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Die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt in Wiesbaden laufen.

Wiesbaden

Weniger Musik wegen hoher Gebühren

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Das Programm auf dem Sternschnuppenmarkt wird in diesem Jahr gekürzt. Der Grund: 2015 musste die Stadt als Veranstalter 50.000 Euro an Gema-Gebühren zahlen.

Insgesamt 50 000 Euro sollte die Landeshauptstadt Wiesbaden im vergangenen Jahr als Veranstalter des Sternschnuppenmarkts allein an Gema-Gebühren zahlen. Nach langem Hin und Her musste die Stadt nur die Hälfte der Gebühren löhnen. Da es oft geregnet hatte, es einen Polizeieinsatz gab und weniger Menschen den Markt besuchten, griff eine Sonderregelung, um die der Geschäftsführer der Wiesbadener City Marketing, Martin Michel, mit der Musik-Verwertungsgesellschaft lange gestritten hatte, wie er am Rande einer Pressekonferenz gestern erzählte. In diesem Jahr soll das Musikprogramm während des Weihnachtsmarkts vom 22. November bis 23. Dezember deutlich eingeschränkt werden.

Gema-Gebühren werden fällig, wenn urheberrechtlich geschützte Musik gespielt, verbreitet und vervielfältigt wird. Auf der Seite der Verwertungsgesellschaft gibt es mehrere Tabellen über das komplizierte Vergütungssystem, das sämtliche Veranstaltungen betrifft – vom Großkonzert über den Kirmesabend bis hin zur Schul- und Kindergartenaufführung oder zu Fastnachtssitzungen. Die Höhe der Gebühren hängt unter anderem von der Größe der Veranstaltung, der bespielten Fläche und vom Eintrittspreis ab.

Wenn ein Urheber länger als 70 Jahre tot ist, müssen keine Gebühren gezahlt werden, darüberhinaus gibt es Gema-freie Musik. Auf die soll zur Platzbeschallung während des Sternschnuppenmarkts verstärkt zurückgegriffen werden, sagt Michel. Darüber hinaus sollen Chöre und Gruppen vor allem am Wochenende auftreten. „Unter der Woche gibt es dann eher Familienprogramm.“

Die Höhe der Gebühren ist seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs 2011 von 3000 auf 50 000 Euro angestiegen. Für den Tagesauftritt eines Schulchores habe man im vergangenen Jahr beispielsweise 600 Euro Gage gezahlt – und 1200 Euro Gema-Gebühren. „Da stimmt ja wohl etwas nicht“, sagte Wiesbadens Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU). Doch die Gema zeige sich uneinsichtig.

Mehr als sauer auf die Gema, ja „tief enttäuscht“ ist auch Kurt Stroscher von der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH. Es sei schlicht nicht möglich, einen Gesprächstermin mit der Verwertungsgesellschaft zu bekommen, sagte der Weihnachtsmarkt-Organisator. Seit sich bei dieser die Zuständigkeiten geändert haben, alles zentralisiert wurde, erreiche er dort niemanden mehr, weder per Mail noch telefonisch, berichtete Stroscher der FR auf Anfrage.

Dabei sei es vor Großveranstaltungen wie dem Museumsuferfest oder eben dem Weihnachtsmarkt wichtig, vorab Absprachen zu treffen. Auswirkungen auf den kommenden Weihnachtsmarkt hätten die Probleme mit der Gema nicht, sagte Stroscher. Er befürchte aber, dass die Kosten für die Gebühren stark stiegen. Irgendwann komme man in einen finanziellen Bereich, wo man besser keine Feste mit Musik mehr ausrichte, sagte er verärgert.

Auch aus Hanau wird Kritik an der Gema und ihrer Erreichbarkeit geübt. Es sei schwer, dort jemanden für Absprachen zu erwischen. Den Chören habe man bereits gesagt, dass sie vor allem auf Gema-freie Lieder zurückgreifen sollen, sagte Stadtsprecher Joachim Haas-Feldmann.

„Das sind Straßenräuber“

Die Pressestelle der Verwertungsgesellschaft weiß um die Kritik. Gerade vor Weihnachten werden die Stimmen der Veranstalter laut, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. „Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass bei Weihnachtsmärkten wahnsinnig viel Geld umgesetzt wird.“ Musik habe nun einmal einen Wert.

Das bestreiten weder die Verantwortlichen in Wiesbaden, Frankfurt und Hanau noch Klaus Kohlweyer, Geschäftsführer der Pro Of, die den Offenbacher Weihnachtsmarkt verantwortet. Kohlweyer bezeichnet die Gema unverhohlen als „Straßenräuber“. Etwa 4500 Euro Gema-Gebühren habe er für den jüngsten Markt gezahlt. Auch er habe in den vergangenen Jahren bereits das Musikprogramm gekürzt, aus Kostengründen. „Für einen Kindergartenauftritt von etwa einer Dreiviertelstunde muss ich 286 Euro an die Gema bezahlen. Das ist doch ein Wahnsinn.“ Er habe nichts dagegen, wenn für große Bands Gebühren gezahlt werden müssen. „Aber ich finde, dass Lieder, die beispielsweise mit dem Nikolaus gesungen werden, gratis sein sollten.“

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