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So voll wie am vergangenen Samstag beim Spiel gegen Schweden dürfte es im Stadion nicht wieder werden.

WM in Rhein-Main

Kein Fußball während der Arbeit

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Im Rhein-Main-Gebiet fiebern deutsche und koreanische Fans dem entscheidenden Vorrundenspiel entgegen. Doch der frühe Anstoß um 16 Uhr bringt Probleme mit sich.

Die Gastwirte auf der Berger Straße sind bereit. Tische und Stühle stehen vor den Kneipen auf dem Trottoir, die Fernsehgeräte sind angeschlossen und fest auf den Fensterbänken installiert, und die Sonnensegel sind gesetzt. Sprich: Zum entscheidenden Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft können die Massen auf Frankfurts Fußball-Party-Meile kommen. Die Frage ist nur: Werden sie überhaupt kommen? Denn die Partie gegen Südkorea ist durchaus eine besondere – nicht nur, weil der deutschen Mannschaft das erste Vorrundenaus in ihrer WM-Geschichte droht, sondern auch wegen der Anstoßzeit. Los geht es um 16 Uhr. An einem Werktag.

Für das Public Viewing im Stadion rechnet Urs Pfeiffer, Sprecher der Commerzbank Arena, jedenfalls mit weniger Zuschauern als bei den ersten beiden Spielen. Zur Partie gegen Mexiko (an einem Sonntag) seien rund 15.000, zum Spiel gegen Schweden sogar 18.000 Fans gekommen. Nun gehen die Organisatoren des gemeinsamen Fußballschauens von etwa 10.000 Besuchern aus. „Die Leute sind froh, wenn sie es rechtzeitig aus dem Büro schaffen und irgendwie um 16 Uhr daheim sind – viele kriegen es dann nicht mehr hin, pünktlich bei uns zu sein“, sagt Pfeiffer.

Und wer es nicht rechtzeitig aus dem Büro schafft? Das Spiel am Arbeitsplatz zu schauen, ist längst nicht für alle Beschäftigten im Rhein-Main-Gebiet eine Option, wie einige Anrufe der FR bei Arbeitgebern in der Region aufzeigten. 

Stadt Frankfurt untersagt Fußballschauen am Arbeitsplatz 

Die Stadt Frankfurt etwa möchte nicht, dass ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz das Spiel sehen. Christian Ley, der Leiter des Personalamts, verwies auf die flexiblen Arbeitszeiten, die in Ämtern und Servicestellen herrschten. Wer das Spiel sehen will, finde in der Regel eine Möglichkeit, pünktlich zum Anpfiff daheim oder in einer Gaststätte zu sitzen. Wobei die Funktionsfähigkeit der städtischen Einrichtungen gewährleistet sein müssten. Nicht alle Mitarbeiter könnten um 15 Uhr gehen, um das Spiel zu schauen. „Wir können nicht wegen eines Fußballspiels das Bürgerbüro früher schließen“, sagt Christian Ley.

Keine Zustände also wie in Panama, wo das öffentliche Leben komplett ruht, wenn die Nationalmannschaft spielt. Wobei man fairerweise sagen muss: Für Panama ist es die erste Teilnahme an einer WM – und sie ist nach drei Spielen wieder vorbei. 

Von Opel in Rüsselsheim heißt es, die Mitarbeiter könnten sich in Absprache mit ihren Vorgesetzten freinehmen. Ein Public Viewing im Pausenraum sei nicht geplant, sagt Unternehmenssprecher Johan Willems. Also auch beim Autobauer: keine WM während der Arbeitszeit. 

Koreanisches Unternehmen erlaubt „Internal Viewing“ 

Anders sieht das beim koreanischen Unternehmen LG Electronics Deutschland in Eschborn aus. Dort darf geschaut werden. In der Kantine gibt es an diesen Mittwochnachmittag ein „Internal Viewing“. „Es wird eine große Leinwand installiert, und an zusätzlichen TV-Geräten herrscht in unserem Haus ja auch kein Mangel“, erzählt Sprecher Klaus Petri und lacht. 300 Mitarbeiter arbeiten am Standort Eschborn, ein Drittel davon seien Koreaner.

Alle Mitarbeiter dürften das „dann doch irgendwie historische Spiel gegen Deutschland“ schauen, müssen sich dann aber für diese Zeit ausstempeln. Die Kantine werde in den Farben der deutschen und koreanischen Nationalmannschaften geschmückt. „Trikots sind auch erlaubt“, so Petri. Es wird auch Snacks und Getränke geben. „Das Bier mit Umdrehungen ist aber nur für die Mitarbeiter, die mit der S-Bahn fahren.“ Streit zwischen den deutschen und koreanischen Mitarbeitern gebe es nicht, egal wer gewinnt: „Es ist Sport. Unsere koreanischen Mitarbeiter sind, obwohl die Siegeschancen sehr gering sind, trotzdem sehr engagiert beim Anfeuern dabei.“

Sollte Deutschland weiterkommen, stehen Fußball-Fans ohne flexible Arbeitszeiten übrigens bald wieder vor einem Problem. Die Mannschaft von Jogi Löw würde ihr Achtelfinale am Montag oder Dienstag spielen – jeweils um 16 Uhr.

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