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Der Commerzbank-Tower in Frankfurt.
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Der Commerzbank-Tower in Frankfurt.

Wirtschaft

Commerzbank-Angestellte bangen um ihre Jobs

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Viele Angestellte wissen nicht, ob sie vom angekündigten Personalabbau der Commerzbank betroffen sind. Der Aufsichtsrat macht wenig Hoffnung.

Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus bei der Commerzbank brodelt es in der Belegschaft. „Die Mitarbeiter sind wütend“, verrät Sascha Übel. Der 44-Jährige arbeitet bei der Commerzbank in der Frankfurter Gallusanlage und ist Mitglied im Gesamtbetriebsrat. „Mein Postfach und meine Mailbox quellen über“, sagt er.

Am Donnerstag hatte die Konzernspitze verkündet, bundesweit rund 10 000 Stellen streichen zu wollen, vor allem im Bereich des Privat- und Firmenkund:innesegments, sprich, in den Filialen. „Für den normalen Schaltermitarbeiter ist schwer greifbar, was das für ihn heißt“, verdeutlicht Übel, warum derzeit so viele Mitarbeiter:innen Auskünfte von ihm haben wollen. Denn die Belegschaft war mit einer E-Mail informiert worden, in der kaum mehr stand als in der eilig veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung für die Öffentlichkeit.

Für Stefan Wittmann, bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Konzernbetreuer für die Commerzbank und Aufsichtsratsmitglied des Konzerns, ist „Schnelligkeit vor Qualität“ gegangen. Natürlich habe die Konzernspitze um den neuen Chef Manfred Knof schnell reagieren müssen, nachdem jemand Interna durchgestochen hatte. „Aber wer Monate in eine neue Strategie investiert, der kann sich auch um die Kommunikation mit den Mitarbeitern kümmern“, findet Wittmann. Überhaupt sei die Commerzbank „das einzige privatwirtschaftliche Unternehmen, das keine Personalkosten einsparen will, sondern Stellen“.

 Im Zuge der Pandemie 190 Filialen für immer geschlossen

Rund vier Jahre ist es her, dass die Commerzbank zuletzt einen Personalabbau im großen Stil vorantrieb. Damals sollten „das Kerngeschäft“ Privat- und Firmenkund:innen gestärkt und zwei Millionen neue Kund:innen gewonnen werden. Das sei auch gelungen, verrät Wittmann, bloß brächten die derzeit etwa zehn Millionen Privatkund:innen kaum Geschäft ein. Mit kostenlosen Girokonten lässt sich kein Geld verdienen. Also soll nun genau dort eingespart werden. Von derzeit noch 790 Filialen sollen bis 2024 bundesweit etwa 340 geschlossen werden. Schon im vergangenen Sommer waren im Zuge der Pandemie 190 Filialen für immer geschlossen worden. Im Rhein-Main-Gebiet etwa verschwanden Banken in Maintal-Dörnigheim, Hattersheim und Friedrichsdorf. In Frankfurt waren die Filialen im Oeder Weg und in der Lyoner Straße in Niederrad betroffen.

Was die nächste Schließungswelle für Frankfurt bedeutet, ist noch nicht klar. Derzeit arbeiten rund 11 000 der insgesamt 47 000 Mitarbeiter:innen in Frankfurt. Wie viele davon in den derzeit noch 17 hiesigen Filialen arbeiten, konnte am Freitag nicht mal die Pressestelle der Commerzbank beantworten. Hessenweit sollen es laut Sascha Übel knapp 1000 sein, die direkt mit Kund:innen betraut sind. Die bange Frage der Angestellten und der Kund:innen lautet: Wird meine Filiale betroffen sein?

Konzernbetreuer Wittmann zufolge gibt es bei solchen Überlegungen drei Eckpunkte: Wie viele filialaffine Kund:innen hat das jeweilige Haus? Wie ist die demografische Entwicklung im Gebiet um die Filiale? Und wie entwickelt sich die Altersstruktur der jeweiligen Kund:innen?

In Frankfurt schon jetzt nicht mehr alle 17 Filialen geöffnet

In Frankfurt sind schon jetzt nicht mehr alle 17 Filialen geöffnet. Die Banken in der Bockenheimer Gräfstraße. in der Eschersheimer Landstraße am Dornbusch, in der Radilostraße in Rödelheim und am Flughafen sind derzeit zu. Pandemiebedingt. „Wir haben kleinere Häuser geschlossen, weil sich in den größeren die Hygienekonzepte leichter umsetzen lassen“, sagt Übel. Ein Hinweis darauf, dass diese Filialen auch auf der generellen Streichliste stehen, sei das nicht. Doch es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dass in Frankfurt eher kleine Filialen in den Stadtteilen betroffen sein werden als große Häuser wie etwa die Filiale in der Kaiserstraße 30, in der weit mehr als 100 Beschäftigte arbeiten.

So ganz wollen die Mitarbeiter:innen noch nicht glauben, dass der Kahlschlag gar so heftig wird. Doch Wittmann macht wenig Hoffnung: „Das wird so kommen.“

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