Nachtleben

Codewort „Luisa“ hilft in Darmstadt bei sexueller Belästigung

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Darmstadt Das bundesweite Hilfsprogramm startet in zahlreichen Diskotheken und Bars der Stadt und richtet sich anders als bisher nicht nur an Frauen.

Wer sich beim Feiern sexuell belästigt, bedrängt oder verfolgt fühlt, kann künftig leichter Hilfe bekommen: Einfach an die Theke gehen und beim Personal fragen: „Ist Luisa hier?“ Das ist die Codefrage, die diskret signalisiert: Ich brauche Hilfe. Die bundesweite Kampagne „Luisa ist da“ hält jetzt auch in Darmstädter Kneipen Einzug.

Pro Familia und Centralstation haben das 2016 vom Frauennotruf Münster (Nordrhein-Westfalen) initiierte Hilfsangebot in die Stadt geholt und am Donnerstag präsentiert. Bislang beteiligen sich außer der Centralstation auch das Weststadtcafé, der Schlosskeller und das 806qm. Dank des Engagements des Musikprojekts „Bedroomdisco“ soll die Kampagne zum Beispiel auch beim Darmstädter Golden Leaves Festival vertreten sein, wie es in einer Mitteilung heißt. „Weitere Diskotheken und Gaststätten sollen sich anschließen“, sagt die Sprechern der Centralstation Carla Schweizer.

Sämtliches vor Ort anwesendes Personal der bislang teilnehmenden Lokale sei bereits dafür geschult worden, in Notsituationen professionell zu handeln. Hilfe könne darin bestehen, ein Taxi zu rufen, die Polizei zu informieren oder der betroffenen Person einen Rückzugsort zu bieten. „Uns war wichtig, dass wir nicht nur das Thekenpersonal, sondern auch die Mitarbeiter an Garderobe und Eintrittskasse schulen“, betont Schweizer. Denn an einer vollen Theke könnte es auch mal länger dauern, bis jemand für Hilfesuchende da sei.

Der Name Luisa wurde von den Erfinderinnen der Kampagne ganz bewusst gewählt: Einerseits bedeutet er „Kämpferin“ andererseits enthält er einen Kopfton, der ihn auch in lauter Umgebung gut verständlich macht.

Ergänzend zur konkreten Hilfe im Einzelfall soll das Projekt „auch ein deutliches Zeichen gegen sexualisierte Gewalt und Belästigung setzen, die weder toleriert noch verharmlost werden darf“, wie Pro Familia und Centralstation mitteilten. Mit Plakaten, Flyern und Stickern wolle man für eine hohe Aufmerksamkeit sorgen und potenzielle Täter abschrecken.

Anders als bei der ursprünglichen Kampagne werden in Darmstadt ausdrücklich auch Männer angesprochen, die Hilfe brauchen. „Wir sehen ganz klar auch Männer als hilfsbedürftig an“, sagt Schweizer. In Hessen gibt es die Kampagne außer in Darmstadt auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Personen, die Belästigungoder sexuelle Gewalt erfahren haben, finden professionelle Beratung beim Frauennotruf der Pro Familia unter Telefon 06151/45566 oder 429420.

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