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Alexander Lorz (CDU), hessischer Kultusminister, steht in der Heinrich-von-Brentano-Schule.

Bildung

Weniger Bürokratie für Schulen

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Zwei Pilotprojekte sollen zeigen, wie Schulen bei Verwaltungsaufgaben unterstützt und entlastet werden können.

Die Aufgaben für Schulen sind in den vergangenen Jahren gewachsen. Neben dem klassischen Bildungs- und Erziehungsauftrag kommen vermehrt auch administrative Tätigkeiten hinzu. Zwei Modellprojekte in Fulda und dem Main-Kinzig-Kreis sollen vom kommenden Jahr an zeigen, wie die Schulen dabei entlastet werden könnten. Sind die Projekte erfolgreich, könnten sie auf das ganze Land ausgeweitet werden.

Es gehe vor allem um zusätzliche personelle Unterstützung, erklärte Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) bei der Vorstellung der beiden Modellprojekte am Montag. „Damit können frei werdende Kapazitäten für pädagogische Aufgaben genutzt werden oder dem Unterricht zugutekommen.“

Bei dem Testlauf in der Stadt und dem Landkreis Fulda steht die Aufstockung der Arbeitszeiten von Schulsekretärinnen und -sekretären im Mittelpunkt. Insgesamt sechs Schulen verschiedener Formen nehmen dort an dem Projekt teil. Indem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sekretariaten ihre Arbeitszeit aufstocken, sollen insbesondere die Schulleitungen bei Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

So sollen sie künftig zum Beispiel die Rechnungsbearbeitung im Rahmen des Schulbudgets übernehmen und bei der Pflege der Lehrer- und Schülerdatenbank unterstützen. Die zusätzlichen Stunden würden durch Mittel des Landes finanziert werden, kündigte Lorz an.

Entlastung für Mentoren

Im Gegensatz dazu sollen im Main-Kinzig-Kreis zusätzliche Stellen für Verwaltungsassistentinnen und -assistenten entstehen. An zwei Standorten sollen drei Vollzeitkräfte die administrativen Aufgaben der umliegenden Schulen übernehmen. Das sind ähnliche Tätigkeiten wie die bei dem Projekt in Fulda, aber zum Beispiel auch die Koordination der Hausmeister. Bei der Finanzierung will das Land den Anteil der Kosten übernehmen, die für die zu erfüllenden Aufgaben von Landesseite anfallen.

Zur unmittelbaren Entlastung im Unterricht habe das Land in den vergangenen vier Jahren mehr als 4350 neue Stellen geschaffen, sagte Lorz. „Viele Rückmeldungen aus den Schulen haben uns darüber hinaus signalisiert, dass eine zusätzliche personelle Unterstützung bei Verwaltungstätigkeiten zu einer spürbaren Entlastung führen würde“, erklärte der Minister den Hintergrund der Modellprojekte.

Für das Projekt in Fulda veranschlagt das Kultusministerium für das Land Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro, für den Testlauf im Main-Kinzig-Kreis rund 100 000 Euro. Beide Projekte liefen ab dem 1. Januar 2019, sagte Kultusminister Lorz. Eine Frist sei jedoch nicht gesetzt. Im Laufe des kommenden Jahres wolle man sich eine Meinung darüber bilden, ob und wie die Projekte auf ganz Hessen ausgeweitet werden könnten.

Bei den Oppositionsparteien im Hessischen Landtag kommt das Vorhaben nicht gut an. „Statt Schulen mit einem Schnellschuss mit zwei Pilotprojekten weiter zu vertrösten, brauchen wir Entlastungen in der Fläche“, sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen, und sprach von einem „Wahlkampfmanöver aus Angst vor dem drohenden Regierungsverlust“.

Gabi Faulhaber, Degens Kollegin aufseiten der Linksfraktion im Landtag, urteilte: „Das Ganze ist ein billiger Versuch, kurz vor dem Wahltermin vermeintlich für Entlastung zu sorgen.“ Tatsächlich, so Faulhaber weiter, sei es noch nicht mal der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Daneben will das Land auch die Mentorinnen und Mentoren an den Schulen entlasten. Sie betreuen Referendarinnen und Referendare, also die angehenden Lehrkräfte, an den Schulen, an denen diese ausgebildet werden. Pro Mentorin beziehungsweise Mentor würde den Schulen eine Unterrichtsstunde zur Entlastung zugewiesen werden, so Lorz. Die Regelung soll vom 1. Februar des kommenden Jahres an gelten.

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