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Pitt von Bebenburg.

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Die Chance der SPD in Hessen

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Nancy Faesers Start als hessische Parteivorsitzende war nicht strahlend. Aber er kann zum Aufbruch werden.

Für Nancy Faeser, die Vorsitzende des Eintracht-Frankfurt-Fanclubs im Hessischen Landtag, war es ein Wochenende zum Jubeln. Denn ihr Lieblingsverein gewann haushoch gegen Bayern München.

Ihr eigenes Wahlergebnis, das sie 180 Kilometer vom Frankfurter Waldstadion entfernt im nordhessischen Baunatal erzielte, war nicht so strahlend. Knapp 89 Prozent Zustimmung bedeuten, dass die pragmatische Innenpolitikerin vor allem bei einigen Parteilinken noch auf Skepsis stößt. Zumal ihr Wunschkandidat bei der Wahl zum Generalsekretär, ebenfalls kein Vertreter der SPD-Linken, nicht einmal zwei Drittel der Delegierten überzeugen konnte.

Die Sozialdemokraten besitzen mit Nancy Faeser trotzdem die Chance zu einem Neustart. Denn sie besitzt eine Fähigkeit, die in der SPD rar geworden ist: Sie vermag auch Menschen zu erreichen, die der SPD sonst eher skeptisch begegnen – mit ihrer zugewandten und fröhlichen Art, aber auch mit ihrer politischen Orientierung an den Alltagssorgen der Menschen. Faesers erste programmatische Akzente zielen in diese Richtung. Sie wenden sich an Geringverdiener und an Menschen, die auf guten und günstigen öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.

Angesichts der Dauerkrise der Bundes-SPD und einer geschrumpften Landtagsfraktion in Wiesbaden ist die kommunale Basis das größte Pfund der Sozialdemokraten. Die Kommunalwahlen 2021 werden damit zum ersten Test, ob Faeser der hessischen SPD neuen Schwung verleihen kann.

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