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Gestern war die Lage auf dem Rodgauer Wertstoffhof halbwegs entspannt, vor den Toren warteten nur wenige Autofahrer auf Anlieferung.

Rodgau/Seligenstadt

Chaos auf den Wertstoffhöfen in Rodgau und Seligenstadt

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Weil es vor den Wertstoffhöfen in Rodgau und Seligenstadt lange Warteschlangen gab, ist das Personal wüst beschimpft worden. Die Städte haben Konsequenzen gezogen.

Der Rodgauer Wertstoffhof ist einer der wenigen, der aktuell im Kreis Offenbach noch geöffnet ist. Da viele Bürger wegen einer auferlegten Corona-Zwangspause daheim entrümpeln, fahren auch viele den Wertstoffhof an. Allen Corona-Regeln zum Trotz kam es dort vor gut einer Woche zu „Grüppchenbildungen“. Deshalb darf seit dem 24. März nur noch ein Fahrzeug aufs Gelände fahren, weitere Anlieferer müssen vor den Toren warten. Damit das nicht zu langen Warteschlangen führt, verlängerten die Stadtwerke vor einer Woche die Öffnungszeiten von Dienstag bis Donnerstag um je eine Stunde. Trotzdem kam es am Samstag aber zu langen Wartezeiten. Auf dem Gelände fielen daraufhin bitterböse Worte, bei der Stadt gingen Beschwerde-E-Mails der Anlieferer ein.

Bis zu 80 Autofahrer hätten sich am Samstag vor den Toren des Wertstoffhofs in Geduld üben müssen, rund 40 von ihnen seien dann nicht mehr drangekommen, beschwerten sich frustrierte Anlieferer in geharnischten E-Mails an die Stadt. Bürger hätten zwei Stunden lang gewartet, hieß es.

Wie die Betriebsleitung in einer E-Mail darlegte, lief am Mittwoch alles noch in geregelten Bahnen, am Donnerstag mussten „zehn bis 15 Anlieferer weggeschickt werden“, am Freitag gaben die Mitarbeiter um 15.15 Uhr Bescheid, dass man sich nicht mehr anstellen solle, obwohl der Wertstoffhof bis 16 Uhr geöffnet hatte. Einige hätten die Warnung des Personals aber in den Wind geschlagen. Am Samstag kam es zu der riesigen Warteschlange.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) hat kein Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter beschimpft wurden und sich „unqualifizierte Kommentare“ anhören mussten, weil sie bei der Entsorgung nicht mithalfen, sondern die Autos nur einwiesen und überwachten, dass die Wertstoffe in die richtigen Container eingeworfen wurden. Wenn das so weitergehe, werde der Wertstoffhof geschlossen, drohte Hoffmann gestern – zumal die Betriebsleitung klar machte, dass 90 Prozent dieser angelieferten Abfälle auch über den Hausmüll, den gelben Sack oder die Papiertonne hätten entsorgt werden können.

Bei der Stadt hat man aus der Erfahrung der vergangenen Woche jedenfalls gelernt. Der Bürgermeister bat das Personal, nun ein Schild mit dem Hinweis „Hier das letzte Kennzeichen“ aufzustellen oder auf der Straße mündlich einen Hinweis zu geben, wer als letzter noch anliefern darf.

Einen Ort weiter, in Seligenstadt, ist die Situation eskaliert. Dort wurde der Wertstoffhof am vergangenen Mittwoch wegen „untragbaren Verhaltens“ einiger Bürgerinnen und Bürger bis zum 19. April geschlossen. Sie hätten den Anweisungen des Personals nicht Folge geleistet, erklärte die Stadtspitze in einer Mitteilung, hätten sich trotz Ermahnungen eigenmächtig auf dem Gelände bewegt. Auch dort wurde die Personenzahl auf dem Hof beschränkt – mit dem Ergebnis, dass sich ebenfalls Warteschlangen bildeten. Das Personal musste sich deshalb wüste Beschimpfungen anhören, wurde sogar bedroht. Zum ihrem Schutz sei das Gelände geschlossen worden.

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