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Schon während der Weiterbildung sollen die Lehrer unterrichten.

Bildung

Umgeschult für die Grundschule

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Hessen bildet 280 Lehrkräfte weiter, die an Gymnasien, Haupt- oder Realschulen wollten.

Hessen sucht händeringend Lehrerinnen und Lehrer für seine Grund- und Förderschulen. Dort sollen nun Lehrkräfte einspringen, die für andere Schulformen ausgebildet worden sind, nämlich für Gymnasien, Haupt- oder Realschulen. Bis zu 200 von ihnen werden für die Grundschulen weitergebildet, weitere 80 für Förderschulen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte der Frankfurter Rundschau am Mittwoch: „Unser Ziel ist es, zu Schuljahresbeginn alle zur Verfügung stehenden Lehrerstellen auch mit Personen zu besetzen.“ Dem diene bereits das Werben um eine Weiterbeschäftigung älterer Lehrkräfte. Nun komme die Weiterbildung hinzu. Die Qualifizierung soll bereits am 1. Juni beginnen.

Das Angebot könnte nach Einschätzung des Ministeriums für ausgebildete Lehrkräfte interessant sein, die bisher auf den Warteliste stehen, aber keine Stelle erhalten. Das betrifft etwa Bewerber mit beliebten Fächern wie Deutsch, Englisch, Biologie oder Geschichte.

„Die Weiterbildung ist für alle Lehrerinnen und Lehrer, die bislang noch keine Chance auf eine Festanstellung hatten, ein attraktives Angebot“, sagte Lorz. Zugleich könnten Teilnehmer helfen, „unsere durchaus ehrgeizigen, aber pädagogisch wichtigen Ziele in der Unterrichtsversorgung auch im kommenden Schuljahr zu gewährleisten“.

Gleich in die Klassen

Das Besondere an dem Konzept: Während der Weiterbildung unterrichten die Lehrkräfte nach einer kurzen Einführungsphase bereits eigenverantwortlich an den Grund- oder Förderschulen. Angehende Grundschullehrer sollen im ersten Jahr statt der regulären 28,5 an 20,5 Wochenstunden unterrichten, ab dem zweiten Jahr dann an 23,5 Stunden pro Woche.

Zugleich werden sie qualifiziert und lernen die Didaktik der Grundschule. Auch im Unterrichten ihrer drei Fächer – Deutsch, Mathematik und ein weiteres Fach – werden sie ausgebildet. Insgesamt dauert die Qualifizierungsphase für die Grundschule gut drei Jahre. Die Teilnehmer werden in dieser Zeit als Angestellte beschäftigt, nach der Entgeltstufe E11.

Zugleich verpflichten sie sich dazu, anschließend mindestens drei Jahre lang an einer Grundschule tätig zu sein – als Beamte und nach der üblichen Grundschulbesoldung A12. Wenn sie die neue Schulform zu schätzen gelernt haben, können die Lehrkräfte bleiben. Ansonsten besteht die Möglichkeit, in das ursprünglich erworbene Lehramt an einer weiterführenden Schule zu wechseln.

Für die Qualifizierung als Förderschullehrer sind zwei Jahre vorgesehen. Hier sollen die Teilnehmer 17,5 Pflichtstunden unterrichten (statt 27,5), während sie in der restlichen Zeit die besonderen Anforderungen der Sonderpädagogik erfahren. Hier werden die Teilnehmer während der Weiterbildung nach dem (besseren) E13 bezahlt. Sie können anschließend mit einer Beamtenstelle rechnen, die mit A13 vergütet wird.

Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war ursprünglich geplant gewesen, dass die Lehrer während der Weiterbildung mehr Unterrichtsstunden leisten müssten. Es sei gelungen, dies zugunsten der Ausbildung zu ändern, sagte der GEW-Vorsitzende Jochen Nagel.

Das Kultusministerium bestätigte, dass es „Gespräche mit der Gewerkschaftsspitze“ gegeben habe. Man freue sich, dass jetzt auch deren Vertreter im Hauptpersonalrat dem Vorhaben zugestimmt hätten.

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