Die Alte Oper erstrahlt im Glanz des Lichts.
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Die Alte Oper erstrahlt im Glanz des Lichts.

Hessischer Filmpreis 2013

Ein zarter Hauch von Hollywood

  • Regine Seipel
    vonRegine Seipel
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Auch die hessische Filmindustrie versteht es, ein bisschen zu feiern. Immerhin sind beim Hessischen Filmpreis sämtliche Auszeichnungen zusammengenommen mit 185.000 Euro dotiert. Stars und Sternchen schauen da natürlich gerne in der Frankfurter Alten Oper vorbei.

Für berührende Momente sorgte „der Mann von Bella Block“. Rudolf Kowalski, der zehn Jahre lang in 20 Folgen als Simon Abendroth der beliebtesten deutschen Fernsehkommissarin zur Seite stand, hielt die schönste  Laudatio des Abends – auf  die charmanteste Frau, die auch an dem Glamour-Abend der Hessischen Filmindustrie in der Alten Oper so authentisch und liebenswürdig wirkte wie in den Filmen, mit denen sie sich ein Millionenpublikum eroberte:  Hannelore Hoger, die den Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten erhielt, wirkte sichtlich ergriffen, als sie sich mit dem ihr eigenen trockenen Humor für die herzlichen Lorbeeren bedankte.

„Preise sind noch schöner, wenn man jung ist, da braucht man sie“, sagte die Schauspielerin, die erst mit 50 Jahren ihre erste Auszeichnung erhalten hatte. Und wie es ihre Art ist, fasste sie sich kurz. „So viel Lob macht mich immer verlegen.“ Man sah es, glaubte es und fand es symphatisch.

Dabei hatte sich der Stargast zwei Stunden vorher fast unbemerkt an Passanten, Fotografen, Journalisten und Kameraleuten vorbeibewegt. Die waren gerade mit dem neuen Schauspielerduo von „Ein Fall für zwei“ beschäftigt, das sich auf der Treppe vor dem Eingang der Oper in Szene rückte.

Im kniekurzen schlichten braunen Kleid mit langer Strickjacke war Hoger fast schon vorbei, bis einer „die Hannelore“ rief. Sie kam zurück und setzte sich mit einer strahlenden Geste kurz in Pose; schön sah sie aus, und war gleich wieder verschwunden.

Bad im Blitzlichtgewitter

Zum zarten Hauch von Hollywood, den der mit 185.000 Euro dotierte Hessische Film- und Kinopreis ins Land bringt, trägt nicht unwesentlich der Aufmarsch von Stars und Sternchen vor der Preisverleihung bei, wenn auch wie üblich mehr Sternchen unterwegs waren - was gut daran zu erkennen war, dass sie sich mehr Zeit für das Bad in den Blitzlichtern nahmen.

Und neben Namen, die fast jeder kennt, von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über Messechef Juergen Boos bis zu Schauspielern wie Christoph Maria Herbst, Herbert Knaup oder Detlev Buck, standen zu Anfang erst mal die Frauen und ihre Garderobe im Mittelpunkt.

#opengallery

Ann-Kathrin Kramer, Laudatorin für den  besten Spielfilm, trug ein himmelblaues langes Abendkleid, das passend zur Farbe ihrer Augen leuchtete und schüttelte die lange blonde Lockenmähne, als sie sich geduldig und mit Genuss ausgiebig in Szene setzte, Autogramme gab, und den Wünschen der Fotografen entsprechend kokett über die Schulter schaute.  

Alina Levshin, die bisher oft die schöne Russin gab, und für ihre Rolle in dem Psycho-Thriller  „Alaska Johansson“ als beste Schauspielerin nominiert wurde, war in eine traumhafte Robe mit einem langen, weiten cremefarbenen Rock gehüllt, die an Rücken und Schultern viel Platz für nackte Haut ließ.

Pelz, Seide, Taft und Spitze herrschten vor, dazwischen auch schlichte Röcke mit Top und Hosenanzüge, die Herren kamen im Smoking mit Fliege, dunklen Anzügen mit Krawatte,  Jeans und Jackett, aber auch mal in Brokatstoff  mit Zylinder, um die schilldernde Figur zu geben.

Buntes Programm

So bunt wie das geladene Publikum war auch das Programm, die Lobesreden wurden aufgelockert mit kurzen Trailern zu den ausgezeichneten Filmen und Schauspielern, die von Qualität zeugen und besonders in der Kategorie der Dokumentarfilme Lust auf mehr machen. Dazu kam noch eine lockere Moderation von Jörg Thadeusz; im Gespräch mit dem algerischen Schriftsteller Yasmina Khadra, der im Exil in Frankreich lebt, musste er allerdings seine mangelnden Französischkenntnissen offenbaren.

#textline

Für solch internationales Flair im Hessenland sorgt der Preis der Buchmesse für die beste internationale Literaturverfilmung, der anlässlich des Hessischen Film- und Kinopreises vergeben wird. Er ging dieses Jahr an den libanesischen Filmemacher Ziad Doueiri und seine Frau Joëlle Touma, die Khadras Roman „Die Attentäterin“ verfilmt haben. 

Mit der Filmpreisverleihung, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier, wolle Hessen dem „Kulturweltereignis Buchmesse nacheifern“. Deswegen würden die Mittel auch nicht gekürzt. Bouffier versprach, dass „Hessen bei der Filmförderung nicht nachlassen“ werde.

Grund genug für gute Stimmung also, die der Münchner Tatortkommissar Miroslaw Nemec diesmal in seiner Rolle als Sänger anheizte, besonders mit einer Grönemeyer-Persiflage, die im stark beklatschten Schrei nach „Alkohol“ mündete.

Der floss dann bei der anschließenden Party reichlich,  bei der sich unter vielen anderen auch Hoger und Bouffier bis weit nach Mitternacht amüsierten.

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