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Fans von Eintracht Frankfurt stehen immer wieder im Kreuzfeuer der Meinungen.

Eintracht Frankfurt

CDU: Ultras sind keine „wahren Fans“

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    Georg Leppert
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Der Polizeieinsatz vor dem Europacupspiel der Eintracht gegen Donezk hat Folgen, es laufen Ermittlungen gegen einen Polizisten.

Der Polizeieinsatz vor dem Europacupspiel der Eintracht gegen Schachtjor Donezk ist mittlerweile ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Wie eine Sprecherin der Frankfurter Anklagebehörde der FR bestätigte, gebe es mehrere Verfahren. Derzeit sichte die Behörde Videos, auf denen zu sehen ist, wie ein Polizist einen Eintracht-Fan über eine Werbebande stößt.

Der Anhänger zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Nach Angaben seiner Anwälte habe er eine Lendenwirbelfraktur erlitten, berichtete Innenminister Peter Beuth (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt.

Beamter identifiziert

Die Polizei war eingeschritten, um ein Banner sicherzustellen, das sich gegen den Innenminister richtete. Mehrere Fans wollten das verhindern. Der Beamte, der den Fan über die Bande gestoßen haben soll, ist nach Angaben von Landespolizeipräsident Udo Münch identifiziert.

Beuth sagte, er habe keine Anzeige gegen die Verfasser des Transparents erstattet. Beleidigung sei aber auch ohne eine solche Anzeige ein Straftatbestand. Die Polizei habe das Banner 20 Minuten nach Öffnung des Stadions sichergestellt, um zu verhindern, dass es vor einem größeren Publikum ausgerollt werde.

Der Minister verteidigte erneut, dass die Polizei das Stadion nach Pyrotechnik durchsucht hatte. Ziel müsse ein „sicheres, friedvolles Stadionerlebnis für alle“ sein. Der Minister bedauerte, dass Fans der Ultraszene sich nicht am Dialog über die Sicherheit beteiligten.

Lesen Sie dazu: Fans fordern Beuths Rücktritt

Sein Parteifreund Alexander Bauer ging noch weiter. Er sagte, nicht die Ultras seien „die wahren Fans“, sondern normale Dauerkartenbesitzer, Rentner und junge Leute. Wenn Bengalos angezündet würden, seien diese Fans die Leidtragenden. Das zeige sich etwa daran, dass Eintracht-Fans wegen Vorfällen in früheren Spielen im Europacup-Viertelfinale vom Auswärtsspiel in Lissabon ausgeschlossen werden könnten.

Die Grünen-Innenpolitikerin Eva Goldbach nannte die Kritik am Vorgehen der Polizei und an der Reaktion von Innenminister Beuth einen „vermeintlichen Skandal“, der wie ein Soufflé in sich zusammengefallen sei.

Politiker von SPD und Linken bekräftigten ihre Zweifel, dass der Polizeieinsatz verhältnismäßig gewesen sei. Auch die Führung von Eintracht Frankfurt hält ihn für unverhältnismäßig.

Alle Fraktionen außer der Linken sehen das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion mit Sorge. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler äußerte die Auffassung, gefährlich sei nicht das Abbrennen, sondern erst das Werfen der Gegenstände. Sie fühle sich angesichts von Raketen und Böllern an Silvester „mehr gefährdet“ als an einem Spieltag im Stadion. Daher wundere sie sich darüber, dass hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt würden, sagte Wissler.

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