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Unterricht an einer Grundschule.

Grundschullehrer

GEW vermisst hochwertige Ausbildung

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Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft will angehende Lehrer, die für den Unterricht an Grundschulen noch weitergebildet werden, "nicht von Anfang an auf die Kinder loslassen".

Die Initiative von Kultusminister Alexander Lorz (CDU), Lehrer aus anderen Schulformen für die Grundschulen weiterzubilden, trifft bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf scharfe Kritik. Das Projekt sei „in jeder Hinsicht ungenügend“, sagte der hessische GEW-Vorsitzende Jochen Nagel der FR. Lehrer, die nicht für Grundschulen ausgebildet seien, würden „von Anfang an auf diese Kinder losgelassen“.

Das Kultusministerium will 200 angehende Lehrerinnen und Lehrer für Gymnasien, Real- und Hauptschulen, die derzeit keinen Job haben, für den Unterricht an Grundschulen weiterbilden. Ein ähnliches Programm gibt es zur Ausbildung von Förderschullehrern. Das hatte Lorz in der vorigen Woche bekanntgegeben.

Auf Widerspruch der Gewerkschaften stößt dabei, dass die Teilnehmer von Anfang in erheblichem Umfang an ihren neuen Schulen unterrichten sollen. Nur der kleinere Teil ihrer Zeit steht für die Weiterbildung zur Verfügung. Angehende Grundschullehrer sollen im ersten Jahr 20,5 Stunden pro Woche unterrichten, ab dem zweiten  23,5 Stunden. An Förderschulen sind 17,5 Wochenstunden vorgesehen. „Sie müssen von Anfang an den Kindern gerecht werden, was sie mit ihrer Ausbildung gar nicht können“, klagt Gewerkschafter Nagel. Auch wenn unbestreitbar Lehrermangel an Grund- und Förderschulen herrsche, müsse „eine qualitativ hochwertige Ausbildung“ im Vordergrund stehen.

Kein Veto des Personalrats

Ursprünglich hatte Lorz noch höhere Unterrichtsverpflichtungen geplant, diese aber nach einem Gespräch mit der GEW verringert. Nach Angaben des Ministeriums hatte der Hauptpersonalrat einschließlich der GEW daraufhin zugestimmt. Eine GEW-Mitteilung, wonach die Maßnahmen nicht mitgetragen würden, sei noch auf dem alten Stand verfasst worden.
Nagel widerspricht dieser Darstellung. Eine Zustimmung habe es nicht gegeben. Allerdings habe der Hauptpersonalrat bewusst die Frist verstreichen lassen, in der ein ablehnendes Votum möglich gewesen wäre. Man stecke in einem Dilemma, „denn wir sehen die Mangelsituation an den Schulen“, sagte der GEW-Chef zur Begründung.

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