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Leihräder von Byke, und Nextbike an der Messe Frankfurt.

Leihräder in Frankfurt

Leihräder in Frankfurt unter der Lupe

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Die FR nimmt die vier Leihrad-Anbieter unter die Lupe, die in der Stadt Frankfurt aktiv sind. Wie finanzieren sie ihr Angebot?

O-Bike ist pleite, Byke startet erst in der Region und zieht kurz darauf wieder ab – die Bewegungen auf dem Markt für Leihräder werfen die Frage auf, wie die Fahrradverleiher ihre Geschäfte betreiben.

„Der Betrieb von öffentlichen Fahrradverleihsystemen ist in der Regel ein margenschwaches Geschäft“, sagt Martina Hertel vom Deutschen Institut für Urbanistik. Er brauche „meist eine Co-Finanzierung entweder durch Werbung, öffentliche Gelder oder andere Finanzierungsquellen.“ Während Call-a-Bike und Nextbike hier eher analog agieren, nehmen Byke und Limebike digitale Synergien in den Blick.

Die Deutsche Bahn und Nextbike setzen auf Sponsoring und Kooperationen. Aufgrund von Sponsoring-Verträgen firmiert Call-a-Bike in Berlin etwa als Lidl-Bike und in Köln und Düsseldorf als Ford-Pass-Bike. Wichtigster Sponsor von Nextbike in Frankfurt ist Visa, und das Leih-Rad heißt VisaNextbike.

Außerdem betreiben die beiden klassischen Anbieter Leihräder im Auftrag von Kommunen und kommunalen Unternehmen – Nextbike in München das MVG-Rad, in Köln das KVB-Rad und in der Region Rhein-Necker in zwölf Kommunen das VRN-Nextbike. Auch in Bonn haben sie kürzlich den Auftrag der Stadtwerke zum Betrieb einer Flotte erhalten.

Call-a-Bike seinerseits zeichnet verantwortlich für Stadt-Rad Hamburg, Stadt-Rad Lüneburg und Regio-Rad Stuttgart. In Frankfurt kooperiert Call-a-Bike mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und in Darmstadt mit der städtischen Beteiligungsholding HEAG sowie mit Merck.

Leihräder in Frankfurt: Nextbike kooperiert mit Hochschule

Nextbike kooperiert zudem deutschlandweit mit 35 Hochschulen, darunter auch mit der Fachhochschule Frankfurt. Hier kaufen die Studierenden über einen Aufschlag zum Semesterbeitrag ein Freifahrtkontingent.

Und Deutsche Bahn Connect bietet den Unternehmen Call-a-Bike als firmeninterne Mobilitätslösung an. „In Frankfurt betreiben wir für die Commerzbank seit September 2014 eine geschlossene Firmenflotte mit 50 Rädern“, teilt die Deutsche Bahn mit. So könnten die Mitarbeiter schnell und umweltfreundlich zu den verschiedenen Standorten in der Stadt radeln.

„Je mehr Geld die Sponsoren zahlen, desto weniger taucht der Name Nextbike auf“, sagt Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus. Teilweise sehe man den Rädern gar nicht mehr an, wer sie betreibe. Die Kategorien für Kooperationen und Sponsoring seien bei Nextbike im Branding-Katalog festgelegt, so Rauchhaus.

Ganz anders sieht es bei den neuen Anbietern aus. Byke beispielsweise wirbt auf seiner Webseite damit, dass Kommunen den Service nicht mitfinanzieren sollen.

Zur Frage, ob das Geschäft gewinnbringend zu betreiben sei, heißt es von Byke: „Es handelt sich zwar um ein geringmargiges Geschäft, das aber – auch dank der technischen Aspekte – viele Hebel hat, die man zur Kostenreduktion ansetzen kann.“ Wie genau diese aussehen, bleibt auch auf Nachfrage unklar.

Leihräder in Frankfurt: Es geht auch um Daten

„Es geht ja hier nicht nur um das Bike-Sharing als solches“, sagt Mobilitätsexperte Alexander Jung von Agora Verkehrswende. Ebenso bedeutend seien die Daten, die dadurch erhoben würden. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Bitkom-Bereichsleiter für Mobilität. Mario Sela. Er sagt: „Daten sind absoluter Treibstoff für Mobilität“ – ohne sie funktionierten Mobilitätsgeschäftsmodelle nicht mehr.

Aufschlussreich ist hierbei, was die Firma Byke Mobility GmbH als ihren Geschäftszweck im Handelsregister angibt: nämlich die „Erhebung, Speicherung und Nutzung der bei diesen Geschäftstätigkeiten anfallenden Daten und die damit verbundene Entwicklung zukunftsorientierter Mobilitäts- und Infrastrukturkonzepte“.

Welche Daten im Detail erhoben und wie sie genutzt werden, bleibt unklar. Byke-Sprecher Thöni sagt aber: „Wir verkaufen keine Daten und haben auch keine Daten, die wir verkaufen könnten.“ Routen zeichne das Unternehmen nicht auf, sondern nur die Start- und Endpunkte einer Ausleihe. „Was dazwischen passiert, wollen wir nicht wissen.“

In seinen Geschäftsbedingungen weist Byke die Nutzer darauf hin, dass Drittanbieter, Werbepartner oder Sponsoren ihre Waren oder Dienstleistungen in der Byke-App präsentieren können. Bisher werde das zwar noch nicht genutzt, sagt Jung. Jedoch sei davon auszugehen, dass die Kooperationspartner der neuen Anbieter auf zielgerichtete Werbung setzen, für die sie die Standortdaten auswerten. Vergleichbares sei schon jetzt in China zu beobachten.

Auch Limebike setzt auf Daten. Der amerikanischen Firmendatenbank Buzzfile zufolge operiert die Firma Neutron Holdings Inc,, die unter dem Namen Limebike Räder zur Kurzzeitmiete anbietet, „primär" in der Entwicklung von Computersoftware und Applikationen im Dienstleistungssektor.

Für sein Geschäftsmodell eingeworben hat Limebike bereits 467 Millionen Dollar – Geldgeber sind unter anderen die Google-Mutterfirma Alphabet und der Fahrdienstleister Uber.

Dass Daten erhoben und genutzt würden, sei an sich ja nicht verwerflich, betont Sela. Wichtig sei aber, dass dies transparent geschehe und die Nutzer darüber nicht im Dunklen gelassen würden.

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