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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) umarmt die türkische Ärztin und Menschenrechtlerin Sebnem Korur Fincanci nach der Preisverleihung.

Hessischer Friedenspreis

Türkische Ärztin mit Friedenspreis geehrt

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Wegen ihres mutigen Einsatzes gegen Folter wird die türkische Ärztin Sebnem Korur Fincanci in Wiesbaden mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet.

Die türkische Ärztin Sebnem Korur Fincanci ist für ihren Einsatz bei der Aufarbeitung von Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet worden. „Dieser Preis hat für mich eine ganz besondere Bedeutung – nicht nur für mich, sondern für alle Verteidigerinnen und Verteidiger der Menschenrechte“, sagte die 59-jährige Professorin für Forensik bei der Entgegennahme des Preises am Mittwoch im Hessischen Landtag. 

Fincanci steht seit 2009 an der Spitze der Menschenrechtsstiftung der Türkei. Ende der 1990er Jahre war sie federführend an der Erstellung des Istanbul-Protokolls beteiligt. Mit diesem Werk wurden erstmals international anerkannte Standards für die Untersuchung und Dokumentation von Folteropfern geschaffen. 

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte bei der Feierstunde, Folterer setzten darauf, dass ihre Untaten nicht entdeckt und verfolgt würden. Durch die Arbeit Fincancis und ihrer Kollegen, die Methoden zum medizinischen Nachweis von Folterspuren entwickelt haben, müssten Täter damit rechnen, zur Rechenschaft gezogen zu werden. 

Bouffier lobte den „außerordentlichen Mut“ der Preisträgerin. Sie arbeite in einem Land, „das uns Sorgen bereitet“. Er beklagte, dass in der Türkei weiterhin auch Bürger aus Deutschland ohne Anklage inhaftiert seien. Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) nannte Fincancis Arbeit „beispielgebend für die weltweite Ächtung von Folter“. 

Die Laudatio sprach Wolfgang Huber, der frühere Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD). „Die Bekämpfung der Folter ist Ihr Lebensthema“, sagte er über die Preisträgerin. Das habe sie mit zahlreichen persönlichen Nachteilen bezahlen müssen. So sei ihr mehrfach der Lehrstuhl in Istanbul entzogen worden. Stets sei Fincanci aber von Gerichten wieder in ihr Amt eingesetzt worden. „Möge es auch in der Zukunft in der Türkei unabhängige Richter geben, die zu solchen Entscheidungen in der Lage sind“, fügte Huber hinzu. 

Der Hessische Friedenspreis wurde 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD) begründet. Der mit 25 000 Euro dotierte Preis wird von der Albert Osswald-Stiftung vergeben. 

Die Preisträger werden von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung vorgeschlagen. Die Liste der Preisträger reicht vom Dalai Lama und dem Dirigenten Daniel Barenboim, der sich um die Aussöhnung zwischen Israel und Palästina verdient gemacht hat, bis zur EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und der ehemaligen UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte.

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