für das Karbener Werk. „Laut diesem Zeitplan sollen die ersten Leute aus der Produktion bereits im nächsten Jahr gehen.“ Die Gewerkschaft werde das nicht kampflos hinnehmen. Das Karbener Werk sei für die Zeit der Digitalisierung bestens aufgestellt. „Die Arbeitgeberverbände haben es mehrmals zum Innovationssieger gewählt“, betont Egner. „Solch ein Werk darf auf keinen Fall geschlossen werden. Es kann auch Elektronik für andere Bereiche der Wirtschaft produzieren.“

Der Gewerkschafter spielt darauf an, was bereits bei der Betriebsversammlung am Mittwoch angedeutet wurde: dass in Karben etwa die Elektroniksteuerung für Wasch- und andere Maschinen gebaut werden könnte. Bislang produziert das Werk ausschließlich für die Autoindustrie, zum Beispiel Komponenten für Fahrerassistenzsysteme für Mercedes und andere Firmen.

In der Produktion seien 800 Festangestellte sowie 200 Leiharbeiter beschäftigt, informiert Egner. „Wir wollen nun mit der Konzernleitung in Verhandlungen treten.“

Die Nachricht von der Werksschließung hat auch in der Kommunalpolitik zu Reaktionen geführt. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtparlament, Mario Beck, sagt, er sei sehr schockiert. „Es entspricht nicht meinem Verständnis von sozialer Marktwirtschaft, wenn solche Entscheidungen aus der Ferne via Videobotschaft verkündet werden.“ Stattdessen müssten sich die Sozialpartner an einen Tisch setzen und besprechen, wie der Betriebszweig wettbewerbsfähig aufgestellt werden könne. Bei den Fahrerassistenzsystemen handele es sich doch um einen Wachstumsmarkt, sagt Beck. Sollte die Schließung durchgesetzt werden, „stehen wir vor einer Riesenaufgabe: Eine Industriebrache muss verhindert werden“.

FDP-Stadtverordneter Oliver Feyl findet die angekündigte Schließung umso bitterer, „als gerade die Arbeiter und Angestellten mit Lohnverzicht dem Drängen der Geschäftsleitung entgegengekommen sind. Es ist aber auch ein schwerer Schlag für Karben, da Gewerbesteuereinnahmen wegfallen und durch die drohende Arbeitslosigkeit der Arbeitnehmer Verluste bei der Einkommensteuerzuweisung kommen werden“.

Grünen-Fraktionschef Rainer Knak erklärt, „zu Recht empören sich die Betroffenen darüber, dass ihr Lohn- und Gehaltsverzicht der vergangenen Jahre offenbar nicht gewürdigt wird“. Die Kommunalpolitiker müssten sich mit den Betroffenen solidarisieren. Linken-Stadtverordneter Uwe Maag sagt, er stehe an der Seite derjenigen, die ihre Arbeit zu verlieren drohen.

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